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    "Wremja Nowostej": Russische Moslems im Kampf um die Kinderseelen

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    MOSKAU, 05. September (RIA Novosti). Wie die Moskauer Zeitung "Wremja Nowostej" am Dienstag schreibt, sind Russlands Moslems eilig daran gegangen, ein Schullehrbuch über die Kultur des Korans auszuarbeiten.

    Das erklärte der stellvertretende Leiter des Rates der Muftis von Russland und Rektor der Moskauer Islamischen Universität, Marat Murtasin, am Montag. Dies sei die Reaktion darauf, dass ab 01. September 2006 in vier Gebieten Russlands die Grundlagen der rechtgläubigen Kultur als Pflichtfach unterrichtet werden.

    In weiteren elf Regionen des Landes hätten, wie die Russisch-Orthodoxe Kirche informiert, die örtlichen Behörden den fakultativen Unterricht im gleichen Fach eingeführt. Dank des Beistands mehrerer Gouverneure hat die Russisch-Orthodoxe Kirche somit erreicht, was sie seit Jahren bei der föderalen Regierung nicht erreichen konnte. Zugleich hat sie damit auch wieder einmal die Beziehungen zu den russischen Moslems zugespitzt, insbesondere zum Rat der Muftis, dem Rawil Gainutdinow vorsteht.

    Bemerkenswert ist, dass sich Anfang März der Rat der Muftis Russlands an die weltlichen Behörden mit der ausdrücklichen Bitte wandte, in munizipalen oder staatlichen Schulen keine religiösen Fächer zu unterrichten. Die Muftis bestanden darauf, dass die Hinweise als Änderungen am Gesetz "Über das Bildungswesen" umgesetzt werden. Offenbar haben die Moslems im Zusammenhang mit dem geglückten Lobbyismus der Russisch-Orthodoxen Kirche die eigene Position eilig überprüfen und sich in den Kampf um die Kinderseelen einschalten müssen.

    Der schulisch-religiöse Kasus ist in gewisser Hinsicht sogar amüsant. Die Massenmedien haben es geschafft, das Oberhaupt von Russlands Katholiken, Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz, in den heiklen Streit zwischen der Russisch-Orthodoxen Kirche und dem Rat der Muftis zu verwickeln. Am Montag gab er deshalb gezwungenermaßen eine spezielle Erklärung ab, in der er angebliche Äußerungen gegen den Unterricht der Grundlagen der Rechtgläubigkeit an staatlichen Schulen bestritt. In seiner Befürchtung, die gerade erst eingeläuteten Beziehungen zu den rechtgläubigen Kirchenwürdenträgern zu verderben, verlangte der katholische Erzbischof ein "sofortiges Dementi" dieser Information - überall, wo sie veröffentlicht wurde, schreibt die "Wremja Nowostej".

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