18:14 28 November 2020
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    Eine Feinunze Gold kostet mittlerweile so viel wie noch nie. Russland profitiert von der Preisrallye doppelt: als zweitgrößter Goldproduzent und als das Land mit dem meisten Gold in den Währungsreserven. Analysten versichern: Die Preisgrenze ist für das Edelmetall noch nicht erreicht.

    Mit 1800 Dollar je Feinunze war das Gold schon Mitte Juli zur lukrativsten Geldanlage geworden. Ende des Monats kam aber ein weiterer Preissprung über die Marke von 2000 Dollar. Ein Preisanstieg um ein Drittel seit Jahresbeginn: Wie erklären Experten das Phänomen?

    Auslöser dafür war der seit 1929 nicht dagewesene Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in den USA im zweiten Quartal dieses Jahres um 32,9 Prozent im Vergleich zum Vorquartal und auch die sinkende Wirtschaftsleistung in den Kernländern der EU, erklärt Jaroslaw Chudoroschkow, Seniorpartner der Beratungsgesellschaften KYC und VAX Capital. Die Pandemie habe der Weltwirtschaft schwer zugesetzt. In Zeiten der Unwägbarkeiten suchen Investoren die Rettung in stabilen Werten wie vor allem Gold.

    Ein anderer Faktor ist die ultralockere Geldpolitik der Federal Reserve. Um die amerikanische Wirtschaft zu stützen, hat die Notenbank den Leitzins auf null abgesenkt und parallel dazu die Geldpresse angeworfen. Nicht zum Besten für die amerikanische Währung: Der Dollarkurs sinkt unaufhaltsam und mit ihm fällt die Rendite der amerikanischen Staatsanleihen.

    „Wenn die Dollarmenge im Umlauf stetig steigt, während das Unternehmensgeschäft immer schwerer wird, ist Gold die beste Anlagemöglichkeit“, sagt Witali Kirpitschew, Development Director von TradingView.

    Seit April hat der Dollar, gemessen an den sechs wichtigsten Währungen der Welt, zehn Prozent an Wert verloren – der niedrigste Stand der vergangenen zwei Jahre. Währenddessen liegt die Nettorendite der Treasuries bei null Prozent: Investoren müssen ins Gold flüchten. „Die Fed hat innerhalb weniger Monate über vier Billionen Dollar emittiert, mehr als in den zurückliegenden elf Jahren zusammen“, erklärt Börsentrader Jan Martschinski. „Die Reaktion der Anleger ist nachvollziehbar: Die ungedeckte Währung wird verkauft, der Dollar wird billiger.“

    „Leitzinsen sinken nicht nur in den USA. Und im Umfeld einer Wirtschaft, deren Erholung länger dauert als erwartet, wird das Gold angesichts einer sinkenden Rendite der Treasuries und einer Zunahme geopolitischer Spannungen als Anlage immer attraktiver“, schreibt „Bloomberg“.

    Zudem steigt der Goldpreis auch noch schneller als prognostiziert. Im September 2019 erklärte die Citi Investmentbank, die Feinunze Gold werde in ein paar Jahren an die Marke von 2000 Dollar heranklettern. Inzwischen wagen Experten mutigere Prognosen: 2500 Dollar in den nächsten zwölf Monaten gelten als absolut möglich. Außerdem sind die Analysten überzeugt, dass die Rallye so schnell nicht aufhört.

    „Die massive Geldflut in den USA wird auf lange Sicht die Inflation beschleunigen und die Nachfrage nach Edelmetallen, der klassischen Wertanlage in Zeiten steigender Preise, wird weiter zunehmen“, sagt Denis Ikonnikow, Portfoliomanager bei QBF. „Wenn die Fed ihren Kurs beibehält, wird das Gold über das Jahr weitere 500 Dollar zulegen.“

    Für Russland ist das von großem Wert. Gold macht 23 Prozent der russischen Währungsreserven aus, was gegenwärtig knapp 131 Milliarden Dollar entspricht. Steigt der Goldpreis, wachsen die Währungsreserven des Landes automatisch mit. „Die staatliche Reservestrategie geht auf, weil nationale Währungen in Krisenzeiten weniger stabil sind als Gold“, sagt Witali Kirpitschew von TradingView.

    Seinen Bestand an amerikanischen Staatsanleihen hat Russland unterdessen radikal verringert: auf unter sieben Milliarden Dollar. Den Erlös aus dem Verkauf der Treasuries hat Russland in den Euro, den Yuan und wiederrum in Gold investiert.

    Russland ist aber auch noch der zweitgrößte Goldproduzent der Welt. Laut dem World Gold Council sind in Russland letztes Jahr 329,5 Tonnen dieses Edelmetalls erzeugt worden. Nur China produziert mehr. Im April und Mai dieses Jahres hat Russland fünfzehn Mal mehr Gold ins Ausland exportiert als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum, nämlich für 3,6 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Die Gasexporte des Landes beliefen sich im selben Zeitraum auf 2,4 Milliarden Dollar. Es könnte folglich dazu kommen, dass die russischen Währungsreserven den bisherigen Topwert von 600 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2008 noch übertreffen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Russland, Gold