00:22 25 Januar 2017
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    Film „Der stille Don" von Sergej Bondartschuk nach Russland zurückgekehrt

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    MOSKAU, 07. Juni /RIA Nowosti/. Im Jahre des 100. Geburtstages des russischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers Michail Scholochow wird im russischen Fernsehen die neue Verfilmung seines Romans „Der stille Don" anlaufen. Der mehrteilige Streifen verstaubte nämlich im Verlaufe von dreizehn Jahren in einem Safe. Sein Schöpfer, der Regisseur Sergej Bondartschuk, dem 1968 für die Filmepopöe „Krieg und Frieden" ein Oscar verliehen worden war, konnte seinen Film leider nicht mehr sehen. Die Materialien zum Film waren von einer italienischen Bank als Schuldausgleich angeeignet worden.

    Der Produzent des Films war nämlich ein Italiener. Sergej Bondartschuk beschloss, seine Version des mit dem Nobelpreis gewürdigten Romans über das Kosakentum ganz am Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts, in der Zeit der Bettelarmut und des Stillstandes des russischen Filmwesens, zu drehen. Das russische Schauspielerteam wurde durch Hollywoodstars „verstärkt". Die Titelrolle, die des Kosaken Grigori Melechow, der im Verlauf der Revolution die neue Macht nicht akzeptieren konnte und von der alten enttäuscht war, gestaltete der mit einem Oscar ausgezeichnete britische Schauspieler Rupert Everett. Der Kameramann des im Heimatort von Scholochow, in der Staniza Weschenskaja, gedrehten Streifens war Daniele Nannuzzi, ebenfalls ein Oscar-Preisträger.

    Sergej Bondartschuk geriet jedoch in eine juristische Falle. Im Vertrag waren nämlich die Rechte des Regisseurs auf seinen Film nicht fixiert. Sobald der Regisseur dem Produzenten den Rohschnitt zugeschickt hatte, verschwand dieser. Aus Rom liefen keine Nachrichten ein. Bald ging der Produzent bankrott.

    Bondartschuk war verzweifelt. Hatte er doch fast zwei Jahre lang an dem Streifen gearbeitet und dabei 160 000 Meter Film aufgenommen. Seinem Ausmaß nach war der Film mit „Krieg und Frieden" vergleichbar.

    Der Kampf von Sergej Bondartschuk um die Rückgabe des Films an Russland blieb erfolglos. 1994 verschied der Regisseur.

    Die Affäre mit dem „Stillen Don" war so verwickelt, dass der Hauptdarsteller, Rupert Everett, in einem Interview seine Zweifel daran äußerte, dass der Film überhaupt je anlaufen würde. Zum Glück wurde der Konflikt geregelt. Der Film wurde aufgekauft. Er befindet sich in normalem Zustand. Aber der Ton und die Musik sollen neu aufgenommen werden. Heute beendet der Filmkonzern Mosfilm die Arbeit an dem Film. „Der stille Don" wird in der neuen Saison im Ersten Kanal des russischen Fernsehens anlaufen.