04:49 27 Oktober 2020
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    Zwar lautete das Thema des jüngsten „Maybrit Illner“-Talks „Keine Angst vor Corona – hat Trump Recht?“, in Wirklichkeit ging es den Studiogästen nicht um Trump, sondern darum, auf die „Corona-Skeptiker“ in Deutschland einzuwirken – damit diese weiterhin Angst vor Corona haben. Eine Sendung im Geiste von „Gegenpropaganda“.

    „Aus medizinischer Sicht stimmt diese Geschichte mit Trump hinten und vorne nicht“, behauptete die aus Genf zugeschaltete Virologin Isabella Eckerle (als hätte Deutschland nicht genug eigene Virologen, die dasselbe behauptet hätten). „Normalerweise ist ein Patient nach so einem Cocktail von Arzneimitteln auch nicht nach drei Tagen aus der Klinik.“

    „Trump hat mit dem Teufel gespielt“

    Die in New York lebende Künstlerin Ute Lemper haute in die gleiche Kerbe:

    „Es ist eine unglaubliche Farce. Trump hat mit dem Teufel gespielt und sich für unbesiegbar erklärt.“ Und fügte sadistisch hinzu: „Man hätte ihm ja fast gewünscht, dass er nun wirklich mal ordentlich krank wird.“

    Ob auch diese spezielle Zuschaltung wirklich notwendig war? Immerhin hat Ute Lemper den Zuschauern und ihren Fans eh nichts vorgesungen, und das, was sie über Trump gesagt hat, war alles andere als neu und originell. Die einzige Erklärung für das fünfminütige Interview mit dem Star wäre wohl: Die „Maybrit Illner“-Sendung versteht sich immerhin als eine „Show“, insofern müsste sie schon unterhaltsamer und abwechslungsreicher sein. Sicherlich dürfte die angekündigte namhafte Chansonsängerin für eine beachtliche Steigerung der Einschaltquote gesorgt haben.

    An Abwechslung hat es an dem Abend wirklich nicht gemangelt. Die Gäste im Studio kamen zunächst kaum zu Wort. In einer weiteren Zuschaltung aus den USA, diesmal aus Washington, lieferte der Leiter des ZDF-Büros, Elmar Theveßen, eine Blitz-Analyse von Trumps „Corona-Show“: Dieser „inszeniert sich so, um Falschinformationen zu verbreiten – er weckt den Eindruck, als wäre diese Krankheit eine Art Jungbrunnen“. Politisch nütze ihm aber diese Show nicht – dieses „zynische Spiel“ schlage sich negativ in den Umfragewerten nieder.

    „Ein kleiner Teil der Bevölkerung hat es nicht ganz begriffen“

    Endlich ging man dann zur Corona-Situation in Deutschland über – und damit zum eigentlichen Ziel und Sinn der Sendung: der deutschen Bevölkerung einzutrichtern, diese sollte jetzt, wie Helge Braun, Chef des Bundeskanzleramtes, mit seiner sanften Stimme formulierte, „nicht ängstlich oder verzagt sein, aber diszipliniert sein“.

    Die massenhaften Aktionen der deutschen Corona-Skeptiker im vergangenen Sommer und Frühherbst wurden bei Maybrit Illner allerdings mit keinem Wort erwähnt. Das eigentliche Pathos der Äußerungen der anwesenden Politiker galt jedoch sehr wohl diesen – wie auch den leichtsinnigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die auf die für ihr Alter typischen Amüsements nicht verzichten wollen und sich nun bei „illegalen Partys“ austoben. „Wir haben nun mal diesen kleinen Teil in der Bevölkerung, der es im Moment nicht so ganz begriffen hat“, betonte Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz. Wie Braun pochte sie auch auf „die Eigenverantwortung der Menschen“, denn schließlich habe die Bevölkerung trotz der dramatisch steigenden Fallzahlen immer noch „alles selbst in der Hand“.

    Das Corona-App-Debakel

    Wie ist es aber um die Verantwortung der Politiker bestellt? Immerhin haben die Entscheidungsträger in den zurückliegenden Pandemie-Monaten genügend Anti-Corona-Maßnahmen beschlossen, die später – als nicht zielführend – zurückgetrommelt werden mussten. Die jüngste davon – das Beherbergungsverbot für Gäste aus einzelnen Bundesländern, in denen die kritische Marke von 50 Infektionsfällen pro 100.000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage überschritten worden ist – wurde bereits selbst vom radikalsten Corona-Warner Karl Lauterbach (SPD) als „absurd“ kritisiert. Immerhin wird sich das gesamte Territorium, sollten die Fallzahlen im jetzigen Tempo weiter ansteigen, recht bald in ein „Corona-Risikogebiet“ verwandeln.

    So wurde bei „Maybrit Illner“ auch das kostspielige Corona-App-Programm der Regierung – und das in Anwesenheit des amtshöchsten App-„Lobbyisten“ Braun – vernichtend kritisiert.

    „Die App hilft uns überhaupt nicht“, stellte Patrick Larscheid, Amtsarzt aus Berlin-Reinickendorf, fest. „Sie ist in unserem Alltag vollkommen bedeutungslos, weil es eine sehr deutsche App ist: Sie macht den Datenschutz glücklich, aber sie liefert leider gar keine Daten und uns interessieren nur Daten."

    Infolge der verschärften Datenschutz-Anforderungen kriege man „nichts“ aus der App, was wirklich wichtig wäre für die Kontaktnachverfolgung und Unterbrechung der Infektionskette.

    Gegen Mitte der Sendung wurde ein Diagramm eingeblendet, die Aufschluss darüber liefern dürfte, warum die neuesten Versuche der Behörden, Corona-Maßnahmen zu verschärfen, immer weniger ernst genommen werden und immer mehr an Glaubwürdigkeit verlieren:

    Mitte April kamen noch 22 Prozent der Infizierten ins Krankenhaus, heute sind es nur noch fünf. Im April starben rund sieben Prozent der Infizierten mit bzw. an Covid-19, derzeit sind es in Deutschland höchstens 0,4 Prozent.

    „Wir haben im Moment die paradoxe Situation, dass wir durch unsere Bemühungen die Pandemie im Vergleich zu anderen Ländern auf ein erträgliches Maß reduzieren konnten“, erklärte Larscheid. „Wir sehen derzeit weniger tödliche Verläufe und es gibt gleichzeitig den Vorwurf, dass es dann ja nicht so schlimm sein kann. Aber es ist nicht so schlimm, weil wir etwas dafür tun.“

    Mit dem „Vorwurf“ waren sicherlich gerade die einheimischen „Corona-Skeptiker“ gemeint – und an dieser Stelle des Talks wurde wiederum ziemlich deutlich, dass die ganze Polemik nicht Trump, sondern dem deutschen Publikum galt, das Trumps Losung „Keine Angst vor Corona“ – um Gottes willen! – nicht für bare Münze nehmen darf.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Karl Lauterbach, App, Talkshow, ZDF, Malu Dreyer, Donald Trump, USA, Deutschland, Coronavirus