11:43 15 November 2018
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    In Memoriam: Gleb Rahr

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    BERLIN, 10. März (RIA Novosti). In Deutschland ist Gleb Rahr, ein namhafter Vertreter der Geistlichkeit und der Öffentlichkeit aus der alten russischen Emigration, in seinem 84. Lebensjahr verstorben.

    "Mein Vater hat sein ganzes Leben dem Dienst an der Kirche und an Russland gewidmet. Vor kurzem erhielten er und seine Frau die russische Staatsangehörigkeit, und er träumte davon, in die Heimat zurückzukehren, aber die Altersschwäche und eine schwere Krankheit ließen ihn nicht reisen", erzählte ein Sohn des Verstorbenen, der bekannte deutsche Politologe Alexander Rahr.

    Gleb Alexandrowitsch Rahr wurde am 3. Oktober 1922 in Moskau als Sohn von "Erb-Ehrenbürgern Russlands" (dieser Stand wurde Anfang des 20. Jahrhunderts dem Adel gleichgestellt) geboren. Da die Ahnen der Rahrs aus Estland stammten, wurde die ganze Familie 1924 nach Estland ausgewiesen, das nach der Revolution von 1917 unabhängig wurde, doch schon bald siedelte sie nach Libawa in Lettland über und reiste dann kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges zusammen mit den deutschen Umsiedlern nach Deutschland aus.

    Ab 1942 studierte Gleb Rahr an der Architekturfakultät in Breslau (heute Wroclaw), wo er eine rechtgläubige Kirchengemeinde gründete. 1944 wurde er wegen der Teilnahme an der antifaschistischen Bewegung verhaftet und ins Konzentrationslager Groß-Rosen verbannt, aus dem er über eine ganze Reihe der furchtbarsten Lager - Sachsenhausen, Schlieben, Buchenwald und Langensalza - bis nach Dachau kam. Zusammen mit den anderen Häftlingen wurde Gleb Rahr am 29. April 1945 von den amerikanischen Truppen befreit.

    Nach dem Krieg ließen sich die Rahrs in Hamburg nieder, wo sich Gleb Rahr sofort in die kirchliche Tätigkeit einschaltete und zum Sekretär des Bischofs der russischen Auslandskirche in der britischen Besatzungszone Deutschlands wurde. Ab Ende 1947 nahm er eine Tätigkeit im Emigrantenverlag "Possew" in Frankfurt am Main auf. 1949 - 1950 reiste er zusammen mit der ganzen Familie nach Marokko aus, wo er in einem Architektenbüro und außerdem in einer Kirchengemeinde tätig war.

    Ab 1950 arbeitete er aktiv als Journalist und Propagandist in Westdeutschland. 1954 beteiligte er sich an der Viermächtekonferenz in Berlin und Genf.

    Im Oktober 1957 heiratete Gleb Rahr die russische Emigrantin Sofja Orechowa. Das Ehepaar Gleb und Sofja Rahr erzogen ihre sechs Kinder im Geiste des Dienstes an der Kirche und der Treue zu Russland: Der Sohn Alexander ist heute ein bekannter politischer Kommentator, die Tochter Xenija verwaltet zusammen mit ihrem Ehemann, dem Geistlichen Nikolai Sabelitsch, eine Kirchengemeinde in München, die zweite Tochter, Irina, ist Übersetzerin und nimmt an der öffentlichen Tätigkeit teil. Auch Rahrs andere Söhne setzen die kirchliche und aufklärerische Tätigkeit des Vaters fort: Wsewolod ist Journalist in England, Michail seinerseits Geistlicher in Berlin und Weimar, als Sekretär des Bischofs Feofan von Deutschland, Dimitrij ist Übersetzer und steht der Bruderschaft des Heiligen Fürsten Wladimir vor.

    Gleb Rahr arbeitete auch am Radio Free Russia, das von Taiwan aus sendete, leitete die russischsprachigen Sendungen des japanischen Rundfunks und die Fernöstliche Abteilung der amerikanischen "Universität Maryland", ferner war er im Verlag "Possew" in Frankfurt am Main tätig, wo er 1967 und 1968 aktiv am Bau der rechtgläubigen Kirche zum Heiligen Nikolaus teilnahm. Zwischen 1974 und 1995 war er beim Radio Liberty in München, wo er für religiöse Sendungen und das Programm "Baltijski majak" zuständig war.

    Der Hypodiakon Gleb Rahr war auch für seine kirchliche Tätigkeit bekannt. Überall, wo er hinkam, war er bemüht, und sei es unter ärmlichen Verhältnissen, eine rechtgläubige Gemeinde zu stiften (zum Beispiel in Breslau und auf Taiwan). Lange Jahre hindurch gehörte er dem Eparchialrat der Deutschen Eparchie der russisch-orthodoxen Kirche im Ausland und den Gemeinderäten in Frankfurt am Main und München an, war einer der tätigsten Vertreter der Organisation "Prawoslawnoje delo", die sich mit der Verbreitung der Rechtgläubigkeit in der UdSSR befasste, und war Mitbegründer des weltbekannten Schweizer Instituts "Glaube in der 2. Welt".

    Gleb Rahr beteiligte sich am III. Konzil der russisch-orthodoxen Kirche des ganzen Auslands (New York, 1974) in New in New York. Ab 1983 war er Vorsitzender der Bruderschaft des Heiligen Fürsten Wladimir, der ältesten russischen Gesellschaft in Deutschland, die 1888 bei der russischen Botschaft in Berlin für die Unterstützung der unbemittelten Rechtgläubigen und für den Bau und Unterhalt russischer Kirchen in Deutschland gegründet worden war. Als die Bruderschaft 1995 gezwungen war, ihre Hauskirche in Hamburg zu schließen, übergab Gleb Rahr auf Bitte der russisch-orthodoxen Kirche die "Ikonostase von Memel" an Russland. Sie wurde in der Kirche aufbewahrt, aber einst, während des Siebenjährigen Krieges gegen Preußen, hatte sie der russischen Armee gedient. Die Ikonostase wurde dank dem Russischen Kulturfonds (Moskau) restauriert und der "Kirche zu dem nicht von Menschenhand geschaffenen Erlöserbildnis" bei der neuen Kathedrale in Kaliningrad übergeben. Die Kathedrale ist auf Gleb Rahrs Vorschlag allen russischen Kämpfern gewidmet, die im Siebenjährigen, dem Napoleon-, dem Ersten Welt- und dem Zweiten Weltkrieg auf dem Territorium des Baltikums gefallen waren.

    Auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau entstand mit Rahrs Unterstützung eine rechtgläubige Auferstehungskapelle zum Andenken an die rechtgläubigen Opfer des Nazismus. Dank Rahrs Bemühungen wurde auch in München eine Kirchengemeinde der Moskauer Patriarchie gestiftet.

    Im August 1991 beteiligte sich Gleb Rahr am Kongress der Landsleute in Moskau und wurde vom Patriarchen Alexi II. empfangen. Für seine umfangreiche Tätigkeit erhielt Gleb Rahr mehrere Ehrenurkunden der russisch-orthodoxen Kirche im Ausland und der russisch-orthodoxen Kirche, insbesondere wurde er 2004 einer Ehrenurkunde des Patriarchen Alexi II. gewürdigt.

    Durch einen Erlass des Präsidenten Wladimir Putin wurde Gleb Rahr und seiner Ehefrau die russische Staatsbürgerschaft zuerkannt. Kurz vor dem Tod erhielt Gleb Rahr, wie einer seiner Söhne der RIA Novosti erzählte, die Nachricht, dass Russlands Präsident einen Erlass über seine Auszeichnung mit dem Orden für Verdienste ums Vaterland unterzeichnet hat.

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