15:51 25 November 2020
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    Zwar schrumpfen Trumps Siegeschancen mit jeder Stunde, als Verlierer steht er aber noch lange nicht da. Nicht nur, weil er um seinen Sieg notfalls auch gerichtlich weiterkämpfen wird, sondern auch weil er mit seinem Wahlresultat bewiesen hat, wie verzerrt das Bild von ihm und den heutigen USA in den Medien war – auch in Deutschland.

    „Er ist ein Gewinner dieser Wahl, selbst wenn er am Ende nicht Präsident bleibt“, postulierte die ZDF-Moderatorin Maybrit Illner am Donnerstagabend zu Beginn ihres traditionellen Polit-Talks. Donald Trump hat am 3. November nicht nur einige Millionen Wählerstimmen mehr bekommen als vor vier Jahren. Nicht zuletzt dank ihm haben die Republikaner auch ihre eindeutige Mehrheit im Senat verteidigt und fünf Plätze im Repräsentantenhaus dazu gewonnen.

    Nicht nur darin wird aber Trumps Leistung bestehen: Wie kein anderer hat er vielen deutschen Medienkonsumenten vor Augen geführt, wie falsch ihr bisheriges Bild von Amerika war – und wie tendenziös die Medien ihre Konsumenten manipulieren können.

    „Die Amerikaner sind aus einem Strickmuster, das wir nicht kennen“

    Der nun zu erwartende Zittersieg von Joe Biden ist alles andere, als der von den meisten Analytikern in Deutschland prognostizierte Kantersieg des Präsidentschaftskandidaten der Demokraten. Diejenigen, die nun zugeben, sie seien vom bisherigen Wahlergebnis „überrascht“, müssen gleichzeitig gestehen, dass sie die aktuelle Situation in den USA nicht gut genug kennen – und das eben „dank“ der bisherigen manipulativen Medienberichterstattung.

    „Wir alle schätzen die amerikanische Mentalität falsch ein“, meinte etwa der TV-Entertainer Thomas Gottschalk, der schon seit den Neunzigerjahren ein Anwesen im kalifornischen Malibu besitzt, in dem er auch viel Zeit verbringt.

    „Wir haben eine Wunschvorstellung der Amerikaner, der kommen sie aber leider nicht nach.“ Und: Die Amerikaner „sind aus einem Strickmuster, das wir gar nicht kennen“.

    Noch vor Gottschalk wurde aber am Donnerstagabend Trumps Ex-Sicherheitsberater John Bolton aus Washington zugeschaltet. Schon wieder, würde man sagen, denn am Mittwochabend war der knapp 72-jährige Politiker auf die gleiche Weise im „Maischberger“-Talk im Ersten präsent. Gegenüber dem Vortag hatte Bolton bei „Maybrit Illner“ auch nicht viel Neues erzählen können. Hatte er am Mittwoch im Ersten behauptet, Trump lebe in „einer von ihm erfundenen Welt“, so suggerierte er am Donnerstag im ZDF, der US-Präsident sei „eine Anomalie, eine Abweichung – und das sollten die Menschen auch im Ausland verstehen“.

    „Anomalie“ Trump, hinter dem 70 Millionen Wähler stehen

    Es gibt aber nunmal Fakten, die diese Behauptung fraglich erscheinen lassen: Immerhin hatten rund 70 Millionen US-Amerikaner am 3. November für Trump gestimmt – sollen sie denn auch als „Anomalie“ abgestempelt werden?

    Dass ausgerechnet ein Bolton als der adäquate Ansprechpartner wäre, mit dessen Hilfe Trumps „Anomalie“ entlarvt werden soll, bezweifelte auch Gottschalk. Für ihn sei dieser republikanische Ex-Diplomat – genauso wie Trump – eine Figur der amerikanischen „Show-Politik“: Immerhin sei er anderthalb Jahre lang ein Unterstützer des US-Präsidenten auf einem überaus wichtigen Posten gewesen. Leider war die Schalte zu John Bolton schon weg, als sich Gottschalk diesen Ausfall gegen ihn erlaubte.

    Es sei aber unsererseits noch hinzugefügt: Wenn schon Donald Trump immer wieder (und nicht immer ohne Grund) als „notorischer Lügner“ hingestellt wird, muss es nicht unbedingt John Bolton sein, der seinen Ex-Chef in diesem Punkt anfechten soll. Die „Frankfurter Allgemeine“ stellte in diesem Zusammenhang fest: Bolton „gehörte zu den Architekten des Krieges gegen den Irak im Jahr 2003. Dessen Legitimation beruhte auf Lügen: Der angeblichen Mittäterschaft bei den Anschlägen vom 11. September 2001 und der Entwicklung von Atomwaffen durch das damalige Regime in Bagdad.“

    Trump, Präsidentschaftskandidat der „Abgehängten“

    Der deutsch-amerikanische Landmaschinen-Unternehmer Martin Richenhagen (der einzige Deutsche, der auf der US-amerikanischen Top-500-Großunternehmerliste zu finden ist) stellte fest, dass Trump während seiner Amtszeit „eine ganz neue Basis entdeckt“ habe, auf die er sich bei der jüngsten Kampagne stützen konnte – „die abgehängten Amerikaner mit schlechter Ausbildung, mit schlechten Löhnen, die Arbeitslosen, die Leute auf dem Land“. All das seien die Leute, „für die sich früher niemand wirklich interessiert hat“. Eine große Mehrheit von ihnen – dies sei von uns betont – sind eben Latinos und Schwarze, die am 3. November „überraschenderweise“ für den „Rassisten“ Trump gestimmt haben.

    Auf diesen Umstand hatten die deutschen Medien bisher kaum hingewiesen. Zu ihrer „Rechtfertigung“ sei betont: Trump selbst, der dauernd das Schreckgespenst eines „Sozialisten Biden“ an die Wand gemalt hatte, ließ sich ohne weiteres den „Rassisten“-Stempel gefallen – obgleich für ihn diesmal wesentlich mehr „Nicht-Weiße“ gestimmt haben, als vor vier Jahren. Auch der Ölindustrie und dem Bergbau hatte er auf die Sprünge geholfen und damit sicherlich ein paar Millionen Wählerstimmen für sich gewonnen – natürlich zu Lasten der Umwelt, womit er sich zu einem Hass-Objekt einer Greta Thunberg und der sonstigen Grünen weltweit gemacht hatte, was die Medien auch genüsslich ausgeschlachtet haben.

    „Für viele Amerikaner ist er einfach Onkel Joe“

    Wie dem auch sei: Donald Trump ist eine in jeder – negativen wie positiven – Art überaus markante Figur, über die man noch lange und gerne diskutieren wird - im Gegensatz zur farblosen Durchschnittlichkeit eines Joe Biden. Sudha David-Wilp, Vizedirektorin von German Marshall Fund Berlin, war bei „Maybrit Illner“ auch sichtlich bemüht, etwas Positives über den wahrscheinlichen nächsten US-Präsidenten zu sagen. Er sei „auf alle Fälle ein Kompromiss-Kandidat“, aber „er war richtig für diesen Moment der starken Polarisierung – nicht nur, weil er tiefe Freundschaften hat mit den Republikanern im Kongress“, sondern auch weil er „die Mittelschicht versteht“. Für viele Amerikaner sei er einfach „Onkel Joe“.

    „Nichts gegen das Alter von Joe Biden – aber ich glaube, dass ein Land, das Hoffnung und Zukunft braucht, eine andere Lichtgestalt an der Spitze bräuchte“, bemerkte Gottschalk. „Mit seinem ‚Make America great again!‘ hatte Trump alles richtig gemacht. Dagegen ist nichts zu sagen.“

    Und: "Wenn das die Spitze der amerikanischen Politik sein soll, dann gute Nacht."In diesem Sinne dürfte Maybrit Illner schon Recht haben mit ihrer für die deutschen Leitmedien ziemlich apart klingenden Behauptung: „Trump ist ein Gewinner dieser Wahl, selbst wenn er am Ende nicht Präsident bleibt.“

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Greta Thunberg, ARD, ZDF, Frankfurter Allgemeine Zeitung, John Bolton, USA, Demokraten, Republikaner, Talkshow, Thomas Gottschalk, Joe Biden, Donald Trump