10:03 04 Dezember 2020
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    Um gleich vorauszuschicken: Die als Thema des jüngsten „Dunja-Hayali“-Talks formulierten Fragen – „Was tun gegen eine zweite Infektionswelle?“ und „Was wollen die Corona-Protestierer?“ – wurden in der Sendung nicht wirklich beantwortet. Lehrreich war diese dennoch, um sich von der allgemeinen Rat- und Hilflosigkeit ein Bild zu machen.

    Zu Beginn des TV-Talks mahnte die aus ihrem Urlaub kurz zugeschaltete Chefin des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte, Ute Teichert: Die Gesundheitsämter, die eigentlich die Hauptverantwortung für die Wirksamkeit der Anti-Corona-Maßnahmen tragen, seien nach wie vor schlecht aufgestellt. Und zwar bundesweit.

    Gesundheitsämter nach wie vor im Krisenzustand?

    Nota bene: Diese Feststellung hatte sie in einer ähnlichen TV-Talkshow bei einer anderen Polit-Talk-Moderatorin bereits am Anfang der Pandemie im Frühling getroffen. In den darauf folgenden Monaten wurde den Gesundheitsämtern massive Unterstützung zugesagt, die wohl auch, muss man annehmen, umgesetzt wurde. Am Donnerstagabend mussten sich aber die Zuschauer*innen mit dieser Annahme begnügen: Dr. Teichert hat nämlich nicht erläutert, ob die versprochene Hilfe wirklich eingetroffen war und was konkret und in welchem Umfang ihre Behörde heute brauchen würde, um der drohenden zweiten Infektionswelle die Stirn zu bieten. Dunja Hayali hat auch nicht nachgestoßen: Die Moderatorin reagierte auf die erwähnten Versäumnisse lediglich mit dem emotionalen Aufruf „Das ist ja nicht zu fassen!“, kurz danach wurde Dr. Teichert wieder abgeschaltet und durfte ihren Urlaub weiter genießen.

    NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der nun aufgefordert wurde, zu diesem Thema Stellung zu nehmen, versicherte, dass für die Gesundheitsämter sehr wohl „sehr viel“ gemacht wurde, sehr viel aber gemacht werden müsse. Etwas Konkreteres haben wir nicht erfahren.

    Armin Laschet: gestern „Vorprescher“ – heute strenger Landesvater

    Zwischendurch wurde im Studio ein weiteres aktuelles Thema abgehakt: Schulbeginn. Zur Veranschaulichung des Problems wurde eine Landkarte eingeblendet, die zeigte, wie unterschiedlich etwa die Maskenpflicht an den Schulen in verschiedenen Bundesländern gehandhabt wird. Laschet, dem erst vor kurzem vorgeworfen wurde, er presche mit seinen Lockerungen zu schnell vor, agiert mittlerweile als strenger Vater seines Bundeslandes: Als Einziger in der Bundesrepublik will er an den Schulen in Nordrhein-Westfalen die strengste Regel einführen: Maskenpflicht auch im Unterricht ab 5. Klasse. Was ist aber, wenn sich ein Schüler der Maskenpflicht verweigert? Wird er nach Hause geschickt oder was? Zweimal stellte Dunja Hayali diese Frage an den Ministerpräsidenten – zweimal wich er aus.

    „Ich bin keine Verschwörungstheoretikerin!“

    Natürlich musste die Journalistin in dem TV-Talk „ihres Namens“ auf ihre Erlebnisse bei der Anti-Corona-Demo am Samstag in Berlin zurückkommen, die ja in den vergangenen Tagen ohnehin von ihr selbst und von mehreren Medien ausgeschlachtet worden waren. Was sie am Samstag anscheinend am meisten überrascht hat, war der „erschreckende Mix“, dem sie auf den Berliner Straßen begegnet war. Die Leute, die bei ihrer Aktion laut deren Motto „Das Ende der Pandemie – der Tag der Freiheit“ manifestieren wollten, waren – neben den „üblichen Verdächtigen“ wie Extremisten, Antisemiten, Verschwörungstheoretiker, Esoteriker, Impfgegner etc. – auch viele, die sie nach ihren Worten „der Mitte der Gesellschaft zuordnen würde“. Und das beeindruckte Dunja Hayali offensichtlich noch stärker…

    „Ich bin keine Verschwörungstheoretikerin, ich bin nicht rechts, ich bin auch gegen rechts, aber ich laufe hier trotzdem mit, weil ich in einem solchen System nicht leben möchte“, betonte eine von diesen Demonstrantinnen. „Da kann man jetzt jede Grippe als Pandemie ausrufen…“

    „Glauben Sie grundsätzlich, dass es das Virus gibt?“, fragte Hayali einen anderen Demonstrationsteilnehmer. „Das will ich gar nicht in Frage stellen“, erwiderte er.

    „Ich stelle in Frage, dass diese Auswirkungen durch Corona kommen. Nein, sie kommen durch Entscheidungen, die die Menschen gefällt haben.“

    „Deutsche Medien! Hört auf, zu diffamieren!“

    Über dem Kopf der Journalistin schwebte dabei ein Plakat, auf dem stand: „Deutsche Medien! Hört auf, kritische Bürger und Versammlungen als ‚rechts‘ zu diffamieren!“

    Gerade dem Aufruf versuchte nun die Moderatorin in der Sendung offenbar zu folgen. Als sie dann die im Studio sitzende Linke-Chefin Katja Kipping fragte, wieso auch Linke bei der Demo am Samstag mit dabei gewesen sind, versicherte die Politikerin, dass „wir uns als Partei dagegen positioniert haben“, und beteuerte, dass die Anhänger*innen ihrer Partei mehrheitlich unter Gegen-Demonstranten zu finden waren.

    Während aber Katja Kipping die Erklärung für die Wut, die so unterschiedliche Menschen bei dieser Demonstration zusammengeführt hatte, im üblichen Narrativ „Umtriebe der Rechtspopulisten“ sah, führte Laschet diese auf die allgemeine Verunsicherung der Bevölkerung zurück, denn: „So viele Grundrechtseinschränkungen hat Deutschland seit dem Kriegsende nicht erlebt.“ Um diese Verunsicherung zu zerstreuen, müssten die Politiker „ausstrahlen“, dass diese Einschränkungen immer sorgsam abgewogen werden, meinte er. Ist sich Herr Laschet der Stärke seiner „Ausstrahlung“ wirklich so sicher?  Auch diese Frage der Moderatorin blieb aus.

    Im Einspieler zum letzten Kapitel der Sendung – einem 1:1-Interview mit der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig – hieß es: „Nach Corona-bedingten Einschränkungen, Home-Schooling und Sommerferien sind die Kinder zurück in der Schule. Mecklenburg-Vorpommern wagt seit vergangenem Montag als erstes Bundesland die Rückkehr zum Regel-Unterricht.“

    „Ich bin sowohl als Mutter als auch als Ministerpräsidentin zuversichtlich, dass wir diesen Schulstart gut vorbereitet haben“, erklärte die strahlende Politikerin. Peinlich: Am Freitagmorgen musste dieses Wagnis einen heftigen Rückschlag erleben: Nach einem Corona-Ausbruch mussten gleich zwei Schulen  im bisher Corona-sichersten Bundesland wieder schließen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Pandemie, Demonstration, Proteste, Schule, Infektion, Impfung, Coronavirus, Manuela Schwesig, Dunja Hayali, Armin Laschet, Mecklenburg-Vorpommern