06:52 22 Oktober 2020
SNA Radio
    Kommentare
    Zum Kurzlink
    Von
    309324
    Abonnieren

    Beim Thema „Risikopatient Wirtschaft – mit der Pandemie in die Pleite?“ hätte man bei „Maybrit Illner“ eine hochdramatische Diskussion erwarten können. Und ein vorweggenommenes Kanzlerduell Söder vs. Scholz. Von wegen. Eine wertvolle, vielleicht auch sensationelle Erkenntnis gab es dennoch.

    Von der „tiefsten Krise seit Kriegsende“, wie die jetzige Wirtschaftssituation von vielen Wirtschaftsexperten und Politikern charakterisiert wird, bekamen die ZuschauerInnen am Donnerstagabend im ZDF praktisch gar nichts zu spüren. Bundesfinanzminister Olaf Scholz war jedenfalls recht gut aufgelegt:

    „Ich glaube, dass wir ziemlich gut durch die Krise gekommen sind, gerade wenn man das international vergleicht.“ Mit lobenswerter Bescheidenheit fügte Scholz hinzu: „Ich will nicht behaupten, dass wir in allen Punkten perfekt gewesen sind.“

    „Kleines Kanzlerduell“ Scholz gegen Söder blieb aus

    In erster Linie habe sich das Kurzarbeit-Modell – genauso wie in der Krise 2008 – „gut bewährt“. Es werde zwar noch Pleiten geben, im Großen und Ganzen habe aber die Politik „unsere Volkswirtschaft stabilisiert und durch die Krise geführt“, beurteilte der Vizekanzler seine Leistung.

    Von dem aus Nürnberg zugeschalteten bayerischen Ministerpräidenten Markus Söder hätte man Kritik an dem potentiellen Kanzlerschaft-Rivalen Olaf Scholz  erwarten können. Nix da. Die gesamte Politik habe eine „sehr, sehr gute Bewährungsprobe“ an den Tag gelegt, hieß es von ihm. „Sie werfen den Sozialdemokraten also nicht vor, dass sie nicht mit Geld umgehen können?“, versuchte die Moderatorin zu provozieren. Söder ließ sich jedoch nicht aus der Reserve holen – und das von Maybrit Illner gewünschte „kleine Kanzlerduell“ blieb aus.

    „Man will ja mehr Geld von Herrn Scholz“

    Mehr noch: Auch von der Wirtschaftsweisen Monika Schnitzer, Professorin für Komparative Wirtschaftsforschung an der LMU München, kam kaum Kritik. Dabei war sie von der „Maybrit Illner“-Redaktion sicherlich gerade mit dem Ziel eingeladen worden, um für Dissens zu sorgen. Nix da. Im Gegenteil: „Ganz düster wird es nicht aussehen“, versicherte sie. Die vorausgesagte Pleitewelle werde sich in Rahmen halten, die Arbeitslosenzahl werde kaum die Drei-Millionen-Marke übersteigen. Prof. Schnitzer, die die Bundesregierung als Sachverständige in wirtschaftlichen Fragen berät, klang im Hinblick auf Umfragen von Unternehmern, die sich gern über ihre Situation beklagen, fast zynisch:

    „Wenn man mich als Unternehmer fragt, wie es mir geht, sage ich natürlich: ‚Schlecht‘. Man will ja mehr Geld von Herrn Scholz.“

    Auch Karl Haeusgen, Vizepräsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer, sieht offenbar alles mehr oder weniger als picobello. Sein einziger Vorwurf: Die Wirtschaftshilfe vom Staat komme manchmal zu undifferenziert, damit würden Firmen am Leben gehalten, die schon vor Corona kaum Überlebenschancen hatten: „Viel Geld kommt bei Unternehmen an, die nicht an Corona kranken.“ Stichwort: „Zombieunternehmen“.

    „Zuhause tanzen wird auf Dauer nicht funktionieren“

    Jemand, dem es infolge der Pandemie wirtschaftlich nicht gerade gut geht, fand sich im ZDF-Studio dennoch. Und zwar kein Zombie, sondern ein lebendiger Mensch, eine vollschlanke Dame mittleren Alters. Sandra Beckmann war vor der Krise selbständige Messe- und Eventplanerin. Durch die Krise entging ihr in diesem Jahr nach eigenen Angaben bisher ein Umsatz von 120.000 Euro. Momentan sei sie trotz der anfänglichen Soforthilfe auf Hartz IV angewiesen. Dem Finanzminister direkt in die Augen schauend, sprach die Solo-Unternehmerin von einer „enormen Schieflage in der Behandlung durch die Politik“.  Auch Söder, der im Juni die Landsleute angesichts der Epidemie aufgefordert hatte, „daheim zu tanzen“, bekam von der Unternehmerin einen Seitenhieb:

    „Zuhause tanzen wird auf Dauer nicht funktionieren. Das sehen wir schon jetzt an den vielen illegalen Feiern.“

    Eine vernünftigere Alternative wäre gewesen, sie anzurufen und eine Party unter Einhaltung epidemiologischer Regeln organisieren zu lassen.

    Dem hatte Scholz kaum etwas zu entgegnen. Mit zwar verständnisvollem, aber eher kühlem Blick stellte der Minister fest, dass Frau Beckmann und mit ihr zahlreiche Solo-UnternehmerInnen unverschuldet in die jetzige Situation geraten seien. Eine konkrete Hilfezusage kam seinerseits allerdings nicht.

    „Drei Monate lang falsch gegen Maske geredet“

    Somit repräsentierte die in die Pleite getriebene Event-Veranstalterin in der Sendung so gut wie allein den „Risikopatienten Wirtschaft“, wie dieser im Thema der Sendung angekündigt wurde. Zu erwähnen wäre noch Klaus-Dieter Zastrow, Honorarprofessor für Hygiene. Der betagte Experte hatte sehr wohl einiges auszusetzen an der Corona-Politik der Regierung, vor allem, dass die Bedeutung von Masken zu lange unterschätzt worden sei.

    „Drei Monate lang wurde falsch dagegen geredet, nun haben es alle verstanden“, nörgelte er. Naja, mit „alle“ hat sich der Professor sehr wohl eine tapfere Pauschalisierung erlaubt – sonst hätte es landesweit keine Demos von zigtausenden Masken-Verweigerern gegeben.

    Als „unsinnig“ bewertete der Hygiene-Professor auch das Desinfizieren von Sitzflächen auf Stühlen – das tückische Virus dringe nämlich von einer völlig anderen Seite in den menschlichen Körper ein: „Das Virus kommt durch Hals und Nase – niemals wird sich da ein Coronavirus hin verirren.“

    Auch so manch andere Anti-Corona-Empfehlungen seien „Quark“, meinte er. Würde man aber die nötigsten Hygiene-Regeln einhalten, so würde man auch keinen neuen Lockdown brauchen. Zum Schluss verriet Zastrow einen todsicheren Tipp gegen die Ansteckung: Mundspülung.

    „Das machen wir im Krankenhaus schon seit April.“ Durch regelmäßige Munddesinfektion würden nämlich sehr viele Viren getötet, womit die Ansteckungsgefahr auf ein Minimum reduziert werde.

    Bleibt die Frage, warum die Bundesbürger erst ein halbes Jahr nach dem Pandemie-Ausbruch von diesem Wundermittel erfahren – es hätte vielleicht Tausende von Infektionsfällen verhindern können. Auch die Apotheken hätten ihre Kassen spürbar aufbessern können, was ebenfalls ein Beitrag zur allgemeinen Gesundung der Wirtschaft gewesen wäre.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Nahm an Tests von Oxford-Corona-Impfstoff teil: Brasilianischer Freiwilliger gestorben
    Norbert Röttgen schwärmt von „nicht ersetzbaren“ USA und richtet „historische Frage“ an Deutschland
    Manuela Schwesig fordert bei Nord Stream 2 die Grünen heraus: „Sie haben behauptet, dieses Gas...“
    Tags:
    Hartz IV, ZDF, Markus Söder, Olaf Scholz, Pandemie, Coronavirus