06:01 20 Oktober 2020
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    Berlin geht unter, seine Bewohner sind des Todes geweiht – zumindest fast, deshalb sollten jetzt alle dringend zuhause bleiben. So oder so ähnlich erklingt es derzeit seitens des Berliner Senats. Die Corona-Situation habe wieder Ausmaße angenommen, dass „die Zeit der Geselligkeit“ vorbei so, so die Gesundheitssenatorin. Wie ernst ist es wirklich?

    In Berlin herrscht Corona-Alarm, vier Bezirke überschreiten einen kritischen Wert bei Neuinfektionen, die Stadt selbst ist kurz davor. Das gefällt der Bundesregierung gar nicht, schließlich müssen Bundespolitiker ja Tag für Tag ihre Büros in Berlin-Mitte besuchen, quasi die Corona-Höhle des Löwen. Kein Wunder also, dass der Bund deshalb Druck auf das Land Berlin ausübt, was den Berliner Senat in seiner geplanten Verschärfung der Maßnahmen in der Hauptstadt befeuert hat.

    Ab nach Hause!

    Künftig müssen die sich gerade erst vom ersten Lockdown erholenden Restaurants, Bars und die meisten Geschäfte in Berlin von 23 Uhr bis 6 Uhr schließen. Im Freien dürfen sich nachts nur noch fünf Personen oder Menschen aus zwei Haushalten treffen. Drinnen dürfen bei privaten Feiern noch maximal zehn Leute zusammenkommen. Die neuen Regeln gelten zunächst bis Ende Oktober. Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci verteidigt die neuen Verschärfungen im Kampf gegen die Pandemie:

    „Insgesamt ist auch die Botschaft: Die Zeit der Geselligkeit ist vorbei. Die Lage in Berlin ist ernst"

    So die SPD-Politikerin gegenüber dem RBB.  Jeder Einzelne trage Verantwortung, die Pandemie in den Griff zu bekommen. Deswegen hätte der rot-rot-grüne Senat nun gezielt Maßnahmen getroffen und gesagt, es sei Schluss damit, nachts Party zu machen.

    Schauen wir auf die Fakten:

    Aktuell liegt die Rate der Neuinfektionen in Berlin bei 44,2 bei 100.000 Einwohnern für die vergangenen sieben Tage. Der Grenzwert von 50 wurde in vier Bezirken, darunter Berlin-Mitte, Berlin-Neukölln, Tempelhof-Schöneberg und Friedrichshain-Kreuzberg, jüngst überschritten. Auch der R-Wert liegt über dem von Experten angegebenen kritischen Wert von eins. Doch was heißt das in Zahlen? Berlin hat knapp 3,8 Millionen Einwohner. Zwischen dem 22. September und dem 5. Oktober vermeldete die Hauptstadt 2.693 positive Corona-Tests.

    ​Das ist überschaubar, zumal meist junge Menschen infiziert wurden, die einen leichten oder gar keinen Krankheitsverlauf haben. Neue Todesfälle kamen im Zusammenhang mit Covid-19 zuletzt in Berlin nicht vor. In den vergangenen vier Monaten waren insgesamt 30 so genannte Corona-Tote zu beklagen. Zum Vergleich: In der Hauptstadt gibt es laut statistischen Bundesamt generell pro Monat knapp 3.000 Todesfälle.

    Eine hohe Anzahl der positiven Tests resultiert in Berlin im Übrigen entweder von Reiserückkehrern am Flughafen Tegel oder von privaten Feiern, wie zuletzt einer Hochzeit mit rund 350 Gästen. Als Resultat nun die Öffnungszeiten der Gastronomie zu beschneiden, die nach dem ersten Lockdown sowieso auf wackeligen Beinen steht, ist da schwer einzusehen. Diese Maßnahme ist ähnlich kontraproduktiv, wie die seit einigen Tagen in Berlin geltende Maskenpflicht in Bürogebäuden.

    Rot heißt bremsen!

    Klar, es gibt sie, die Horrorvorstellung von überfüllten Krankenhäusern. Deshalb lohnt ein Blick auf die so genannte Corona-Ampel in Berlin. Lämpchen Nummer eins ist aufgrund der Zahl an Neuinfektionen auf Rot gesprungen. Lämpchen Nummer zwei, der R-Wert, ist ebenfalls zwischenzeitlich auf Rot gewechselt. Lämpchen Nummer drei bewertet die Belegung der Intensivbetten in Krankenhäusern. In Berlin gibt es 1.229 Intensivbetten, diese sind aktuell zu 83 Prozent belegt. Ein Grund zur Panik ist das aber nicht, denn von den insgesamt also 1.020 Intensivpatienten in der Hauptstadt werden nur 44 Personen wegen Covid-19 behandelt.

    All das klingt so gar nicht nach notwendigen Kontaktbeschränkungen, Sperrstunden und einem „Ende der Geselligkeit“. Das klingt eher so, als sei das Land Berlin vor der ewig mahnenden Bundesregierung eingeknickt. Auf dem Rücken der Gastronomen wird Panik-Politik betrieben. Das Resultat werden weitere Insolvenzen, Arbeitslosigkeit und gefährdete Existenzen sein. Einige Berliner Schulen bereiten sich laut Sputnik-Informationen bereits auf einen neuen generellen Lockdown und Heimunterricht vor. Solange im Berliner Roten Rathaus offenkundig weder Kompetenz, noch Sachverstand regieren, sondern Sorge und Angst, ist leider kaum ein Maßnahmen-Szenario auszuschließen. Übrigens: In nur fünf von 100 Corona-Verstößen haben die Berliner Ordnungsämter bisher Bußgelder verhängt. Anscheinend sehen die Beamten auch nicht in jeder Verordnung ihrer Vorgesetzten einen tieferen Sinn.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Gastronomie, Dilek Kalayci, Senat, Berlin, Coronavirus