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    Kultur und Kunst: Russische Literaturgeschichte - von Iwan dem Schrecklichen über Tolstoi bis Nabokow

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    MOSKAU, 23. Januar (RIA Novosti). Man kann ohne Übertreibung behaupten, dass die weltweit bekanntesten russischen Schriftsteller durch ihr Schaffen die Ideen des Guten, des Altruismus und der Selbstaufopferung verbreitet haben. Der Charakter der russischen Literatur ist in vieler Hinsicht von diesem Streben nach Wahrheit und allgemeinem Glück geprägt.

    Die ältesten russischen Literaturdenkmäler stammen aus der Zeit der Christianisierung Russlands (10. Jahrhundert). Sie wurden unter byzantinischem Einfluss geschrieben. Als ein unübertroffenes Literaturwerk des alten Russland gilt „Das Igor-Lied“ (bzw. „Lied von der Heerfahrt Igors“), ein prosaisches Poem aus dem 12. Jahrhundert, dessen Autor unbekannt ist. Darin geht es um einen misslungenen Kriegszug von Fürst Igor im Jahr 1185 gegen kriegerische Nomadenstämme, die südrussische Steppen besiedelten.

    Die Werke, die bis zum 15. Jahrhundert entstanden, waren zumeist Russlands Kampf gegen Eroberer gewidmet. Die populärsten politischen Genres des 16. Jahrhunderts waren Novellen über Kriegszüge und politische Polemik, wie beispielsweise der Briefwechsel zwischen Iwan IV. dem „Schrecklichen“ und seinem ehemaligen Mitstreiter Fürst Andrej Kurbski, der später nach Litauen flüchtete. Darin protestiert Kurbski sarkastisch gegen die vom Zaren initiierten Repressalien gegen die Bojaren, während Iwan nicht weniger giftig die Dominanz der Bojaren anprangert.

    Die mittelalterliche Periode der russischen Literatur geht im 17. Jahrhundert zu Ende.

    In den vielfältigen Interessen des Reformzaren Peter I. (1672 - 1725) für Westeuropa waren praktische Aspekte dennoch stärker ausgeprägt. Insofern wurde die Literatur in seiner Epoche nicht vordergründig gefördert.

    Dafür war Katharina die Große (1729 - 1796) mit allen Mitteln bemüht, das Interesse ihrer Untergebenen für Kunst und Literatur zu wecken. Allerdings standen die russischen Romane in jener Zeit unter starkem Einfluss der englischen Literatur. Das populärste Werk jener Zeit war die sentimentale Novelle „Die arme Lisa“ (1792), in der es um eine vom Adeligen verführte junge Bäuerin ging. Geschrieben wurde sie vom namhaften Literaten und Historiker Nikolai Karamsin (1766 - 1826).

    Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war das goldene Zeitalter der russischen Poesie, in dem Russlands größter Lyriker Alexander Puschkin (1799 - 1837) dominierte. Das einmalige Aufblühen der realistischen russischen Literatur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte vor dem Hintergrund tiefer gesellschaftspolitischer Ereignisse, die Russlands Leben nach dem Dekabristenaufstand (1825) prägten.

    Mindestens drei russische Autoren jener Zeit - Iwan Turgenjew (1818 - 1883), Fjodor Dostojewski (1821 - 1881) und Lew Tolstoi (1828 - 1910) - sind weltbekannt. Der russische Leser würde aber diese Liste mit Dutzenden weiteren Namen von Schriftstellern und Lyrikern aus jener Zeit ergänzen. An der Schwelle zum 20. Jahrhundert gesellten sich zwei weitere weltbekannte Genies zu ihnen: Anton Tschechow (1860 - 1904) und Maxim Gorki (1868 - 1936).

    Nach der Revolution 1917 verzweigte sich die russische Literatur in einheimische und Exilliteratur. Dennoch bildeten beide dank den Traditionen der klassischen russischen Literatur eine Einheit. Iwan Bunin, Wladimir Nabokow, Michail Bulgakow, Boris Pasternak, Michail Scholochow: Diese Autoren errangen internationalen Ruhm - unabhängig davon, ob sie in der Heimat blieben oder in die Emigration gingen.

    Für das 20. Jahrhundert war die Suche nach neuen Formen in Prosa und Lyrik kennzeichnend. Es war die Zeit vielfältiger stilistischer Neuentdeckungen und auch eine Epoche, die die unerschöpflichen kreativen Kapazitäten der russischen Literatur bestätigt hat.

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