05:37 20 Oktober 2020
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    Die Verschuldung der privaten Haushalte in den USA hat den Höchststand der letzten 20 Jahre erreicht. Die Amerikaner haben im zweiten Quartal 2020 über eine Billion Dollar an Hypotheken aufgenommen – so viel wie nicht einmal vor dem großen Hypothekencrash 2007. Was kommt auf die US-Gesellschaft wirtschaftlich zu?

    Ausgerechnet mitten in der Coronapandemie und der damit einhergehenden Wirtschaftskrise blüht in den USA der Markt für Privatdarlehen. Die amerikanische Wirtschaft ist im zweiten Quartal dieses Jahres um fast 33 Prozent eingebrochen, doch im selben Zeitraum haben amerikanische Bürger ihre Immobilien für Kredite in Höhe von 1,1 Billionen Dollar verpfändet, geht aus einem Bericht von „Black Knight Data & Analytics“ hervor.

    Warum sind amerikanische Banken ausgerechnet in dieser Zeit so großzügig bei der Geldvergabe? Die ultralockere Geldpolitik der Federal Reserve ist einer der Gründe.

    „Trotz der Einschränkungen in der Pandemie kam es im zweiten Quartal aufgrund historisch niedriger Leitzinsen zu einem Boom bei Hypothekenkrediten“, erklärt die Beratungsgesellschaft.

    Diese ungeheure Zahl von 1,1 Billionen muss aber natürlich Besorgnis erregen. Schon im April warnte die Investmentbank Goldman Sachs, auf die USA käme ein „Tsunami“ von Hypothekenausfällen zu. Denn wegen der Pandemie sei die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten auf 15 Prozent hochgeschnellt – 20,5 Millionen Amerikaner waren ohne Job. Dies ist fast eine Verdoppelung der Arbeitslosenzahl im Vergleich zur Finanzkrise 2007-2009. Amerikanische Banken machten sich schon auf das Schlimmste gefasst.

    Den Einsturz zu verhindern, gelang aber durch die Refinanzierung aufgrund niedriger Zentralbankzinsen. Nach Angaben von „Black Knight“ ist der Umfang refinanzierter Hypothekenschulden in den USA im zweiten Quartal um 60 Prozent zum Vorquartal und um 200 Prozent zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Die amerikanischen Hauseigentümer hätten „die Grenzen des Machbaren ihrer Kreditgeber“ getestet, heißt es in dem Bericht der Beratungsgesellschaft. Binnen eines Quartals sind 2,3 Millionen Darlehen refinanziert worden – so viel wie in den letzten 17 Jahren nicht.

    Deutlich ist aber auch der Unterschied zur Hypothekenkrise 2007: „Die Hauseigentümer verfügen über ein historisch hohes Eigenkapital.“ Die Immobilienpreise in den USA würden steigen und ein Preissturz sei nicht in Sicht, erklärt der Finanzdienstleister „Caliber Home Loans“. Vor der letzten Hypothekenkrise gerieten Millionen Kreditnehmer in Schwierigkeiten, weil die Immobilienpreise abrupt gefallen waren. Die Immobilienbesitzer schuldeten mehr, als ihre Häuser wert waren.

    Anders heute: Bei präzedenzlosem Rückgang der Wirtschaftsleistung und rekordhoher Arbeitslosigkeit gehen die Immobilienpreise in den USA weiter nach oben. Im Mai dieses Jahres haben sie gegenüber dem Vorjahresmonat immerhin um 4,3 Prozent zugelegt. Diese Wachstumsdynamik ist nur unwesentlich unterdurchschnittlich.

    Alan Greenspan, der ehemalige Vorsitzende der amerikanischen Notenbank (Archivbild)
    © AFP 2020 / Getty Images / Robert Giroux
    Volkswirte begründen dies mit der Verschärfung der Bankenaufsicht seit der letzten Finanzkrise: Der Anteil der Darlehen, die an Schuldner mit schlechter Bonität vergeben wurden, hat sich seither halbiert. Und: Geholfen haben auch die soliden Corona-Hilfen der Regierung, sei es Arbeitslosengeld oder Zusatzzahlungen. Deshalb schließen Analysten nicht aus, dass die Einkommen amerikanischer Haushalte in diesem Jahr mit dem Wachstum des Vorjahres annähernd mithalten können werden.

    Hinzu kommt, dass das Angebot auf dem Immobilienmarkt durch strengere Grundstücksgesetze und schwächere Konkurrenz eingeschränkt worden ist. Zusammen mit der Einkommensentwicklung ergibt dies offenkundig ein robustes Fundament für die Immobilienpreise in den USA, sagen Analysten der Bank of America.

    Die Hoffnung ruht aber auch auf der Federal Reserve, erklärt ein Portfoliomanager der Investmentgesellschaft QBF: „Wenn die amerikanische Zentralbank bereit war, sogar Ramschanleihen aufzukaufen, dann wird sie bei Bedarf erst recht die Hypotheken und Pakete aufkaufen, die durch Immobilien abgesichert sind.“

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Finanzblase, Hypothekengeschäfte, Hypothekenkredite, Finanzkrise, USA