01:49 24 September 2020
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    Die USA haben innerhalb von sechs Monaten aus Russland mehr als neun Millionen Tonnen Ölprodukte bekommen – das ist absoluter Rekord seit 2004. Zugleich versucht Washington beharrlich, das „Nord Stream 2“-Projekt zu stoppen, um Europas angebliche Abhängigkeit von russischen Energieressourcen zu verhindern.

    Warum die Amerikaner dabei aber selbst davon abhängig sind – das erfahren Sie in diesem Artikel.

    Rekord-Export

    Russland verdiente beim Verkauf der Ölprodukte an die USA von Januar bis Juli rund 2,2 Mrd. Dollar – so lauten die Angaben des Zolls. In die USA wurden mehr als 7,46 Mio. Tonnen geliefert, das sind zwölf Prozente der Gesamtexporte. Die größte Menge kauften die Niederlande mit 12,19 Mio. Tonnen, die Amerikaner liegen auf Platz zwei, auf dem dritten Platz folgt Malta mit 4,4 Mio. Tonnen. 

    Die Niederlande und Malta sind Hubs, von wo die Ölprodukte in andere Länder gebracht werden. Also der faktische Export in die USA könnte sogar noch höher sein, weil der Zolldienst solche Lieferungen nicht berücksichtigt.

    Nach Angaben der US-Agentur für Energieinformationen (EIA) erreichte der US-Import von russischem Öl in den ersten fünf Monaten des Jahres fast 68 Mio. Barrel bzw. 9,3 Mio. Tonnen. Das ist mehr, als der Zolldienst innerhalb dieser sechs Monate notiert hat, weil die EIA sich nicht nach dem Ausgangsland, sondern nach dem Herstellerland richtet.

    Zudem bauten die Amerikaner im Juli den Ankauf russischen Masuts um 16 Prozent im Vergleich zum Juni aus.

    Kein Ersatz

    Es geht darum, dass die USA ohne Schweröl aus Venezuela auskommen müssen, und die Technologie mehrerer Raffinerien nicht die Nutzung von Leichtöl aus dem Permbecken und dem Westen von Texas ermöglicht. Es muss mit dem schweren Öl vermischt werden, das in Südamerika gekauft worden war. Doch Trump verhängte Sanktionen gegen das venezolanische Staatsunternehmen PVSDA, die Raffinerien bekamen daher ernsthafte Probleme mit Rohstoff. Vor allem die Fabriken am Golf von Mexiko und an der Ostküste, darunter Citgo Petroleum, Valero Energy, Chevron, sind davon betroffen.

    Eine Alternative könnte Öl aus Saudi-Arabien sein, das nach der chemischen Zusammensetzung ähnlich ist, doch die Saudis weigerten sich, die Ölförderung zu erhöhen. Im Ergebnis steht die Wirtschaft über die Politik – man musste sich an Russland wenden.

    „Washington tut alles, um Gazprom daran zu hindern, Nord Stream 2 fertigzubauen. Doch das hindert Washington offenbar nicht an einer Kooperation, wenn die Wirtschaftsinteressen übereinstimmen“, sagte Alexander Rasuwajew, Leiter des Informationsanalytischen Zentrums Alpari.

    „Die jüngsten geopolitischen Ereignisse in der Welt verteilten den Ölmarkt zugunsten Russlands um, weil die USA auf Lieferungen aus anderen Ländern verzichteten und sie mit Sanktionen belegten. Damit wurde Urals zur einzig zugänglichen schweren Ölsorte“, sagte Alexander Duschnkikow, Mitbegründer der A3F Group.

    Neben den ähnlichen Eigenschaften ist der Preis des russischen Rohstoffs attraktiv. Nach Angaben des Finanzministeriums lag der Urals-Preis im Januar durchschnittlich bei 40,34 Dollar pro Barrel, während von Januar bis Juli des vergangenen Jahres der Preis bei 65,27 Dollar lag.

    Zudem sind die Transportkosten deutlich gesunken. Mit der Aufhebung der Quarantäne ist der Kraftstoffverbrauch gestiegen – die Menschen fahren und fliegen nun wieder mehr.

    Branche in der Krise

    Wegen des Absturzes der Ölpreise ist die Zahl der Bohrinseln in den USA auf den jahrelangen Tiefstand gesunken. Dakota Access wurde wegen Verstößen gegen Umweltgesetze geschlossen.

    Die Förderung sank von 13,1 auf 11,1 Mio. Barrel pro Tag. Das traf auch die effektivsten Schieferbecken in den USA – Permbecken, Eagle Ford, Bakken, Anadarko, Appalachian und Haynesville. Laut EIA-Prognose vom 11. August wird sich die durchschnittliche Produktionskapazität der Branche in diesem Jahr auf 11,26 Barrel pro Tag und im Jahr 2021 – auf 11,14 Mio. Barrel belaufen. Zum Dezember werden gerade die Amerikaner den größten Beitrag zum Abbau der globalen Öllieferungen leisten, wie die EIA meldet.

    Nach Angaben von Haynes & Boone leiteten seit Januar 36 Öl- und Gasunternehmen Insolvenzverfahren mit Gesamtschulden von rund 25,2 Mrd. Dollar ein. Darunter mit Whiting Petroleum, einem der größten Fracking-Unternehmen, sowie California Resources und Chesapeake Energy. Im Juni wandte sich ein weiterer Großproduzent - Extraction Oil & Gas -  ans Gericht, als er die Schuldzinsen nicht mehr rechtzeitig zahlen konnte, um Insolvenzverfahren einzuleiten. Nach Einschätzung von Rystad Energy werden sich bis zum Jahresende fast 150 US-Öl- und Gasunternehmen für pleite erklären. Die Schieferölförderung kann auf unter fünf Mio. Barrel pro Tag sinken. Im Ergebnis würde die Branche ein Drittel der Produktionskapazitäten verlieren, so ShaleProfile Analytics.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Ölexport, Erdöl, Öl, USA, Russland, Ölförderung