01:58 27 November 2020
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    Sandra Maischberger meldet sich nach dem Urlaub mit ihrem TV-Talk im Ersten zurück – und begeht gleich wieder einen ähnlichen Fehler wie in ihrer letzten Sendung vor der Sommerpause. Im Unterschied zu damals erlebt die Sendung aber keinen Shitstorm – aus verständlichen Gründen.

    Erwartungsgemäß ist das Hauptthema der Sendung „Corona“. Den aktuellen Anlass dazu haben die wieder steigenden Fall-Zahlen („Kommt die zweite Welle?“) und die so stark umstrittene Demonstration der Corona-Skeptiker am Samstag in Berlin geliefert.

    Der Zeitpunkt für die Demo mag zwar zumindest angesichts der Infektionszahlen, die das RKI in den letzten Tagen liefert, nicht gerade der passendste gewesen sein, es ändert aber wenig an der Stimmung, die die Demonstranten zusammengeschweißt und zu dieser Aktion bewogen hatte. Muss man diese deshalb pauschal als „Covidioten“ bezeichnen, wie dies die SPD-Chefin Saskia Esken tut?

    Günter Wallraff, längst eine Ikone der links angesiedelten Regierungskritiker, sieht in den Protestlern ein „Konglomerat von Verängstigten, Verwirrten und Verhetzten“. Sinngemäß: Nicht alle seien (Cov-) Idioten, es gebe unter ihnen auch solche, mit denen „man reden muss“ und denen man „kostenlose Zeitungs-Abo zukommen lassen“ sollte. Denn „die reden von der Lügenpresse, lesen aber nicht einmal Zeitungen“.

    „Die Gewinner der Woche sind Demokratie und Meinungsfreiheit“, behauptet die TV-Journalistin Düzen Tekkal. „Bemerkenswert ist, dass die Demonstranten von ‚Corona-Diktatur‘ sprechen und gleichzeitig das Demonstrationsrecht in Anspruch nehmen.“

    Keine alternative Meinung bei „Maischberger“

    Da waren also die Wörter „reden“ und „Meinungsfreiheit“ gefallen. Wenn sich aber der öffentlich-rechtliche Sender als demokratisch versteht – warum wurde dann niemand zum Corona-TV-Talk eingeladen, der letzten Samstag in Berlin auf die Straße gegangen war bzw. einfach diese Corona-Skepsis teilen würde? Etwa Tino Chrupalla, der Co-Vorsitzende der AfD, der die Demonstration begrüßt hat. Der Politiker wurde zwar von der ARD mit seinem Lob für die Demonstranten zitiert, allerdings in einer Nachrichtensendung – eine offene Diskussion und Auseinandersetzung mit einer alternativen Meinung wollte die „Maischberger“-Redaktion anscheinend nicht riskieren.

    Überaus kennzeichnend ist in diesem Zusammenhang der Skandal, den die letzte „Maischberger“-Sendung vor der Sommerpause  hatte. Damals hatte die Redaktion ursprünglich vor, zum Thema „Rassismus“ nur unter Weißen zu diskutieren, was einen derart massiven Shitstorm auslöste, dass der Sender auf die Schnelle eine afroamerikanische Diskussionsteilnehmerin per Skype organisieren musste. Die Tatsache, dass jetzt kein „Corona-Skeptiker“ eingeladen war, regte bezeichnenderweise niemanden auf.

    Allerdings muss eingeräumt werden, dass in der „Maischberger“-Sendung am Mittwochabend ein anderes Beispiel von „doppelten Standards“ erwähnt wurde: Bei der „Black-Live-Matters“-Kundgebung Ende Juni in Berlin hatte so gut wie niemand problematisiert, dass die Demonstranten die Hygiene-Regeln nicht unbedingt strikt eingehalten hatten.

    „Apodiktiker und Apo-Karl-yptiker“

    Einen heftigen Zusammenstoß hat es in der Sendung dennoch gegeben, und zwar zwischen dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) und dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach. Der SPD-Bundestagsabgeordnete, der dem deutschen Fernsehen in den vergangenen Jahren hauptsächlich als ein Kauz mit Fliege aufgefallen war, ist nun seit dem Pandemie-Ausbruch der allgegenwärtige Medienstar, der allerdings seit Monaten seine ewige Leier überstrapaziert und mit seinen üblichen Unkenrufen, die sich zum Glück nicht alle bewahrheitet haben, vielleicht das Gegenteil erreicht hat. So liegt auch die Vermutung nahe, dass gerade Lauterbachs notorische Schutzmasken-Verherrlichung viele „Corona-Leugner“ mit bewogen haben könnte, die Maskenpflicht zu verweigern.

    Als Palmer seinen Gesprächspartner in der Sendung als „Apodiktiker und Apo-Karl-yptiker“ bezeichnete, verlor Lauterbach sichtbar die Fassung. Er wollte auch nicht zugeben, dass so manche seiner bisherigen Unkenrufe (etwa „Zulassung von Geisterspielen in der Bundesliga wären katastrophal“) danebengeraten waren, und brandmarkte die Absicht, dass bei der demnächst beginnenden Bundesliga-Saison Zuschauer, wenn auch unter Auflagen, zugelassen werden sollen, als „frivol und unangemessen“.

    Söder-„Festspiele“

    Ziemlich unvermittelt erwies sich die Sendung als eine Werbung für Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Lorbeeren bekam er schon zu Beginn der Sendung vom „FAS”-Wirtschaftsjournalisten Rainer Hank („Bei Corona ist er der Sieger – meine linken Frankfurter Freunde sagen: ‚Der gefällt uns!‘“) und sogar von Wallraff:

    „Ich bin angenehm überrascht. So gut kann er sich nicht verstellen, denn er ist kein Schauspieler. Er schafft Vertrauen – tut mir leid, dass ich das gegen meine Überzeugung bemerken muss.“

    Auch für den USA-Experten Christian Hacke, der gegen Ende der Sendung zum Thema Donald Trump und Präsidentenwahlen in den Vereinigten Staaten interviewt wurde, würdigte Söder als einen Politiker „von Format“. Er erläuterte seinen Standpunkt wie folgt: „Die liberalen Eliten bei uns und in der ganzen westlichen Welt haben sehr stark versagt in vielen Dingen (...). Da gibt es genügend Kritik. Auf der anderen Seite gibt es aber die unangenehme Form wie AfD (…). Da eine Schneise zu finden – genau mitten durch –, das machen Leute wie Söder.“

    Der Moderatorin blieb nichts Anderes übrig, als ihre Sendung mit ironischem Kichern als „Söder-Festspiele“  zu bewerten.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Deutschland, ARD, Black Lives matter (BLM), Hygiene-Demo, Maischberger