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    Museumsdiebstähle - eine russische Gesetzmäßigkeit

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    MOSKAU, 12. August (RIA Novosti). Jedes Jahr werden in Russland 50 bis 100 Fälle festgestellt, bei denen Museumsexponate einfach verschwunden sind. Die Zahl nannte der Leiter der Föderalbehörde, die eigentlich für die Museumsaufsicht und den Schutz des kulturellen Erbes zuständig ist, auf einer Pressekonferenz am Montag.

    Boris Bojarskow, besagter Behördenchef, machte ein verblüffendes Eingeständnis: "Die Vorgänge in der Eremitage sind für uns kein Zufall, sondern eine Gesetzmäßigkeit." Er verwies in diesem Zusammenhang auf ähnliche Fälle in Taganrog, in Astrachan und anderswo, die erst kürzlich geplatzt seien. "In der Regel ist das heute kein offener Diebstahl, sondern verdeckte Kriminalität. Alle diese Fälle sind Glieder einer Kette, die von uns ein neues Herangehen an die Arbeit mit dem Museumspersonal verlangt", stellte er fest.

    Die Ergebnisse der Prüfungen, die die föderale Museumsaufsicht im Jahr 2005 durchgeführt hat, hätten in vielen Museen ein verheerendes Bild vom Gesichtspunkt der sicheren Aufbewahrung der Exponate offenbart. Er unterstrich, dass "das Problem besonders im Nationalmuseum Grosny besonders akut ist. Fast 32 000 Einheiten lagern dort praktisch ohne Bewachung. Einige Gegenstände bewahren die Museumsmitarbeiter zu Hause auf."

    Er forderte, die Überspitzungen in der Ausstellungstätigkeit der Museen zu beenden. Ausstellungen und wissenschaftliche Forschungen dürften nicht zu Lasten der Hauptaufgabe gehen - der Gewährleistung der Sicherheit der Museumsfonds.

    Der Leiter der Föderalen Agentur für Kultur und Filmkunst, Michail Schwydkoi, sprach seinerseits auf der Pressekonferenz am Montag über die Notwendigkeit, in allen Museen des Landes moderne Lager für Museumsexponate zu schaffen. "Die meisten Museen befinden sich in alten Gebäuden, die nicht für die Aufbewahrung von Museumsstücken taugen. Die Schaffung von Sicherungssystemen, die vor Kriminalität und Bränden bewahren würden, verlangt gewaltige Mittel und Zeit". Er bezifferte die notwendigen jährlichen Kosten für die materiellen Voraussetzungen umgerechnet auf etwa 275 Millionen Euro. Das würde einem zweiten Kulturhaushalt gleichkommen. "Leider ist die Kultur heute chronisch unterausgestattet."

    Er beschwichtigte indes den öffentlichen Unmut über die Vorkommnisse in den russischen Museen mit der Feststellung, dass die Mitarbeiter "keine Gefahr darstellen. Das sind Leute, die ihren Aufgaben treu und ergeben nachkommen und die Kulturwerte der Museen wahren".

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