16:38 18 Januar 2018
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    Michael Haneke gab Moskauer Filmfestival einen Korb

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    MOSKAU, 15. Juni (RIA Novosti). Noch nicht einmal eröffnet, erlebt das 28. Internationale Moskauer Filmfestival schon einen wahren Kataklysmus, wie es ihn in seiner reichen Geschichte noch nicht gegeben hat.

    Buchstäblich dieser Tage ging dem Filmfestival der Vorsitzende der Jury verloren. Vor zwei Monaten noch stimmte der bekannte 64jährige Regisseur Michael Haneke aus Österreich der Übernahme des Amtes zu. Seine Streifen waren in Moskau mehrfach auch außerhalb des offiziellen Festivalprogramms gelaufen. Der Film "Versteckt" war beim 27. Moskauer Filmfestival zu sehen. "Die Klavierspielerin" lief einige Jahre zuvor, und zwar beim 23. Festival.

    Doch am 7. Juni ging beim Veranstalter Hanekes Absage ein. Die übrigen Jurymitglieder, darunter die Regisseure Alexej Utschitel und Andrzej Zulawski sowie die Schauspieler Remy Girard und Julie Christie, sind erst einmal mit dem vakanten Chefsessel konfrontiert.

    Auf einer Pressekonferenz am Mittwoch hat Festivalchef Renat Dawletjarow vor Journalisten einen offenen Brief des Organisationskomitees an Michael Haneke verlesen. Er soll auch in einer österreichischen Zeitung veröffentlicht werden. In dem Brief, der die späte Absage des verhinderten Juryvorsitzenden als "unanständig und unehrenhaft" bezeichnet, heißt es, "Haneke hat nicht nur das Festival herabgewürdigt, sondern auch fehlenden Respekt vor unserem Land bekundet".

    Die Festivalprogramme sind bereits herausgegeben. Speziell zu Hanekes Ankunft ist eine Retrospektive seiner Filme vorbereitet worden. Kurz, die Veranstalter sind ernsthaft gekränkt. Doch sie bestreiten, dass sich ihre Betroffenheit auf das Schicksal der Filme des Regisseurs im russischen Vertrieb auswirken wird.

    Seinen Auftakt hat das Moskauer Filmfestival am 23. Juni mit dem sehenswerten Film "Wu Ji - Die Reiter der Winde" des chinesischen Regisseurs Chen Kaige. Insgesamt stehen 17 Streifen in dem offiziellen Wettbewerbsprogramm, die nach Worten der Selektoren die Vielfalt und Dynamik des modernen Filmschaffens verkörpern.

    Seiner Repräsentativität nach ist das diesjährige Festival durchaus für das typisch, was in Moskau so alljährlich geboten wird. Einige jener hochgeschätzten Maestros der Regiekunst, so der Ungar Istvan Szabo oder der Franzose Bertrand Blier, können sich durchaus Hoffnungen auf den Hauptpreis, den Goldenen Georgi, machen. Nicht zu vergessen die Debüttanten, die in diesem Jahr einen eigens veranstalteten Ausscheid unter dem Motte "Perspektiven" haben. Chancen können sich ebenso aktuelle Streifen aus Lateinamerika, besonders Mexiko, und Osteuropa, vertreten durch Polen und Kroatien, ausrechnen. Schließlich dürfen auch nicht die Arbeiten weltweit bekannter Schauspielstars vergessen werden, selbst wenn es sich dabei nicht immer um die erfolgreichsten handelt. Manch einer von ihnen mag sogar nach Moskau kommen. Die Veranstalter sind indes geneigt, die Überraschung vorerst für sich zu behalten. Wie auch immer, es werden Filme zu sehen sein, bei denen Monica Belucci, John Malkovich, Colin Farrell und Salma Hayek vor der Kamera gestanden haben.

    Bisher ist nur bekannt, dass Gerard Depardieu kommt. Er wird bei der Abschlusszeremonie am 2. Juli dabei sein. Bei dieser Veranstaltung bekommt der Franzose den Ehrenpreis für herausragende Verdienste um die Schauspielkunst.

    Russland ist im Festivalprogramm mit dem Film "Wurm" des relativ jungen Regisseurs Alexej Muradow vertreten. Auch in diesem Fall meinten die Selektoren, das sei "kein schlichter und gewöhnlicher" Streifen. Zwei weitere russische Filme, "Leuchtturm" von Maria Saakian und "Franz + Polina" von Michail Segal, laufen im Parallelprogramm "Perspektiven", das den Debüttanten vorbehalten ist.

    Außerhalb des offiziellen Festivalprogramms ist eine Reihe bemerkenswerter Filme zusammengestellt worden, die schon bei früheren internationalen Filmfestivals Ruhm und Ehre eingeheimst haben. Dazu gehören Hits aus verschiedenen Ländern, eine Auswahl asiatischer Streifen und russischer Werke.

    Den Abschluss des Forums bildet die Aufführung des glamourösen Werkes "Rückkehr" von Pedro Almodovar.

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