02:45 06 August 2020
SNA Radio
    Kommentare
    Zum Kurzlink
    Von
    41058
    Abonnieren

    Die Öffentlichkeit ist aufgerufen, genau hinzusehen, was passiert: Terroristen haben in der Gegend von Sarmada 15 Sprengkörper gebaut und mit Giftstoff befüllt. Die Terrormiliz „Haiat Tahrir asch-Scham“ will die selbstgebauten Giftgranaten an menschenreichen Orten in der Provinz Idlib zünden, warnt das Russische Befriedungszentrum für Syrien.

    Syrien hatte vor dem Bürgerkrieg chemische Waffen in beträchtlichem Umfang vorgehalten. Pro Jahr konnten nach Einschätzung von Fachleuten mehrere hundert Tonnen Sarin, Senfgas, Tabun und VX hergestellt werden. Erzeugt wurden die chemischen Kampfstoffe an fünf Standorten: in Sfireh, Latakia, Palmyra, Hama und Homs. Die Giftstoffe brauchte Damaskus nach eigener offizieller Version zur Abschreckung Israels.

    Chemische Waffen hätten fast einen Großangriff der USA und ihrer Verbündeten auf Syrien ausgelöst – im Sommer 2013. Im August hatten Unbekannte in Ost-Ghuta, einem Vorort von Damaskus, Sarin eingesetzt. Zwischen 600 und 1300 Menschen starben. Die Vereinigten Staaten machten unverzüglich die Assad-Regierung für den Angriff verantwortlich und drohten mit Luft- und Raketenschlägen gegen syrische Rüstungsbetriebe. Durch Russlands Vermittlung konnte Schlimmeres verhindert werden: Moskau gelang es, Damaskus davon zu überzeugen, alle restlichen Chemiewaffenbestände unter der Aufsicht internationaler Beobachter zu vernichten.

    Bis zum 24. April 2014 wurden 90 Prozent aller Giftstoffe außer Landes gebracht und vernichtet. Bis Januar 2016 entledigte sich die syrische Regierung aller ihrer Chemiewaffen. Jedoch hatten Mitglieder mehrerer Terrororganisationen im Zuge des Krieges Lager mit chemischen Kampfstoffen erobert. Bisher ist immer noch unklar, wieviel Giftgas die Terroristen hatten entwenden können und wieviel davon sie bis heute vorrätig haben. Skrupel, die Giftstoffe gegen die syrische Regierungsarmee ebenso wie gegen die syrische Zivilbevölkerung einzusetzen, hatten die Guerillas jedenfalls nicht.

    Sarin und Chlor

    Im März 2013 wurde eine mit Sarin befüllte Rakete in Aleppo abgefeuert, im Stadtteil Chan al-Assal. 16 Menschen wurden getötet. Ohne Beweise beschuldigte Washington die syrische Armee, den Angriff ausgeführt zu haben. Doch kamen russische, vor Ort tätige Fachkräfte zum klaren Befund: Der chemische Anschlag wurde von Terroristen ausgeführt. Bis Jahresende kamen Giftstoffe in Syrien mindestens zehn weitere Male zum Einsatz.

    2015 nutzten der Islamische Staat und seine Ableger chemische Waffen mehrfach gegen die kurdischen Volksverteidigungskräfte – beispielsweise im Juli in der Gegend von Al-Hasaka. Nur weil die Kurden ausreichend Gasmasken zur Verfügung hatten, starb niemand. Unabhängige Beobachter aus Großbritannien bestätigten die Angaben der YPG.

    Im März 2016 teilte die YPG-Führung mit, ihre Truppen in Aleppo würden mit selbstgebauten Chlorgranaten beschossen. Im August erfolgte ein chemischer Angriff auf den Ostteil der Stadt – aus der Gegend von Sukkari, einem von der Terrormiliz „Harakat Nour al-Din al-Zenki“ kontrollierten Gebiet. Sieben Menschen wurden getötet. Am 30. Oktober teilte das russische Verteidigungsministerium mit, die Terroristen würden Sprengkörper mit Weißphosphor und Chlor auf die Regierungstruppen abfeuern.

    Alle von Damaskus offiziell dokumentierten Bestände an chemischen Kampfstoffen waren längst vernichtet, als es am 4. April 2017 in der Stadt Chan Schaichun (Provinz Idlib) zum massiven Ausstoß von Sarin kam: 89 Tote, 550 Verletzte. Vertreter von Weißhelmen (viele Analysten zählen die selbsternannte Hilfsorganisation zu Handlangern des Terrors) berichteten westlichen Medien von vier „überaus schwachen Detonationen“, die angeblich für chemische Fliegerbomben typisch seien.

    Erneut wurde der Assad-Regierung ein Giftangriff vorgeworfen. Drei Tage darauf feuerte die amerikanische Marine Marschflugkörper auf den syrischen Flugplatz Schairat ab, von dem angeblich die Flugzeuge mit den Giftbomben gestartet waren. Eine Untersuchung des Angriffs auf Chan Schaichun hatte da noch gar nicht begonnen.

    Nach Ansicht zahlreicher Experten können Aussagen der Weißhelme schon aus dem Grund nicht als stichfest betrachtet werden, dass die freiwilligen Mitglieder dieser Organisation keine Fachleute für chemische Kampfstoffe seien. Damaskus und Moskau bestritten den Einsatz chemischer Kampfstoffe: Die syrische Luftwaffe habe lediglich Werkstätten zur Herstellung von Giftstoffen auf dem Gebiet der Terroristen beschossen. Für den Angriff auf Chan Schaichun sei ein lokaler Al-Qaida-Ableger verantwortlich.

    Im Oktober 2017 erklärte das amerikanische Außenministerium überraschend, die der „al-Nusra-Front“ nahestehende Terrormiliz „Haiat Tahrir asch-Scham“ habe chemische Kampfstoffe in Idlib eingesetzt. Das russische Verteidigungsministerium wertete diese Erklärung als offizielles Eingeständnis, dass die islamistischen Terroristen in Syrien chemische Kampfstoffe besitzen. Ein Vertreter des russischen Ministeriums erklärte, außer dem Angriff auf Chan Schaichun sei kein weiterer Einsatz von Chemiewaffen in der Provinz Idlib bekannt. Den folgenschweren Angriff vom April 2017 hätten folglich Terroristen ausgeführt.

    Eine Sache der Politik

    Zum bisher letzten schweren Eklat mit chemischen Waffen kam es im Januar 2018. Die Weißhelme meldeten, in der Stadt Duma in Ost-Ghuta seien Giftstoffe freigesetzt worden. Dem seien 13 Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, zum Opfer gefallen.

    Als Beweis zeigten westliche Medien eine inzwischen übliche Bilderfolge: mehrere Fotos ein und desselben Kindes mit Sauerstoffmaske, auf jedem der Bilder aus unerklärlichem Grund von jeweils unterschiedlichen Menschen in unterschiedlichen Räumen in den Händen gehalten. Dazu Bilder einer sonderbaren Granate mit verrostetem Leitwerk und einem zylinderförmigen Behälter statt des Sprengkopfs. Das Geschoss ähnelte einem selbstgebauten Sprengkörper, wie die Terroristen sie herstellen, statt einer serienmäßig produzierten Armeegranate.

    Dass die Vorwürfe gegen die syrische Regierung nicht selten haltlos sind, erklären russische Politiker und Diplomaten immer wieder. Selbst die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OVCW) urteile nicht objektiv, sagte dieser Tage die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa. Die OPCW übernehme in dieser Sache stets die Sicht der Vereinigten Staaten:

    „Die Organisation darf nicht länger von Staaten in die Geiselhaft genommen werden, die ihr ihre ausschließlich eigennützige Tagesagenda aufdrängen. Sollte deren Vorgehen kein Ende nehmen, könnte die OVCW in eine Lähmung verfallen.“

    Aus der Luft gegriffen ist diese Mahnung nicht. Zahlreiche Experten haben mehrfach betont, für Baschar Assad bestehe überhaupt keine militärische Notwendigkeit, Terroristen mit chemischen Waffen zu bekämpfen. Eine Wende im Krieg ist nicht durch vermeintliche Sarin- und Chlorgranaten herbeigeführt worden, sondern durch den Einsatz der russischen Luftstreitkräfte.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Verlieren Regierung und Medien ihre Glaubwürdigkeit? Unionsfraktions-Vize über Doppelmoral bei Demos
    Ein „Zehner-Club“ gegen China: Kann das gut sein für Europa?
    Medwedew warnt Weißrussland vor „traurigen Folgen“ nach Festnahme russischer Bürger
    Stadt in Trümmern: Schreckliche Bilder nach Mega-Explosion in Beirut
    Tags:
    Giftstoff, Chemiewaffen, Idlib, Syrien