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    Religionen in Russland: Kurze Übersicht

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    Mit der Christianisierung Russlands im Jahre 988 kann der Russische Staat als monokonfessionell und orthodox betrachtet werden.

    MOSKAU, 23. August (RIA Novosti).

    Mit der Christianisierung Russlands im Jahre 988 kann der Russische Staat als monokonfessionell und orthodox betrachtet werden.

    Späterhin, in der Regierungszeit von Zar Iwan Grosny im 16. Jahrhundert, und in den darauffolgenden drei Jahrhunderten verleibte sich der Staat immer weitere Territorien ein. Sie wurden von Völkern bewohnt, die sich zum Islam und zum Buddhismus im Osten und im Süden, zum Katholizismus im Westen und zum Luthertum im Nordwesten bekannten. Gar nicht zu sprechen vom Schamanismus und den zahlreichen sippen- und stammeseigenen Religionen und Kulten. Aber die Orthodoxie hat immer eine dominierende Stellung eingenommen.

    Zur gleichen Zeit haben die Völker, die in Russland einverleibt waren, ebenso wie die Ausländer, die zugereist waren, um einen Dienst anzutreten oder sich in kommerziellen Angelegenheiten hier aufhielten, ihren Glauben bewahrt, und dies wurde vom Staat anerkannt.

    Jetzt sind die religiösen Vereinigungen in Russland entsprechend der Verfassung vom Staat getrennt und vor dem Gesetz gleich. Alle Bürger genießen das Recht, sich zu einem beliebigen Glauben zu bekennen oder Atheist zu sein. Von den traditionellen Religionen werden auf russischem Territorium das Christentum (vor allem die Orthodoxie), der Islam und in einem geringeren Maße der Judaismus und der Buddhismus praktiziert.

    In letzter Zeit haben sich verschiedene religiöse Doktrinen - die der Scientologen, der Mormonen, der Krischnaiten - insgesamt rund 100 - in Russland weit verbreitet. Das Gesetz "Über die Gewissensfreiheit und die religiösen Vereinigungen" aus dem Jahr 1997 erlaubt es ihnen, legal zu wirken.

    Die Orthodoxie vereint den größten Teil der religiösen Bevölkerung Russlands. Seit der Christianisierung Russlands im 10. Jahrhundert war die Kirche mit der Staatsmacht verbunden und unterstützte die Idee ihrer Sakralität. Bis hin zum 18. Jahrhundert gehörten kirchliche Würdenträger zur nächsten Umgebung der Zaren. Peter I. (1672-1725) hat die Kirche dem Staat unterworfen. Nach der Oktoberrevolution wurde die Kirche vom Staat und die Schule von der Kirche endgültig getrennt. Gegen die kirchlichen Organisationen wurden Repressionen eingeleitet, die Zahl der Gotteshäuser und Klöster verringerte sich.

    Der Große Vaterländische Krieg gegen den deutschen Faschismus (1941-1945) schloss die Gläubigen und die Ungläubigen zusammen. Der patriotische Dienst der russischen Geistlichen kam in der Sammlung von Mitteln für die Belange der Verteidigung und für den Unterhalt der Verwundeten zum Ausdruck. Im Jahre 1943 wurde ein "neuer Kurs" in den Beziehungen zwischen Kirche und Sowjetmacht eingeschlagen. In der Kriegszeit und gleich darauf hatte die Zahl der Gotteshäuser um 50 Prozent zugenommen, mehr als 100 Klöster wurden eröffnet. Doch schon im Jahre 1949 änderte sich die Einstellung zur Kirche wieder. Bis hin zur Annahme des Gesetzes "Über die Glaubensfreiheit" im Jahre 1990 wurde die orthodoxe Ideologie, die "Pessimismus und Obskurantismus sät", verurteilt.

    Gegenwärtig gibt es in Russland 12 665 orthodoxe Gemeinden sowie 207 Männer- und 226 Frauenklöster.

    Der Katholizismus war nie eine staatliche Religion in Russland. Im Jahre 1441 hat die Russisch-orthodoxe Kirche die Möglichkeit einer Verschmelzung der westlichen (mit Zentrum in Rom) und der östlichen (mit Zentrum in der Byzanz) christlichen Kirche verurteilt. Anfang des 17. Jahrhunderts verbot Moskau den lateinischen Geistlichen die Einreise ins Land, aber trotz des Verbotes gelang es den Katholiken, in der Hauptstadt mehrere Jesuitenschulen zu eröffnen. Ihr Aufenthalt in Russland wurde von Peter I. legitimiert.

    Eine wesentliche Verbreitung hat der Katholizismus Anfang des 19. Jahrhunderts, nach der Angliederung polnischer und weißrussischer Gebiete erfahren. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Russland nur fünf katholische Diözesen im eigentlichen Sinne des Wortes, und zwar auf Territorien, die nunmehr zur Ukraine, zu Litauen und Weißrussland gehören. In den Hauptstädten Moskau und Sankt Petersburg existierten nur zwei katholische Gemeinden - beide für Ausländer. Sie wurden im Jahre 1789 auf spezielle Anordnung von Katharina II. "für die in Russland lebenden Franzosen" gegründet.

    Die hierarchischen Strukturen der Römisch-katholischen Kirche beendeten Ende der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts ihre Existenz in Russland und wurden am 13. April 1991 wiederhergestellt. Seit 1999 sind vier Apostolische Verwaltungen für die Katholiken mit lateinischem Ritus auf russischem Territorium tätig: im Norden und im Süden des europäischen Teils Russlands sowie in West- und Ostsibirien. Die Verwaltungen sind der Jurisdiktion des Vatikan unterstellt. Sie umfassen 302 Gemeinden, die 108 Gotteshäuser und Kapellen besitzen. Von der nationalen Zusammensetzung her handelt es sich um Russen, Polen, Deutsche, Litauer, Weißrussen, Ukrainer, Franzosen, Spanier, Koreaner und englischsprachige Gläubige. Fast alle Kirchendiener sind Ausländer.

    Der Protestantismus ist im 16. Jahrhundert in Russland erschienen (die ersten Protestanten waren Lutheraner aus Deutschland) und hat sich im 18. Jahrhundert bis Anfang des 19. Jahrhunderts verbreitet, als sich im Lande viele Zuwanderer aus Deutschland ansiedelten. Sie gründeten Kolonien an der Wolga und im Nordkaukasus, auf der Krim, in der Ukraine und in Bessarabien. Im Jahre 1819 wurde in Sankt Petersburg ein evangelisches Konsistorium gebildet, das dann in die Evangelisch-lutherische Kirche umgewandelt wurde. Im Jahre 1909 lebten mehr als eine Million Protestanten im eigentlichen Russland (außer Finnland, dem Baltikum und Polen).

    Zeitgenössische Forscher verweisen darauf, dass die protestantischen Kirchen heute größtenteils ethnisch russifiziert sind. Den Gemeinden stehen vorwiegend russische Pfarrer und keine Missionare aus dem Ausland vor. Die Erfahrungen der zurückliegenden zehn Jahre zeigen, dass die meisten Gemeindemitglieder, die sich selber als Deutsche, Finnen, Esten und Letten empfinden, Russland verlassen. Es bleiben nur diejenigen zurück, die sich in Russland heimisch fühlen; das sind russisch gewordene Angehörige der ethnischen Minderheiten.

    Der Islam ist die zweitverbreitetste Religion in Russland. Ihre Anhänger erschienen im 7. und 8. Jahrhundert auf russischem Territorium. Im Russischen Reich war Kasan das Zentrum des Islam.

    Anfang des 20. Jahrhunderts waren in den moslemischen Gemeinden rund 20 Millionen Menschen vereint. Nach 1917 wurde ihnen das Recht auf eine kulturelle, rechtliche und gerichtliche Autonomie gewährt. Doch ab den 1920er Jahren waren sie ebenso wie die Angehörigen der anderen Religionen Repressionen ausgesetzt.

    Im Jahre 1943 wurde die Geistliche Verwaltung der Moslems von Mittelasien und Kasachstan gebildet.

    In den 1990er Jahren entstand die Bewegung der Wahhabiten, die für die Reinigung des Islam von den "Neuerungen" und die Gründung eines islamischen Territoriums in Russland eintreten, wo die Gläubigen nach dem Sharia-Gesetz leben und sich den russischen Behörden nicht unterwerfen. Nach vorliegenden Angaben lebt die Mehrheit der Wahhabiten in Tschetschenien und Dagestan. Wahhabiten gibt es auch in den anderen Nordkaukasus-Republiken sowie in anderen Regionen Russlands.

    Das Koordinierungszentrum der Moslems des Nordkaukasus, das mehr als 2000 Gemeinden vereint, hat im Jahre 1999 das Verbot der wahhabitischen und sonstigen extremistischen Tätigkeit auf dem Territorium der Republik Dagestan beschlossen. Im Jahre 2000 wurde die Tätigkeit der wahhabitischen Gruppen in Tschetschenien verboten, doch, aus dem Ausland finanziert, bestehen sie illegal weiter.

    In Russland gibt es insgesamt rund 3500 moslemische Organisationen und rund 5000 Gemeinden im Nordkaukasus, in Dagestan und in den Gebieten Orenburg, Tjumen, Tscheljabinsk, Samara und Uljanowsk.

    Der Judaismus wurde im 8. und 9. Jahrhundert zur staatlichen Religion des chasarischen Khaganates, das einen Teil des Territoriums des heutigen Russland umfasste. Im eigentlichen Russland erschienen nach der Angliederung des weißrussischen und des litauischen Territoriums in den Jahren 1772 bis 1795 Bevölkerungsgruppen, die sich zum Judaismus bekannten. Im Jahre 1776 wurde den Juden das Recht auf Eigentum und auf einen eigenen Glauben gewährt. Auf Weisung von Katharina II. wurde 1791 für die Juden die Sesshaftigkeitsgrenze (in Weißrussland und Neurussland) festgelegt. Eigentliche jüdische Gemeinden entstanden frühestens im 19. Jahrhundert in Großstädten.

    Nach dem Oktober 1917 fiel der Judaismus unter das Dekret über die Trennung der Kirche vom Staat und der Schule von der Kirche. Die Mehrheit der Synagogen wurde geschlossen.

    Im heutigen Russland ist der Judaismus als eine der vier traditionellen Religionen offiziell anerkannt. Im Jahre 2002 hat der Kongress jüdischer religiöser Organisationen "Die Grundlage der sozialen Konzeption des Judaismus in Russland" erarbeitet. Im Jahre 2003 gab es in Russland rund 200 orthodoxe und moderne (progressive) jüdische Gemeinden.

    Wie die gesamtrussische Volkszählung ergeben hat, leben in Russland 259 000 Juden - das ist die sechstgrößte jüdische Gemeinde der Welt.

    Der Buddhismus verbreitete sich im 17. Jahrhundert in Russland, nachdem die burjatischen und kalmykischen Viehzüchterstämme, vom chinesischen Territorium aus kommend, den Wolga-Unterlauf und Transbaikalien erreicht hatten. Nach dem Anschluss von Tuwa mit seinen 22 Klöstern an Russland im Jahre 1914 wurde der Einfluss des Buddhismus deutlich spürbar.

    Auf russischem Territorium ist der Buddhismus traditionell mit seinem nördlichen Zweig vertreten, der als Lamaismus bekannt und in der Mongolei und im Tibet verbreitet ist.

    Nach 1917, als Verfolgungen gegen die Geistlichen unterschiedlicher Konfessionen begannen, wurde den Lamas das Eigentumsrecht auf Grund und Boden entzogen, Schulen und Klöster wurden geschlossen, materielle Werte der Tempel wurden an Museen übergeben.

    Beim 11. Gesamtrussischen Buddhistenkongress im Jahre 1922 in Moskau wurde die Zentrale geistliche Verwaltung der Buddhisten gebildet. Beim Buddhistenkongress 1997 in Russland wurde diese Organisation in die religiöse Vereinigung "Buddhistische Traditionelle Sangha Russlands" umbenannt. Dazu gehören Dazans (buddhistische Klöster) und Gemeinden von Burjatien, Tuwa und Altai, der sibirischen Städte Irkutsk, Omsk und Tschita, von Sankt Petersburg und Moskau und anderer.

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