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    Russische Kirche: Homosexualität darf weder verfolgt noch propagiert werden

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    Die Position der Russisch-Orthodoxen Kirche zur Homosexualität hat sich nicht verändert: Sie ist eine Sünde und gleichgeschlechtliche Ehen sind nicht zulässig.

    MOSKAU, 30. Dezember (RIA Novosti). Die Position der Russisch-Orthodoxen Kirche zur Homosexualität hat sich nicht verändert: Sie ist eine Sünde und gleichgeschlechtliche Ehen sind nicht zulässig.

    Das betonte ein Sprecher des Kirchenvorstandes in einem RIA-Novosti-Gespräch.

    Zu dieser Stellungnahme sah sich die Kirche durch die intensiven Diskussionen im Internet gezwungen, die nach den von Patriarch Kyrill von Moskau und ganz Russland letzte Woche abgegebenen Äußerungen zu diesem Thema ausgebrochen waren.

    Bei seinem Treffen mit dem Generalsekretär des Europarates, Thorbjorn Jagland, in Moskau hatte der Patriarch gesagt: "Wir akzeptieren jede Wahl des Menschen, darunter auch hinsichtlich der sexuellen Orientierung, dies ist seine Privatangelegenheit. Das Akzeptieren dieses Fakts ändert aber keinesfalls unsere Einstellung zu dieser Erscheinung selbst. Die religiöse Tradition praktisch aller Völker zeugt davon, dass die Homosexualität eine Sünde ist."

    Heftig diskutiert wurde im Internet auch die These, dass ein Mensch, der diese Sünde begeht, "nicht bestraft" werden sollte. Deshalb sei die Kirche gegen beliebige Formen von Repressalien und Diskriminierungen dieser Menschen. Daraus schlossen so manche Blogger, der Patriarch habe "die unübliche sexuelle Orientierung gestattet".

    Wladimir Legoida, Chef der Informationsabteilung des Moskauer Patriarchats, führte die "spezifische" Auslegung der Äußerungen von Patriarch Kyrill darauf zurück, dass "viele Deuter nicht verstehen, was eine Sünde ist und wie die orthodoxe Kirche traditionell zur Sünde steht".

    "Indem wir die Sünde verurteilen, verurteilen wir den Sünder nicht", betonte der geistliche Würdenträger. "Eine der Bedeutungen dieses Wortes im Griechischen heißt ‚Fehler', was die Möglichkeit bietet, die Einstellung der Kirche zu dieser Erscheinung besser zu verstehen. Eine Sünde ist kein Verbrechen, für das der Mensch einfach bestraft werden müsste."

    "Beim Treffen mit dem Generalsekretär des Europarates ging es darum, dass die Russisch-Orthodoxe Kirche gegen eine Verankerung des Begriffs ‚Homophobie' in den internationalen Rechtsdokumenten ist, weil, wie die Praxis zeigt, dies genutzt wird, um es den Christen und den Vertretern der anderen traditionellen Religionen zu verbieten, die Homosexualität als Sünde zu bezeichnen", sagte Filipp Rjabych, Vizechef der Abteilung auswärtige Kirchenbeziehungen des Patriarchats. "Mehr noch: Auf diese Weise werden die Gläubigen gezwungen, die homosexuellen Ehen als Norm zu akzeptieren."

    Außerdem sind die orthodoxen Kirchen der Welt dagegen, dass den Menschen, die ihre Homosexualität offen proklamieren, gestattet wird, Kinder zu adoptieren. "Laut dem orthodoxen Standpunkt müssen die Kinder die Möglichkeit bekommen, in einer Familie aufzuwachsen, in der es eine Mutter und einen Vater gibt".

    "Wir sind auch dagegen, dass die gleichgeschlechtlichen Paare mit den üblichen Familien gleichgesetzt werden und die entsprechende staatliche Unterstützung bekommen", sagte der Geistliche. "Die Homosexualität darf nicht öffentlich propagiert werden."

    Darauf angesprochen, warum einige christliche Kirchen Europas inzwischen gleichgeschlechtliche Bündnisse absegnen, sagte Rjabych: "Laut ihrer Auslegung der Worte des Neuen Testaments über die Liebe ist nur ein Verhältnis ohne Liebe sündhaft, wenn aber die Menschen einander lieben, so sei alles andere sekundär."

    "Dies ist aber eine völlig entstellte Interpretation der Heiligen Schrift", betonte er. "Und sie steht auch im Widerspruch zur ganzen bisherigen Tradition. Entstanden ist sie unter dem Einfluss der unreligiösen Lebensweise, der sich die Menschen im Westen immer mehr zuwenden."

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