08:19 23 Oktober 2020
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    Dass Russland als erstes Land der Welt einen Impfstoff gegen Covid-19 entwickelt und zugelassen hat, scheint dem überraschten Westen überhaupt nicht zu schmecken – sowohl politisch als auch finanziell.

    Auf der einen Seite wird nach westlicher Denkart einem rückständigen und tief undemokratischen Russland einfach das Recht abgesprochen, Durchbrüche in solch komplizierten und fortgeschrittenen Forschungsbereichen zu erzielen. Auf der anderen Seite hat sich um die Entwicklung eines massentauglichen Impfstoffes ein Wettrennen entsponnen, dass der Gedanke, dass westliche Pharmakonzerne dabei leer ausgehen, seltsame Blüten treibt. Das veranschaulicht zum Beispiel die Nachricht über die vereinbarte Lieferung von 100 Mio. Dosen Impfstoff nach Indien.

    Es ist nicht erstaunlich, dass Russland mit zahlreichen Versuchen konfrontiert ist, die Ergebnisse der Arbeit der russischen Wissenschaftler zu diskreditieren –  es geht dabei um große Politik und großes Geld.

    Doch manchmal finden auch kleine Fische im großen Haifischbecken ihre Beute.

    Gerade so ähnlich verhält es sich um die Veröffentlichung der Ergebnisse der Tests von Sputnik V in der renommierten Zeitschrift „The Lancet“.

    Der Artikel geriet sofort unter Beschuss. Eine Nachricht mit großem Getöse, die von den internationalen Medien verbreitet wurde, war ein offener Brief, in dem der Biologie-Professor Enrico Bucci von der Temple University seine Besorgnis wegen „möglicher Fehler der russischen Forscher“ ausdrückte. Er wurde von knapp 25 westlichen Wissenschaftlern unterstützt.

    „The Lancet“ schlug den russischen Entwicklern vor, auf die gestellten Fragen zu antworten, was auch getan wurde. Das Gamaleya-Institut legte der Zeitschrift ein vollständiges klinisches Protokoll zur Untersuchung des Impfstoffs Sputnik V vor. Der Leiter des Russischen Fonds für Direktinvestitionen, Kirill Dmitrijew, schrieb einen Gastbeitrag, in dem er die wichtigsten Vorwürfe der Kritiker umfassend kommentierte, wobei auch empfohlen wurde, nach Mängeln bei sich zu suchen und nun die russischen Zweifel bezüglich der westlichen Entwicklungen zu zerstreuen.

    Inzwischen besteht das Problem in diesem Fall gänzlich nicht nur in rein wissenschaftlichen Aspekten, auf denen sich die russischen Forscher konzentrierten. Es geht darum, dass der Autor des skandalösen Schreibens eine bemerkenswerte Person ist. In einem BBC-Artikel wurde Enrico Bucci als „ein bekannter Kämpfer gegen Pseudowissenschaft“ bezeichnet. Doch es wäre richtiger, ihn „Unternehmer aus dem Bereich Wissenschaft“ zu nennen. 2016 gründete Bucci die Firma Resis Sri, die auf die Verifizierung, Prüfung der Richtigkeit und Gewissenhaftigkeit von wissenschaftlichen Werken spezialisiert ist. Das ist ein trendiges Thema in der heutigen Wissenschaft. Zu oft wurden in den vergangenen Jahren Forscher wegen der Fehler in wissenschaftlichen Artikeln, darunter grober Fehler, erwischt. Es handelt sich nicht unbedingt um Missbrauch bzw. Betrug, oft kommt es zu unbewussten Fehlern, die allerdings anschließend den Ruf der Wissenschaftler bzw. ganzer Institute schädigen.

    Gerade um solche Probleme zu vermeiden, wenden sich Autoren und Wissenschaftsstrukturen oft an unabhängige Unternehmen, um eigene Texte vor der Veröffentlichung zu prüfen. Die Firma Buccis wurde dazu vom deutschen Fritz-Lipmann-Institut beauftragt, um das vor einiger Zeit ein Skandal wegen grauenvoller Fehler in veröffentlichten Werken ausgebrochen war. Die Zeitschrift „Nature“ berichtete vor einem Jahr ausführlich über diese Geschichte.

    Dieses Geschäft bedeutet bestimmte ethische Einschränkungen, was Prof. Bucci übrigens sehr gut versteht. „Nature“ veröffentlichte im Dezember 2019 einen Artikel über die Reinheit und Gewissenhaftigkeit eines wissenschaftlichen Artikels, den er als Co-Autor mitgeschrieben hatte. Dort wurde angegeben, dass Enrico Bucci einem Interessenkonflikt unterliegt. Einfacher gesagt: Wenn der Inhaber einer kommerziellen Firma öffentlich über deren Tätigkeit erzählt, wird das de facto zum Bewerben seiner Firma.

    Doch wenn es um die „Entlarvung“ des russischen Impfstoffs geht, sind solche Kleinigkeiten nicht so wichtig.

    Der Westen nutzte einen offenen Brief (also Selbstwerbung) Buccis, um der russischen Entwicklung einen weiteren Dämpfer zu versetzen, wobei gehofft wurde, ihre führende Rolle zu untergraben bzw. abzuschwächen. Der Professor selbst wurde Teil einer PR-Kampagne, von der er in einer anderen Situation kaum hätte träumen können. Das  heißt „Hype“ - diesem Prinzip folgen hunderte und tausende Medienpersonen.

    Das wird für ihn zweifelsohne neue lukrative Verträge zur Folge haben. Ein Hype im trüben Wasser der großen Politik kann sehr gewinnbringend sein.

    Doch mit Wissenschaft, Medizin und Rettung von Hunderttausenden Menschen weltweit hat das nichts zu tun.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Russland, Vakzine, Corona-Impfstoff, Impfstoff, Coronavirus