06:02 20 Oktober 2020
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    Die Pandemie kommt die Welt teuer zu stehen. Die plötzliche Lähmung der Weltwirtschaft im zweiten Jahresquartal 2020 bringt laut OECD einen Schaden mit sich, der weit bis ins nächste Jahr greift und auf sieben Billionen Dollar zu beziffern ist.

    Die Finanzkrise von 2008 – damals die „neue Große Rezession“ – verblast vor dem Hintergrund dieses Einschlags.

    Einen Rückgang der wirtschaftlichen Leistung um sechs Prozent hat die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit für dieses Jahr erwartet. Die gegenwärtige Prognose ist etwas besser: 4,5 Prozent. Doch auch diese Rezession ist zumindest in der neuesten Geschichte präzedenzlos. Vor der letzten große Krise von 2008 war die Weltwirtschaft um 1,83 Prozent gewachsen, um im Jahr darauf um 2,3 Prozent zu schrumpfen.

    In ihrer Wirtschaftsprognose nennt die OECD auch eine Zahl für die Krise: Auf sieben Billionen Dollar beziffert die Organisation den durch die Coronapandemie verursachten Schaden für die Weltwirtschaft bis Ende 2021. Es ist so, als würden der Staatshaushalt der USA (4,1 Billionen Dollar) und das Staatsbudget der Volksrepublik China (3,2 Billionen) zusammen über wenige Monate verpuffen.

    Den stärksten Schlag – den Lockdown – musste die Weltwirtschaft im zweiten Quartal dieses Jahres einstecken. Der Einbruch der Wirtschaftsleistung war beispiellos: minus 32,9 Prozent in den USA, minus 14,4 Prozent in der EU. Die Regierungen der Länder haben Billionensummen freigemacht, um der Wirtschaft zurück zur Normalität zu verhelfen.

    Doch genügt hat dies offenbar nicht. Am meisten hat der Dienstleistungssektor gelitten: die Verkehrsunternehmen, die Unterhaltungsbranche, die Reiseanbieter, die Hotels und Gaststätten. Eine Insolvenzwelle hat viele davon schon mitgerissen, eine weitere ist, wie Volkswirte warnen, unausweichlich, sollte die Nachfrage nicht wiedereinsetzen. Immerhin haben die staatlichen Eingriffe Schlimmeres verhindern können – ohne die wäre die Lage noch katastrophaler, heißt es in der OECD-Prognose.

    Am stärksten gefährdet sind Volkswirtschaften, die sich erst zu einer Marktwirtschaft hin entwickeln. Russland zählt auch dazu, allerdings wird dieses Land die Krise nach aktuellen Einschätzungen leichter überstehen. Nach Angaben der russischen Zentralbank ist Russlands Wirtschaft im zweiten Jahresquartal um acht Prozent geschrumpft, jedoch war sie robust in die Krise gegangen – bei einem stabilen Bankensektor, vergleichsweise niedriger Arbeitslosigkeit und Inflation sowie erheblichen Finanzreserven, berichtet „Bloomberg“. Daher sind auch die Erholungsprognosen für die russische Wirtschaft positiver.

    Überraschend und scheinbar paradox erweisen sich doch die 2014 gegen Russland verhängten Sanktionen in der gegenwärtigen Coronakrise als Stabilitätsfaktor. Russland ist vom Außenkapital sehr viel unabhängiger geworden. Hinzu kommt der relativ geringe Anteil des Dienstleistungssektors an der gesamtrussischen Wirtschaft. Analysten von „Bloomberg“ sagen Russland für dieses Jahr einen Rückgang der Wirtschaft von 4,8 Prozent voraus.

    Bisher hat die russische Wirtschaft in einem starken Sprung nach der Aufhebung des Lockdowns 95 Prozent ihres Vorkrisenniveaus wieder erreichen können. Das Risiko, dass die Erholung sich verlangsamt, sobald die sinkenden Löhne und die verschobenen Investitionen sich auf die gesamtwirtschaftliche Leistung auswirken, besteht jedoch weiter fort. Auch eine mögliche zweite Viruswelle und der damit einhergehende Lockdown bleiben als größte Bedrohung.

    Zwar erwarten Analysten weitere Anzeichen wirtschaftlicher Erholung im dritten Quartal dieses Jahres und für 2021 sogar einen Anstieg der Wirtschaftsleistung um fünf Prozent. Aber mit einer baldigen Normalisierung wird im Allgemeinen nicht gerechnet. Bis zur Normalisierung würden „fünf ganze Jahre“ vergehen“, erklärte die Chefvolkswirtin Carmen Reinhart. Die ärmsten Länder würden am stärksten betroffen.

    Dass das neue Normal ein Langzeitphänomen sei, sagen auch die Analysten der OECD: „Wir werden noch Monate mit dem Virus leben müssen. Dies schließt die Möglichkeit der Wirtschaftsaktivität wie bisher aus. Es ist eine enorme Erschütterung“, so der Chefvolkswirt der OECD Lawrence Boone.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), OECD, Weltfinanzkrise, Finanzkrise, Pandemie, Coronavirus