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    Ehemaliger Oligarch als Krimi-Autor

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    MOSKAU, 15. März (RIA Novosti). Russische Buchhandlungen führen seit Kurzem den politischen Kriminalroman "Ein Geisel. Operation ‚Memorandum'" (Verlag Vagrius, Moskau 2006). Die Neuerscheinung hat alle Chancen, auf die Bestsellerliste zu kommen.

    Der eine Autor ist der ehemalige Bankier Alexander Smolenski, der sich seinerzeit, nach dem Bankrott seiner Bank SBS-Agro während der Finanzkrise von 1998, vor der Generalstaatsanwalt der Russischen Föderation ins Ausland flüchtete. Der zweite Autor ist der Journalist Eduard Krasnjanski, der damals den PR-Dienst des Bankiers leitete.

    Die Handlung des Romans beginnt am 7. März 2006. "Genau eine Woche vor der Bekanntgabe des Volksreferendums über die Veränderung der Dauer der Vollmachten des wirkenden Präsidenten" studiert der wirkende Präsident zwei einander gegenseitig ausschließende Nachrichten, die die Geheimdienste für die Presse vorbereitet haben. In der einen ist die Rede von der Verhinderung einer Verschwörung, die die Lage im Lande destabilisieren sowie das Referendum und die Präsidentschaftswahlen von 2008 hätte sprengen wollen. Die Verschwörung wurde in Kreisen vorbereitet, "die der ehemaligen Führung des Landes nahe gestanden hatten". Gemäß der zweiten Nachricht wurde eine Verschwörung unter Teilnahme von "Vertretern der wirkenden Administration des Präsidenten, der Regierung und der Militär- und Justizstrukturen" verhindert.

    Welche der beiden Nachrichten veröffentlicht wird, soll der Leser nicht erfahren, weil die Autoren darauf zu den Ereignissen von vor einigen Jahren zurückkehren. Die Namen der Figuren und diese Ereignisse werden mühelos von allen entschlüsselt, die sich in den neuesten russischen Realien orientieren. Man braucht nur einen einzigen Helden - den ersten Präsidenten von Russland "Uralow" - zu erwähnen (bekanntlich verlief Boris Jelzins Leben zu einem großen Teil im Uralgebiet).

    Auch das im Buchtitel erwähnte Memorandum (im Roman wird es von den Verschwörern unterschrieben) erinnert an den berühmten "Brief von 13", der vor zehn Jahren veröffentlicht wurde. Sein Sinn läuft auf den Widerstand gegen die "kommunistische Revanche" und die Unterstützung Boris Jelzins durch die Oligarchen kurz vor den Präsidentschaftswahlen von 1996 hinaus. Den Brief unterzeichneten damals, neben Smolenski, auch andere ehemalige und heutige Oligarchen, so Boris Beresowski, Wladimir Gussinski, Michail Chodorkowski, Wladimir Potanin und Michail Fridman, um nur einige zu nennen.

    Warum ist das Buch ausgerechnet jetzt herausgekommen? "Wir haben es noch rechtzeitig geschafft", sagte Alexander Smolenski einem Korrespondenten der Moskauer "Nesawissimaja gaseta". Falls die Rede von einem Referendum über die dritte Amtszeit für den heutigen Präsidenten sein sollte, so könne es, wie Smolenski in Erinnerung bringt, gemäß der Verfassung der Russischen Föderation, spätestens im Dezember dieses Jahres durchgeführt und die Nachricht darüber zumindest ein halbes Jahr zuvor bekannt gegeben werden.

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