07:20 17 Dezember 2017
SNA Radio
    Kultur

    Patriarch sieht Teilnahme russischer Delegation am Orthodoxie-Treffen in Istanbul gefährdet

    Kultur
    Zum Kurzlink
    0 0 0
    MOSKAU, 24. Juni (RIA Novosti). Das unfreundliche Handeln des Konstantinopoler Patriarchates auf den kanonischen Territorien des Moskauer Patriarchates in Estland und in der Ukraine sowie in China gefährdet die Teilnahme der Delegation der Russisch-orthodoxen Kirche an dem Treffen der Oberhäupter der orthodoxen Landeskirchen der Welt, das in diesem Herbst in Istanbul (ehemals Konstantinopel) stattfindet.

    Patriarch Alexi II. von Moskau und ganz Russland hat am Dienstag bei der Erzbischofsversammlung der Russisch-orthodoxen Kirche in Moskau, an der Hierarchen aus Estland, der Ukraine und vielen anderen Ländern teilnehmen, die Schärfe „der estnischen Frage“ in den Beziehungen zwischen der Russischen und der Konstantinopoler Kirche hervorgehoben.

    Laut Alexi II. versuchen die Vertreter des Konstantinopoler Patriarchates in den letzten Jahren, auf gesamtorthodoxer Ebene die Anerkennung ihrer Kirchenstruktur in Estland als einer autonomen Landeskirche durchzusetzen, obwohl zum Konstantinopoler Patriarchat höchstens 12,5 Prozent der orthodoxen Gläubigen von Estland gehörten.

    „Die Abkommen, die die Russische Kirche früher als ein gezwungenes Zugeständnis zur Verhinderung einer Spaltung der orthodoxen Welt geschlossen hatte, sind von der Konstantinopoler Seite bisher nicht erfüllt worden. Dies erschwert die weitere Tätigkeit zur Überwindung der Spaltung zwischen den orthodoxen Gläubigen in Estland“, sagte der Patriarch.

    Keine der autokephalen orthodoxen Kirchen der Welt habe bisher die Estnische apostolische orthodoxe Kirche (EAOK) des Konstantinopoler Patriarchates offiziell anerkannt, aber die nachdrücklichen Versuche, eine solche Anerkennung ohne weiteres durchzusetzen, hörten nicht auf und trübten wichtige internationale religiöse Veranstaltungen, sagte Alexi II..

    „In einer Sitzung der Kommission für den theologischen Dialog zwischen der Orthodoxen und der Römisch-katholischen Kirche im Oktober vergangenen Jahres wurden Vertreter der EAOK des Konstantinopoler Patriarchates ohne vorherige Abstimmung in die Teilnehmerliste aufgenommen. Dies machte die weitere Mitwirkung der Delegation des Moskauer Patriarchates in der Kommission entsprechend den Beschlüssen der Erzbischofsversammlung aus dem Jahr 2000 nicht mehr möglich“, sagte der Patriarch. Er verwies warnend darauf, dass Ähnliches auch mit der Beteiligung der Russisch-orthodoxen Kirche an dem für diesen Herbst anberaumten Treffen der Vorsteher der orthodoxen Landeskirchen in Istanbul geschehen könne.

    Der Patriarch äußerte Besorgnis über die Handlungen der Vertreter der Konstantinopoler Kirche in der Ukraine, in denen die Unterstützung für die Schismatikergruppen auf diesem kanonischen Territorium des Moskauer Patriarchates zu ersehen sei. Dem Patriarchen zufolge hindern diese Handlungen daran, die Spaltung zu überwinden.

    Alexi II. äußerte sich besorgt über die Versuche des Konstantinopoler Patriarchates, seine kirchliche Jurisdiktion auf das Territorium der Chinesischen autonomen Kirche auszudehnen.

    Um einen Ausweg aus dieser schwierigen Situation zu finden, die die Orthodoxie insgesamt beeinträchtige, seien im März dieses Jahres in Zürich Verhandlungen zwischen Delegationen beider Patriarchate geführt worden. „Doch der Weg zum Einvernehmen ist allem Anschein nach lang und schwierig“, schlussfolgerte das Oberhaupt der Russisch-orthodoxen Kirche.