08:35 27 Oktober 2020
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    Viele der Fernsehzuschauer, die sich am Donnerstagabend vor dem Schlafengehen den „Maybrit Illner“-Talk angeschaut haben, dürften in der Nacht von Luzifer geträumt haben. Dieser wies nämlich äußerlich starke Ähnlichkeit mit Donald Trump auf. Das ZDF lieferte dazu eine vollkommene politische Horrorshow.

    „Zum ersten Mal habe ich Angst“, gestand der TV-Veteran Claus Kleber, der bei „Maybrit Illner“ als „ZDF-Wahlbeobachter in Washington“ präsentiert wurde. Angst habe der jahrelange „heute-journal“-Moderator nämlich nicht vordergründig vor einer Wiederwahl von US-Präsident Donald Trump: „Der Worst Case wäre ein Zusammenbruch des gesellschaftlichen Systems.“ In den USA. Dieser „Worst Case“ könnte eintreten, sollte Trump seine eventuelle Wahlniederlage nicht anerkennen, insbesondere wenn diese Niederlage knapp ausfallen sollte. „In den Straßen der Städte wird es dann nicht friedlich bleiben“, prophezeite der alte TV-Hase.

    „Trump kann rechtsextreme Truppen mobilisieren“

    Die Politikwissenschaftlerin Jana Puglierin blies ins gleiche Horn. Besonders brenzlig erscheine ihr eine Situation, wo Joe Biden durch die Stimmen der Briefwähler den amtierenden Präsidenten überholen würde. „Dann ist alles möglich“, unkte die Expertin.

    „Ich gehe davon aus, dass Trump bis zum letzten Blutstropfen darauf besteht, dass er der einzige Präsident der Vereinigten Staaten ist.“

    Nach ihrer Ansicht könnte Trump in dem Fall rechtsextreme Truppen mobilisieren, die seine weitere Amtszeit mit Gewalt durchsetzen würden.

    Die jetzigen Umfragen, laut denen Joe Biden leicht vorne liege, sollten niemanden in die Irre führen, betonte sie. „2016 lagen wir in den Prognosen alle daneben. Wir sind 33 Tage vor der Wahl, alles ist möglich, alles ist offen.“ Eben: Da wussten die Teilnehmer der Diskussionsrunde noch nicht, dass Trumps Corona-Test positiv ausgefallen war.

    „Die USA sind nicht Mali!“

    Als „Advocatus Diaboli“ agierte in der Sendung der aus Washington zugeschaltete Politikwissenschaftler und Berater Peter Rough, Mitglied der Republikanischen Partei, der sich nach Kräften bemühte, die panische Stimmung im Berliner Studio zu besänftigen.

    Die Vereinigten Staaten „sind doch nicht Mali!“ versicherte er. „Was würde Trump tun – sich einbunkern?“ Nach seiner Überzeugung werde sich der US-Präsident „nicht mit einer Miliztruppe auf die Straße stellen – das ist doch völlig absurd!“.

    Eine viel größere Gefahr würde nach seiner Ansicht von Linksextremisten ausgehen, sollte Trump gewinnen. „Für mich ist die größere Befürchtung, dass Donald Trump die Wahl gewinnt und dadurch unter den Linksextremisten etwas ausgelöst wird, die weitaus organisierter, kräftiger und in den letzten Monaten schon aktiv gewesen sind“, meinte er.

    Kleber wollte dies nicht so stehen lassen: „Es ist eindeutig so, dass die rechtsnationalen Kräfte in Amerika viel besser organisiert, besser bewaffnet und besser geübt sind“, entgegnete er.

    Sigmar Gabriel ist entsetzt

    Da klinkte sich der ehemalige SPD-Chef und Ex-Außenminister Sigmar Gabriel ein, heute immerhin Vorsitzender der Atlantik-Brücke. Mit der ganzen Wucht seines politischen Gewichts und körperlichen Doppelzentners fuhr er den US-Amerikaner an: „Ich bin entsetzt über die Leichtigkeit, mit der Sie über etwas hinweggehen, was die Grundlagen jeder demokratischen Verfasstheit berührt: Nämlich, dass ein amtierender Präsident ein Wahlergebnis möglicherweise nicht anerkennt.“

    Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke (3L) spricht in einem TV-Programm nach der Landtagswahl in seinem Bundesland (Archivbild)
    © AFP 2020 / POOL / CHRISTOPH SOEDER (ARCHIVFOTO)
    Peter Rough wirkte allerdings weiterhin ziemlich reserviert – immerhin befand sich der Zugeschaltete jenseits der „Transatlantik-Brücke“ in seiner Washingtoner Geborgenheit – und erwiderte: „Donald Trump kann sagen, was er will: Wenn er die Wahl verliert, wird er verlieren.“

    Das Berliner Studio gab sich damit überhaupt nicht zufrieden: Kleber und Puglierin wiederholten erneut ihre „Befürchtung“, dass Trump im Falle eines für ihn negativen Wahlausgang ziemlich sicher für ein böses Nachspiel sorgen würde.

    Paul Austers Gattin als Schwarzmalerin

    Zur Bekräftigung dieser These wurde ein weiterer Gast aus New York zugeschaltet, der ebenfalls berufen war, den Teufel in der Gestalt von Donald Trump an die Wand zu malen. Die betagte Dame, die von Illner als „eine der bedeutendsten Autorinnen der USA“ vorgestellt wurde, hieß Siri Hustvedt und hatte zusammen mit ihrem Ehegatten Paul Auster (der wiederum wirklich zu den „bekanntesten Autoren der USA“ gezählt werden darf, offenbar aber keine Lust bzw. Zeit hatte, mit Maybrit Illner zu plaudern) die Initiative „Writer Against Trump“ gegründet.

    Die Autorin erwies sich erwartungsgemäß als fähige Schwarzmalerin: „In vier weiteren Jahren Trump konnten wir sehen, dass wir keine Republik mehr haben.“

    Je länger man sich diese Show anschaute – sie dauerte ja das übliche Stündchen, war aber in emotionaler Hinsicht außergewöhnlich intensiv – drängte sich unwillkürlich ein dramatisches metaphorisches Bild auf: Da sitzen durchaus erwachsene und vernünftige, aber letztendlich Kinder herum, die zusehen müssen, wie ihr Vater abstirbt oder, schlimmer noch, in einer Klapsmühle landet.

    Dabei sind die Kinder selbst, wie gesagt, erwachsen und vernünftig genug – und dennoch geben sie sich angesichts des baldigen Verlusts ziemlich unbeholfen. Eine der Teilnehmerin der Runde, nämlich Frau Puglierin, holte eine anatomische Metapher für dieses Bild her, zumindest was die deutsche Außenpolitik anbelangt: Bisher habe diese auf zwei Beinen gestanden, nämlich den EU-Beziehungen und der Beziehung zu den USA. Mit einer Wiederwahl Trumps würde Deutschland eines der Beine verlieren und müsste dann seine Außenpolitik völlig neu konzipieren. Ist dann die Bundesrepublik zwar einbeinig, aber endlich erwachsen und selbständig?

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Präsidentenwahl, Coronavirus, Joe Biden, ZDF, Sigmar Gabriel, Donald Trump