01:29 01 Dezember 2020
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    Unmerklich leise, schlagkräftig und mit Aufklärungssensoren vollgespickt ist das Jagd-U-Boot, das die US Navy kürzlich nach Norwegen direkt vor den Hafen der russischen Nordmeerflotte verlegt hat. Das Zeichen, das die USA damit setzen, kann deutlicher nicht sein, sagen Analysten.

    Die Navy hat aus der Ankunft der USS Seawolf in Norwegen ein mediales Ereignis gemacht. Auf der Website und über die Sozialen Netzwerke hat das Pentagon Bilder dieses U-Boots veröffentlicht, das zu den meistgehüteten Geheimnissen der amerikanische Seestreitkräfte zählt. Voller Stolz verkündete Vize-Admiral Daryl Caudle, Chef der amerikanischen U-Boot-Flotte, die Entsendung der Seawolf nach Norwegen betone, dass die amerikanische Marine global denke und an jedem Ort der Weltmeere ihren Auftrag erfüllen könne. Der Befehlshaber des U-Boot-Verbandes, Konter-Admiral Anthony Carullo, erklärte, die Verlegung der Seawolf steigere einmal mehr die ohnehin großen Fähigkeiten der Navy im Unterwasserkrieg und bekräftige die Entschlossenheit Washingtons, im Norden die Sicherheit auf See zu garantieren.

    Im Moment verfügt die Navy über drei U-Boote der Seawolf-Klasse. Entwickelt und gebaut wurden sie in den 1980er Jahren für Einsätze in Gebieten, die der Gegner in vollem Umfang unter seiner Kontrolle hält. Deshalb sind diese U-Boote besonders leise und schwer zu orten, aber keineswegs schwach. Zur Bekämpfung des Gegners zu Wasser führt die Seawolf Torpedos, Minen und Harpoon-Raketen mit, für Landziele – Tomahawks.

    ​Der Wasserstrahlantrieb beschleunigt das atomare Jagd-U-Boot auf 35 Knoten, wobei die Kolosse bis zu 20 Knoten nahezu geräuschlos bleiben. Ursprünglich plante die Navy, dreißig dieser U-Boote zu übernehmen, begnügte sich aber letztlich mit nur drei Exemplaren: Eine Armada derart komplexer und kostspieliger Boote hätte die amerikanische Marine nach dem Ende des Kalten Krieges einfach nicht mehr begründen können.

    Die Navy teilt mit, das U-Boot sei der 2. US-Flotte, zuständig für den Nordatlantik, unterstellt worden. Es solle vorerst im norwegischen Tromsö stationiert werden – nahe an den Routen der russischen Atom-U-Boote, die im Atlantik patrouillieren.

    „Was die Amerikaner da machen, kann man als ‚Flagge zeigen‘ werten. Bisher ist das norwegische Tromsö nie als Stationierungsort für atomare U-Boote genutzt worden. Gewöhnlich werden dort Wartungen vorgenommen, U-Boot-Mannschaften können sich zwischen den Einsätzen erholen. Es ist also sicher, dass die Seawolf weiterfahren wird, in das Einsatzgebiet der russischen Nordmeerflotte, in die Barentssee. Wahrscheinlich wird sie zur Aufklärung unter Eis abtauchen, die Jahreszeit ist gerade perfekt dafür“, erklärt der Kapitän zur See und ehemalige U-Boot-Kommandeur Igor Kudrin im Sputnik-Gespräch.

    Eine Frage des Ansehens

    In das Kalkül der Zeichensetzung passt auch, dass gleich nach der Ankunft der Seawolf in Tromsö sechs atomfähige Großbomber B-52 der US Air Force gemeinsam mit norwegischen Jagdflugzeugen übten. Zuvor hatte das B-52-Geschwader demonstrativ den Luftraum von insgesamt 30 Nato-Staaten in Europa und Nordamerika überflogen.

    Die amerikanische Militärführung hat erklärt, unter den regulären Einsätzen der operativen Bombergruppe sei der Überflug etwas Außergewöhnliches gewesen. „Allied Sky“ heißt diese Mission mit dem offiziell erklärten Ziel, den Zusammenhalt der Nato-Staaten zu demonstrieren, die Gefechtsbereitschaft zu erhöhen und die Fähigkeit zu gemeinsamen Operationen zu stärken.

    Doch der ehemalige Kommandeur der russischen Nordmeerflotte Wjatscheslaw Popow weist auf die geopolitische Dimension dieses Einsatzes hin: „Die Vereinigten Staaten wollen zeigen, dass der arktische Raum nicht allein von den russischen Seestreitkräften kontrolliert werde. Washington steckt seinen militärischen Einflussbereich ab. Die Mission ist in jedem Fall ein klares Signal an die russische Führung.“

    Die russische Führung sendet ihrerseits als Reaktion ein starkes Signal an die Nordatlantikallianz. Es verursachte auch eine mediale Aufregung, dass ein russisches Atom-U-Boot letzte Woche in neutralen Gewässern unweit von Alaska auftauchte. Die Amerikaner dachten, ein Unglück sei passiert und boten dem vermeintlichen Havaristen ihre Hilfe an. Doch das russische Verteidigungsministerium erklärte, die „Omsk“ – ein atomares Raketen-U-Boot – sei planmäßig aufgetaucht, im Rahmen der maritimen Großübung „Ozeanschild 2020“.

    Das U-Boot der russischen Pazifikflotte war zur Schießübung in das Beringmeer entsandt worden. Die kürzlich erst modernisierte „Omsk“ beschoss zu Übungszwecken ein über 300 Kilometer entferntes Ziel mit Schiffsabwehrraketen. Ein anderes Schiff des Verbandes, der Kreuzer „Warjag“, traf ein Ziel aus 450 Kilometern mit einer einzigen Rakete.

    Die Großübung erstreckt sich von der Ostsee bis zum pazifischen Ozean. Beteiligt sind daran mehrere Kampfschiffe, U-Boote, Marineflieger und Schiffsabwehrkräfte an russischen Küsten. Angefangen hat das Manöver in der Ostsee, wo die russischen Seestreitkräfte zunächst die Schiffs- und Luftabwehr trainiert haben.

    „Russische Kräfte müssen immer und immer wieder Nato-Flugzeuge in der Nähe russischer Grenzen abfangen. Es ist inzwischen leider zur Normalität geworden, ob in der Ostsee oder im Schwarzen Meer. Damit zeigt Russland seinerseits, dass es nicht vor sich hindöst, sondern überall dort präsent ist, wo es notwendig ist“, erklärte der ehemalige Generalstabschef der russischen Marine Wiktor Krawtschenko im Sputnik-Gespräch.

    Kürzlich ist die russische Übung zu einer weiteren Runde gestartet: Mehr als 50 Schiffe sowie rund 40 Flugzeuge und Hubschrauber werden zu Trainingszwecken mehrere Einsatzlagen im Pazifik bewältigen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Arktis, Russland, USS Seawolf, Norwegen, Atom-U-Boot, USA