04:15 25 November 2020
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    Viele Menschen in Deutschland und Europa hatten auf einen Erdrutschsieg für den Demokraten Joe Biden gehofft. Umso größer ist der Schock am Morgen danach, dass es wohl wieder knapp werden dürfte im Kampf zwischen dem vermeintlich Guten und Bösen. Hatten wir das nicht schon mal?

    Ähnlich wie vor vier Jahren bei der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, waren sich sowohl die Meinungsforscher als auch das Gros der Medien und Politiker einig, dass der Demokrat Joe Biden gewinnen würde. In den langen Wahlabenden im Fernsehen machten die geladenen Politiker kein Hehl daraus, dass sie unisono Biden unterstützen.

    Jetzt am Tag danach ist die Bestürzung groß. Viele überzeugte Linksliberale, aber auch Konservative fallen wieder aus allen Wolken, sind bestürzt und betroffen, als wenn die Wahl zwischen zwei alten weißen Männern sie persönlich betreffen würde.

    In vielerlei Hinsicht war dies eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Klar ist Donald Trump ein unberechenbarer Egomane und Choleriker. Aber „Sleepy Joe“ Biden steht mit seinen fast 78 Jahren auch nicht gerade für Aufbruch und Dynamik.

    Ein gespaltenes Land

    Die USA bleiben tief gespalten, und es wird weiter Unruhen und Kämpfe zwischen verfeindeten Lagern geben, die genauso wie ihr alter (und neuer?) Präsident eigentlich nur Symptome eines kaputten Systems sind. Grundlegend geht es mal wieder um den Kampf „Arm gegen Reich“. Die Corona-Pandemie hat diese Unterschiede verschärft. Neben einem mangelhaften Gesundheitssystem ist es auch ein kommerzialisiertes Bildungssystem, dass zwei Klassen hervorgebracht hat, die nicht nur unterschiedlicher Meinung sind, sondern bildungstechnisch quasi auf verschiedenen Planeten leben.

    Es wäre böse zu sagen: die USA bekommen den Präsidenten, den sie verdienen. Aber zumindest müssen sie mit diesem Präsidenten leben. Zu verweigern, zu blockieren, zu ignorieren wird es nicht besser machen und das Land nur weiter ausbremsen. Wenn die Demokraten das Land wirklich einen und versöhnen wollen, wie sie immer verkünden, dann sollten sie zum Wohle des Landes mit Trump zusammenarbeiten.

    Noch ist aber nichts entschieden. Vor allem die etwa 100 Millionen Stimmen aus der Briefwahl dürften die Wage noch Richtung Biden neigen.

    Danke, Amerika!

    Trump erklärte sich derweil schon zum Sieger der Wahl. Davor hatte bereits der ehemalige Bewerber für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten, Bernie Sanders, in einem Fernsehinterview am Wahltag gewarnt. Sanders sagte:

    „Es könnte gut sein, dass Trump am Morgen nach der Wahl, nachdem er in Michigan, Pennsylvania und Wisconsin gewonnen hat, im Fernsehen auftritt und verkündet: „Danke, Amerikaner, dass ihr mich wiedergewählt habt! Das war‘s. Einen schönen Tag noch.“

    ​Genauso ist es gekommen. Trump ging bei seinem Auftritt heute Morgen sogar noch einen Schritt weiter und kündigte an, vor das Oberste US-Gericht zu ziehen, um eine weitere Auszählung der Stimmen zu stoppen – bevor die Stimmen aus der Briefwahl möglicherweise für Biden ins Gewicht fallen könnten.

    Auch davor hatte Sanders bereits gestern gewarnt:

    „Aber dann werden in den nächsten Tagen die ganzen Stimmen aus der Briefwahl ausgezählt und es stellt sich raus, dass Biden diese ganzen Bundesstaaten gewonnen hat. Und daraufhin sagt dann Trump: Seht ihr, ich hab´ euch doch gesagt, dass bei der Briefwahl gefälscht wird! Wisst ihr was, so verlassen wir nicht das Weiße Haus!“

    Warten wir es ab. Noch ist alles offen und es dürfte schmutzig werden. Im Moment scheint Trump gewonnen zu haben. Am Ende der Woche könnten die Briefwähler Biden über die Ziellinie tragen. Dann könnte es aber schon zu spät sein, und das Rumpelstilzchen im Weißen Haus hat mal wieder die Welt aus den Angeln gehoben.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    US-Wahl, Donald Trump, Joe Biden