03:42 28 Oktober 2020
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    Neue Normalität in der Corona-Pandemie: Lockerungen weltweit (114)
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    Dieser Gastkommentar, der die Geschichte hinter dem russischen Impfstoff gegen Covid-19 erzählt und die russische Bereitschaft hervorhebt, mit der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, wurde von allen westlichen Leitmedien abgelehnt.

    Wir haben uns deshalb entschieden, den Beitrag direkt zu publizieren, um unsere Sicht mit der internationalen Leserschaft zu teilen und die Blockade positiver Informationen zum russischen Covid-19-Impfstoff aufzuheben.

    Wir glauben, dass diese Informationen von großer Bedeutung für die internationalen Bemühungen sind, die größte Herausforderung der Welt zu bekämpfen, und wollen, dass die Leser selbst entscheiden, warum dieser Gastkommentar abgelehnt worden ist.

    Dieser Gastkommentar kann von allen Medien veröffentlicht werden, sollten sie es für nützlich erachten, ihre Leser mit der Geschichte und einigen Fakten zum weltweit ersten registrierten Covid-Impfstoff vertraut zu machen. „Russian Direct Investment Fund“ (RDIF) hat außerdem die Webseite www.sputnikvaccine.com ins Leben gerufen, um genaue und aktuelle Informationen zu dem Impfstoff zur Verfügung zu stellen.

    Der russische Impfstoff-Erfolg ist in der Geschichte verwurzelt

    Der Sputnik-Moment ist gekommen. Der russische Impfstoff „Sputnik V“ wurde als weltweit erster registrierter Covid-19-Impfstoff lanciert und weckt Erinnerungen an den schockierenden Start des Sowjetsatelliten aus dem Jahr 1957, der die Erkundung des Alls durch den Menschen einläutete. Diese neue Ära führte nicht nur zum Wettbewerb sondern auch zu vielen Kooperationsbemühungen, darunter die Apollo-Sojus-Mission der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.

    Ein Covid-19-Impfstoff stellt derzeit die größte Priorität der Welt dar und viele Länder, Organisationen und Unternehmen geben an, kurz vor seiner Entwicklung zu stehen. Zum Ende dieses Jahres könnten etliche weitere Länder über ihre eigenen Impfstoffe verfügen. Angesichts der besorgniserregendsten Herausforderung seit Jahrzehnten, der sich die Menschheit gegenübersieht, ist es wichtig, dass politische Schranken den Einsatz der besten erhältlichen Technologien zum Nutzen aller Menschen nicht verhindern.

    Leider haben einige internationale Politiker und Medienhäuser beschlossen, sich auf Fragen der Politik und Versuche zu konzentrieren, die Glaubwürdigkeit des russischen Impfstoffs infrage zu stellen, anstatt sich die wissenschaftlichen Grundlagen vor Augen zu führen, auf denen die in Russland entwickelte adenovirale vektorbasierte Impfstoffplattform beruht. Wir glauben, dass eine solche Herangehensweise kontraproduktiv ist und rufen zu einer politischen „Feuerpause“ bei Impfstoffen angesichts der Covid-19-Pandemie auf.

    Es ist nicht vielen bekannt, dass Russland seit Jahrhunderten einer der weltweiten Führer in der Impfstoffforschung ist. Die russische Herrscherin Katharina die Große gab im Jahre 1768 ein Vorbild ab, als sie 1768 die erste Pockenimpfung erhielt – 30 Jahre bevor die erste Impfung in den Vereinigten Staaten durchgeführt wurde.

    Im Jahre 1892 beobachtete der russische Wissenschaftler Dmitri Iwanowski einen ungewöhnlichen Effekt bei der Untersuchung von Tabakblättern, die an der Mosaikkrankheit litten. Die Blätter blieben auch dann noch ansteckend, als der Wissenschaftler bereits alle Bakterien herausgefiltert hatte. Obwohl noch ein halbes Jahrhundert verstreichen sollte, bis das erste Virus durch ein Mikroskop beobachtet werden konnte, markierte Iwanowskis Forschung die Geburtsstunde der neuen Wissenschaft namens Virologie.

    Entwicklung russischer Vakzine gegen Coronavirus
    © Foto : RDIF / Handout
    Entwicklung russischer Vakzine gegen Coronavirus

    Seit Iwanowskis Entdeckung ist Russland einer der weltweiten Führer im Bereich der Virologie und Impfstoffforschung geblieben und hat viele talentierte Wissenschaftler hervorgebracht, wie Nikolai Gamaleja, der im Labor des französischen Biologen Lois Pasteur in Paris studierte und die weltweit zweite Impfstation gegen Tollwut in Russland im Jahr 1886 eröffnet hat.

    Die Sowjetunion unterstützte weiterhin die Viren- und Imfpstoffforschung. Jeder, der nach dem Zweiten Weltkrieg geboren war, erhielt obligatorische Impfungen gegen Kinderlähmung, Tuberkulose und Diphtherie. In einem seltenen Beispiel der Kooperation aus der Zeit des Kalten Krieges begaben sich drei führende sowjetische Virologen im Jahr 1955 in die Vereinigten Staaten, um Testmöglichkeiten für einen US-Impfstoff gegen Kinderlähmung in der Sowjetunion zur Verfügung zu stellen, eine tödliche Krankheit, die damals Millionen von Leben einforderte. Wenn wir damals zur Kooperation imstande waren, dann können und müssen wir es auch heute wieder sein.

    Jahrzehntelange Arbeiten russischer und sowjetischer Wissenschaftler führten zur Bildung einer ausgezeichneten Forschungsinfrastruktur wie des Gamaleja-Instituts für Epidemiologie und Mikrobiologie. Diese Infrastruktur erstreckt sich über eine der reichsten „Viren-Bibliotheken“ der Welt, die eine einzigartige Konservierungsmethode ermöglicht hat, bis hin zu experimentellen Tierzuchtzentren. Wir sind auf dieses Erbe stolz, das uns ermöglicht hat, den weltweit ersten genehmigten Covid-19-Impfstoff zu entwickeln. Wir haben bereits internationale Anfragen von insgesamt einer Millarde Dosen unseres Impfstoffs erhalten und haben internationale Vereinbarungen getroffen, um jährlich 500 Millionen Dosen zu produzieren, mit der Absicht, diese Menge zu erhöhen.

    Das wahre Geheimnis

    Gegenwärtig stellen viele westliche Medien und Politiker die Geschwindigkeit infrage, mit der Russland seinen Covid-19-Impfstoff entwickelt hat, und erheben Zweifel an seiner Wirksamkeit und Echtheit. Das Geheimnis hinter dieser Geschwindigkeit ist die russische Expertise im Bereich der Impfstoffforschung. Seit den 1980ern bemühte sich das Gamaleja-Zentrum, eine technologische Plattform für Adenoviren einzurichten, die sich in menschlichen Drüsen finden und für gewöhnlich Erkältungen hervorrufen, und diese im Fall der Plattform als „Vektoren“ oder Transportvehikel zu nutzen, die genetisches Material von anderen Viren in Zellen einführen können. Das Gen des Adenovirus, das die Infektion hervorruft, wird dabei entfernt, während ein Gen, das den Code für ein Protein eines anderen Virus enthält, eingefügt wird. Dieses eingefügte Element ist klein, kein gefährlicher Teil des Virus und darum ohne Sicherheitsbedenken für den Körper, aber hilft dennoch dem Immunsystem zu reagieren und Antikörper herauszubilden, die uns vor der Infektion schützen.

    Die Technologieplattform für adenovirus-basierte Vektoren macht die Erzeugung neuer Impfstoffe einfacher und schneller, indem der ursprüngliche Trägerverktor mit genetischem Material von neu aufgekommenen Viren modifiziert wird. Solche Impfstoffe rufen eine starke Antwort des menschlichen Körpers hervor, der eine Immunität aufbaut, während der Prozess der Veränderung eines Vektors und die Hochskalierung der Produktionsprozesse lediglich wenige Monate in Anspruch nimmt.

    Entwicklung russischer Vakzine gegen Coronavirus
    © Foto : RDIF / Handout
    Entwicklung russischer Vakzine gegen Coronavirus

    Humane Adenoviren sind aus wissenschaftlicher Sicht sehr leicht auf eine solche Weise zu verändern und haben sich deshalb zu sehr beliebten Vektoren entwickelt. Seit dem Beginn der Covid-19-Pandemie mussten deshalb alle russischen Forscher lediglich das Gen extrahieren, das für das „Spike“-Protein des neuartigen Coronavirus kodiert, und dieses in einen vertrauten Adenovirus-Vektor einbauen, der es in die menschliche Zelle einschleusen soll. Sie haben sich für diese bewährte und erhältliche Technologie entschieden, anstatt unbekanntes Terrain zu beschreiten.

    Jüngste Studien zeigen auch, dass zwei Injektionen des Impfstoffs nötig sind, um eine Langzeit-Immunität aufzubauen. Seit 2015 haben russische Forscher an einem Zwei-Vektoren-Ansatz gearbeitet, von wo auch die Idee herrührt, die beiden Adenoviren-Vektoren Ad5 und Ad26 im Covid-19-Impfstoff einzusetzen. Auf diese Weise tricksen sie den Körper aus, der eine Abwehr gegen den ersten Vektortypus aufgebaut hat, und verstärken die Wirkung des Impfstoffs mit der zweiten Injektion mit einem anderen Vektor. Es ist wie wenn zwei Züge eine wichtige Fracht zur Festung des menschlichen Körpers transportieren sollen, die die Fracht braucht, um die Antikörper-Produktion hochzufahren. Man braucht den zweiten Zug, um sicherzugehen, dass die Fracht ihr Ziel erreicht. Der zweite Zug sollte anders sein als der erste, der bereits vom Abwehrsystem des Körpers attackiert wurde und diesem bekannt ist. Während also andere Impfstoff-Hersteller nur einen Zug haben, verfügen wir über zwei.

    Mit diesem Zwei-Vektoren-Ansatz hat das Gamaleja-Zentrum auch einen Impfstoff gegen das Ebola-Fieber entwickelt und registriert. Der Wirkstoff wurde bei etlichen Tausend Menschen in den letzten Jahren eingesetzt, womit die Impfstoff-Plattform, die auch für den Covid-19-Impfstoff verwendet wurde, sich bewährt hat. Etwa 2000 Menschen in Guinea haben Injektionen mit Gamaleja-Impfstoffen in den Jahren 2017 und 2018 erhalten und das Gamaleja-Zentrum verfügt über ein internationales Patent für seinen Ebola-Impfstoff.

    Der Zwei-Vektoren-Ansatz

    Das Gamaleja-Zentrum hat Adenoviren-Vektoren verwendet, um Impfstoffe gegen Influenza und das “Middle East Respiratory Syndrome” (MERS). Beide Impfstoffe befinden sich gerade in fortgeschrittenen Phasen klinischer Studien. Diese Errungenschaften zeigen, dass russische Laboratorien ihre Zeit in den letzten Jahrzehnten nicht verschwendet haben, während die internationale pharmazeutische Industrie oft die Wichtigkeit neuer Impfstoffforschung unterschätzte, bei globalen Gefährdungslagen, die es bereits vor der Covid-19-Pandemie gegeben hat.

    Andere Länder folgen uns bei der Entwicklung adenovirenbasierter Impfstoffe nach. Die Oxford University setzt ein Affen-Adenovirus ein, das noch nie in einem zugelassenen Imfpstoff enthalten war – im Gegensatz zu menschlichen Adenoviren. Das US-Unternehmen Johnson & Johnson verwendet das Adenovirus Ad26 und das chinesische Unternehmen CanSino – Adenovirus Ad5. Das sind exakt die beiden Vektoren, die das Gamaleja-Zentrum einsetzt, allerdings müssen die beiden Unternehmen noch den Zwei-Vektoren-Ansatz meistern. Bei beiden Unternehmen liegen bereits große Bestellungen an Impfstoffen von ihren Regierungen vor.

    Der Einsatz zweier Vektoren ist eine einzigartige Technologie, die von Forschern des Gamaleja-Zentrums entwickelt wurde, die den russischen Impfstoff von anderen in der Entwicklung befindlichen adenoviralen vektor-basierten Impfstoffen weltweit unterscheidet. Impfstoffe, die auf adenoviralen Vektoren basieren, haben außerdem klare Vorteile gegenüber anderen Technologien wie mRNA-Impfstoffe.

    Künftige mRNA-Impfstoffe, die klinische Studien in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern durchlaufen, verwenden keine Vektoren für die Beförderung und stellen stattdessen ein RNA-Molekül mit Code für das Corona-Virus-Protein dar, das in eine Lipid-Membran eingehüllt ist. Diese Technologie ist versprechend, aber ihre Nebenwirkungen – vor allem ihre Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit – wurden bislang noch nicht tiefgründig genug untersucht. Kein mRNA-Impfstoff wurde bislang in der Welt regulär zugelassen. Wir glauben, dass im weltweiten Impfstoff-Wettrennen im Kampf gegen das Coronavirus adenovirale vektorbasierte Impfstoffe die Gewinner sein werden, aber selbst innerhalb dieser Kategorie ist der Gamaleja-Impfstoff ganz vorne.

    Skeptizismus begegnen

    Der russische Impfstoff ist nun fertiggestellt und registriert. Die ersten beiden Phasen der klinischen Studien sind vorüber und die Ergebnisse werden diesen Monat entsprechend den internationalen Anforderungen vorgestellt. Diese Dokumente werden detaillierte Informationen über den Impfstoff enthalten, darunter auch die genauen Antikörper-Werte aus diversen Tests durch Dritte wie auch aus dem geschützten hauseigenen Gamaleja-Test, der die effektivsten Antikörper gegen das „Spike“-Protein bestimmt. Sie werden ebenfalls zeigen, dass alle Teilnehmer der klinischen Studien eine 100-prozentige Immunität gegen Covid-19 herausgebildet haben. Studien an syrischen Hamstern, Lebewesen, die üblicherweise an Covid-19 sterben, zeigen einen 100-prozentigen Schutz und das Fehlen von Lungenschäden, nachdem die Hamster eine tödliche Dosis des Erregers verarbreicht bekamen. Nach der Registrierung werden wir internationale klinische Studien in drei weiteren Ländern durchführen. Die Massenproduktion des Impfstoffs wird voraussichtlich zum September anlaufen und wir sehen bereits ein starkes globales Interesse an dem Impfstoff.

    Der Skeptizismus internationaler Medien und Politiker ist zutage getreten, als Russland seine Pläne angekündigt hat, mit der Massenproduktion seines Covid-19-Impfstoffs zu beginnen. Als ich mit westlichen Medien gesprochen habe, haben es viele abgelehnt, entscheidende Fakten zur russischen Covid-19-Impfstoffforschung in ihre Geschichten einzubinden. Wir sehen in diesem Skeptizismus einen Versuch, unsere Bemühungen um einen wiksamen Impfstoff, der die Pandemie beendet und die Weltwirtschaft wieder öffnet, zu unterminieren.

    Russischer Impfstoff gegen Coronavirus
    © Foto : RDIF / Handout
    Russischer Impfstoff gegen Coronavirus

    Es ist nicht zum ersten Mal, dass Russland internationalem Misstrauen wegen seiner Führerschaft in der Wissenschaft begegnet, wenn Politik wissenschaftlichen Durchbrüchen im Wege steht und die öffentliche Gesundheit gefährdet. Während des Polio-Ausbruchs in Japan in der 1950er-Jahren gingen japanische Mütter, deren Kinder an Polio starben, auf die Straßen, um gegen ihre eigene Regierung zu demonstrieren, die den sowjetischen Polio-Impfstoff aus politischen Gründen verboten hatte. Die Protestler erreichten ihr Ziel und das Verbot wurde aufgehoben, was in der Folge das Leben von mehr als 20 Millionen japanischen Kindern rettete.

    Die heutige Politik steht wieder einer russischen Technologie gegenüber, die Leben auf aller Welt retten kann. Russland ist offen gegenüber internationalen Kooperationen im Kampf mit dieser und künftigen Pandemien. Ein sowjetischer Delegat antwortete im Jahr 1960 bei einer internationalen Konferenz zu Polio-Impfstoffen in Washington auf die Fragen aus dem Publikum zur Sicherheit  des Impfstoffs, dass die Menschen in Russland „unsere Kinder lieben und genauso um deren Wohlergehen besorgt sind, wie es die Menschen in den Vereinigten Staaten oder in einem anderen Teil der Welt für ihre Kinder sind“. Nach diesen Worten erhielt die sowjetische Delegation stehenden Applaus vom Publikum und die Zusammenarbeit bei Impfstoffen wurde fortgesetzt. Das Wohlergehen und der Wohlstand künftiger Generationen sind das, woran wir jetzt denken müssen. Alle Länder der Welt sollten die Politik beseite schieben und sich darauf konzentrieren, die besten Lösungen und Technologien zu finden, um Leben zu schützen und die Wirtschaft wieder zu aktivieren. Unser Fonds hat bereits Herstellungspartnerschaften mit fünf Ländern gesichert, in denen in Bälde der russische Impfstoff produziert werden soll. Vielleicht können wir dank dieser Partnerschaft im Kampf gegen Covid-19 auch die politisch motivierten Einschränkungen in den internationalen Beziehungen neu bewerten und hinter uns zurücklassen, die überflüssig geworden sind und ein Hindernis auf dem Weg gemeinsamer Bemühungen im Umgang mit globalen Herausforderungen darstellen.

    Kirill Dmitriev ist der Geschäftsführer des „Russian Direct Investment Fund“, eines Staatsfonds mit einem Investitionsvermögen von 50 Milliarden Dollar.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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