21:34 30 September 2020
SNA Radio
    Kommentare
    Zum Kurzlink
    Von
    221116
    Abonnieren

    Ein Minus von 33 Prozent im ersten Halbjahr dieses Jahres ist ein Einbruch, wie die amerikanische Wirtschaft ihn in dieser Intensität noch nie durchgemacht hat. Experten sprechen von tiefster Rezession, die sich trotz der staatlichen Hilfsbillionen eingestellt hat.

    Die schlimmsten Mahnungen der Volkswirte sind wahr geworden. Weder die Große Depression noch die Große Rezession (2008) oder irgendeine andere der annähernd dreißig Wirtschaftskrisen der vergangenen zwei Jahrhunderte löste einen derart steilen Rückgang der Wirtschaftsleistung innerhalb so kurzer Zeit aus.

    In den ersten drei Monaten dieses Jahres ging das Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten um fünf Prozent zurück und beendete damit eine elf Jahre währende Aufschwungsphase in der US-Wirtschaft. Es hatte sich die starke Konsumkürzung ausgewirkt, denn 70 Prozent der amerikanischen Wirtschaftsleistung hängen an den Ausgaben der Privatkonsumenten.

    Im April bis Juni ist die Wirtschaftsleistung in den USA nach Angaben des amerikanischen Handelsministeriums nochmal um ein Drittel eingebrochen, womit das ganze seit 2015 erzielte Wirtschaftswachstum implodiert ist. Die amerikanische Wirtschaft ist damit um mehr als fünf Jahre zurückgefallen.

    Gegeben hat es so etwas noch nie. Das schlimmste Quartalstief bisher war das von 1958: minus zehn Prozent. Das schlimmste Jahrestief verzeichnete die amerikanische Wirtschaft 1932: knapp dreizehn Prozent.

    „Die im März und April verhängten Einschränkungen sind in einigen Landesregionen im Mai und Juni aufgehoben worden. Auch haben Haushalte und Unternehmen staatliche Hilfen erhalten. Dennoch setzen Firmen und Schulen den Betrieb in Telearbeit fort, die Verbraucher schränken sich beim Konsum ein“, heißt es im Bericht des US-Handelsministeriums. Noch sind die Daten vorläufig, die präzise Statistik soll am 27. August vorgestellt werden.

    Die Großbanken Goldman Sachs und JP Morgan warnten noch im April vor einer unausweichlichen Rezession. Nun steht es offiziell fest: Die Wirtschaft fällt zwei Vierteljahre in Folge – und sie fällt ungewöhnlich tief. Eine Insolvenzwelle hat die Arbeitslosigkeit in den USA auf 14,7 Prozent hochschnellen lassen. 17 Millionen Amerikaner sind nach Angaben des amerikanischen Arbeitsministeriums derzeit auf staatliche Sozialleistungen angewiesen.

    Erholung steht nicht an

    Das Weiße Haus betont währenddessen, die amerikanische Wirtschaft sei in einer besseren Verfassung in die Krise gegangen, als vor 20 Jahren. Beispielsweise sei die Schuldenlast der Privathaushalte vor der Pandemie geringer gewesen, als 2008. Bundeshilfen würden die Erholung der Wirtschaft fördern: Rund sechs Billionen Dollar sind seit März in die amerikanische Wirtschaft emittiert worden.

    Aber: Der Weltwährungsfonds schätzt den aktuellen Rückgang der amerikanischen Wirtschaftsleistung nicht auf 33, sondern auf 37 Prozent. Und die für das dritte Quartal dieses Jahres prognostizierte Erholung der Wirtschaft ist nicht in Sicht. „Wegen steigender Ansteckungszahlen ist die Wirtschaft für Wochen stehengeblieben, weil die Verbraucher Ausgaben zurückhalten und Reisen vermeiden angesichts der andauernden Kündigungen“, berichtet „Bloomberg“.

    „Es ist ein Horror“, sagt Nariman Behravesh, Chefvolkswirt von IHS Markit. „Etwas Vergleichbares haben wir noch nie gesehen.“ Mark Zandi, Chefvolkswirt von Moodys Analytics, führt aus: „Der Bericht des Handelsministeriums hat offenbart, wie tief und schwarz das Loch ist, in das die Wirtschaft hineingestürzt ist.“ Um da wieder herauszukommen, werde viel Zeit benötigt.

    Derweil entlassen amerikanische Unternehmen weiter Personal, betont die Bankengruppe Julius Baer aus der Schweiz. Amerikanische Bürger sollten sich infolge von Umstrukturierungsmaßnahmen und anstehenden Insolvenzen auf eine zunehmende Arbeitslosigkeit einstellen.

    Der IWF erwartet für die US-Wirtschaft im Jahresergebnis einen Rückgang von 6,6 Prozent. Außer den virusbedingten Problemen belasten Grundsatzrisiken und die Geldpolitik der Federal Reserve die wirtschaftlichen Aussichten – vorrangig die angehäuften Staats- und Unternehmensschulden sowie die drohende Niedriginflation oder gar Deflation infolge der Nullzinspolitik der amerikanischen Notenbank. Vielen US-Bürgern drohen für die nächsten Jahre ernste finanzielle Schwierigkeiten und schwere Einschnitte beim Lebensstandard, warnt der IWF.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Nord Stream 2: Russischer Botschafter erklärt, was hinter US-Vorgehen steckt
    „Migranten können wir erschießen”: Wirbel um TV-Doku über AfD – Sputnik hakt nach
    Fünf Jahre Befreiungsschlag in Syrien: Warum sich Russland durchgesetzt hat
    Tags:
    Rezession, Wirtschaftskrise, USA