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    Zehntausende Flugeinsätze, zerriebene Terrormilizen und ein von Extremisten befreites Land – vor genau fünf Jahren, am 30. September 2015, begann Russland eine seiner erfolgreichsten Militäroperationen.

    Im Herbst 2015 war der Krieg in Syrien seit vier Jahren in Gang. Das Land war zum größten Teil in der Hand von Islamisten aus den Terrorgruppen Islamischer Staat*, Al-Qaida und Dschabhat al-Nusra. Die Regierungstruppen kontrollierten nur acht Prozent des Staatsgebiets. Präsident Baschar war gezwungen, Russland um Hilfe zu bitten.

    Für die Stationierung russischer Kampfjets und Hubschrauber wurde ein Flugplatz unweit von Latakia gewählt, wo innerhalb weniger Monate die Militärbasis Hmeimim entstand. An die 50 Jagdbomber, Bomber, Kampf- und Transporthubschrauber wurden dorthin verlegt. Später wurde die Gruppe vergrößert und somit zu einer der stärksten in der Region.

    Russische Militärpatrouille in Idlib
    © Sputnik / Verteidigungsministerium Russlands / Handout
    Allein im ersten Missionsmonat flogen russische Piloten anderthalbtausend Einsätze, bei denen sie rund 1600 Terrorobjekte zerstörten. Trainingslager, Kommandoposten, Waffen- und Munitionslager waren die Vorrangziele. Auch Ölfelder, von Terroristen besetzt, wurden angegriffen, wie auch Tankwagenkolonnen, die das erbeutete Erdöl zum Verkauf außer Landes brachten.

    Die Kampfjets waren pausenlos im Einsatz, Tag und Nacht. 134 Flüge an einem Tag – Höchstleistung des russischen Geschwaders im November 2015. Ende desselben Jahres wurden Schwergewichte in die Mission einbezogen: Langstreckenbomber Tu-160, Tu-95 und Tu-22M3. Sie bombardierten aus großer Höhe Trainingslager und Gefechtsstände der Terroristen in den syrischen Provinzen Aleppo und Idlib.

    Russlands Marine war an der Bekämpfung des Terrors ebenfalls beteiligt. Der Flugzeugträger „Admiral Kusnezow“ hatte seinen ersten Kampfeinsatz; Kampfschiffe der Korvettenklasse beschossen die Islamisten vom Kaspischen Meer aus mit Marschflugkörpern. Einige Stellungen der Terroristen wurden durch Küstenartilleriesysteme zerstört.

    Barbaren des 21. Jahrhunderts

    Nach der Einmischung Russlands änderte sich die Lage in Syrien. Mit der Unterstützung aus der Luft operierten die Bodentruppen viel erfolgreicher. Eine nach der anderen wurden syrische Ortschaften durch die reguläre Armee erobert. Russland half den Regierungstruppen nicht nur aus der Luft, sondern auch am Boden. In gemeinsamer Großoffensive befreiten die Verbündeten die antike Stadt Palmyra.

    Kämpfer des IS* waren im Mai 2015 in die Stadt eingedrungen. Sie töten hunderte Militärangehörige und Zivilisten, vollzogen öffentliche Hinrichtungen, sprengten Denkmäler der Antike: den berühmten Triumphbogen mit einer Kolonnade und den Tempel von Baalshamin aus dem 2. Jahrhundert, plünderten das Nationalmuseum aus und verwüsteten die Nekropole von Palmyra.

    Russische Hubschrauber in Palmyra
    © Sputnik / Mikhail Voskresenskiy
    Russische Hubschrauber in Palmyra

    Mitte März 2016 eroberte die syrische Armee mit der Luftunterstützung russischer Kampfjets und Hubschrauber wichtige Anhöhen an den Zugängen zu Palmyra. Die Kämpfer leisteten erbitterten Widerstand, doch zum Monatsende eroberten die Regierungskräfte einen Großteil der Stadt zurück. Am 28. März 2016 erklärte der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow, die syrischen Soldaten hätten mit Unterstützung russischer Kampfpiloten und Spezialeinheiten die vollständige Kontrolle über die Stadt Palmyra übernommen.

    Dieser Erfolg gilt als der Wendepunkt des Krieges. Die Stadt liegt im Herzen des Landes, an der Kreuzung wichtiger Verkehrswege. Nach deren Befreiung rückte die syrische Armee auf die übrigen Terrorhochburgen vor, während die russischen Sprengstoffspezialisten sich der vielen Minen und Sprengfallen annahmen, die die Terroristen zurückgelassen hatten.

    Russische Pioniere bei der Minenräuming in Syrien (Archiv)
    © Sputnik / Verteidigungsministerium Russlands
    Russische Pioniere bei der Minenräuming in Syrien (Archiv)

    Circa 200 Hektar waren in Palmyra und Umgebung vermint worden. Allein am ersten Einsatztag entdeckten und entschärften russische Spezialisten 150 Explosivvorrichtungen. Allmählich säuberten die Fachleute vom Internationalen Minenabwehrzentrum die Altstadt und die Wohnviertel Palmyras von den tödlichen Fallen.

    Im Dezember 2016 drangen Terroristen erneut in Palmyra ein, konnten sich aber nicht lange halten: Anfang März 2017 gelang es der syrischen Armee mit Hilfe der russischen Luftwaffe und Berater, die Eindringlinge endgültig aus der Stadt zu vertreiben.

    Abgang mit Erfolg

    Im Winter 2016 befreiten die syrischen Regierungstruppen die Stadt Aleppo und bald darauf Deir ez-Zor. Präsident Assad und die bewaffnete Opposition vereinbarten eine Waffenruhe. Damit wurden die Kämpfe nicht komplett eingestellt, sondern verlagerten sich in den Süden des Landes, aber die Erfolge der Regierungsarmee setzten internationale Verhandlungen zur Regulierung der Lage in Syrien in Gang.

    Ein Jahr später, am 11. Dezember 2017, ordnete Präsident Wladimir Putin an, die Mission der russischen Luftwaffe zu beenden und das russische Geschwader aus dem Land abzuziehen. Nur die Basis in Hmeimim und der Versorgungsstützpunkt der russischen Marine in Tartus blieben von da an dauerhaft in Syrien. Bis Ende 2018 verließ der größte Teil des russischen Kontingents das verbündete Gebiet. Gegenwärtig sind nur russische Militärberater, Spezialeinheiten, Spezialisten vom Befriedungszentrum und Feldjägereinheiten in Syrien tätig.

    Die Regierungstruppen haben das Land nahezu komplett unter ihre Kontrolle zurückerobert. Reste der Terrorgruppen sind im Nordwesten Syriens eingeschlossen – in der Provinz Idlib, von der aus sie immer wieder Einzelvorstöße durchführen.

    Die Syrien-Mission hat die Fähigkeiten der russischen Streitkräfte eindrücklich demonstriert. Rund 122.000 Terrorobjekte wurden zerstört, 133.000 Terroristen wurden neutralisiert, anderthalbtausend Ortschaften wurden befreit. Die russische Luftwaffe flog alles in allem 40.000 Einsätze, die russische Marine unternahm 200 Überfahrten zur syrischen Küste.

    Auch der Westen musste Russlands Erfolg in Syrien anerkennen. Ohne Russlands Beistand hätte Assad die Terroristen nicht bezwungen, heißt es in einem Bericht für den US-Kongress. Syrien findet allmählich zum Frieden zurück: zurückkehrende Flüchtlinge erhalten Unterkünfte, humanitäre Programme laufen, zerstörte Industrie wird wiederaufgebaut, neue Betriebe entstehen.

    *Terrororganisation, in Deutschland und Russland verboten. 

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Luftwaffe, Minenräumung, Aleppo, Palmyra, Putin, Russland, Syrien