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10:15 20 September 2019
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    Screenshot aus dem Anime „First Squard –Moment der Wahrheit“ (2009)

    Wollt ihr den totalen Krieg? - Kriegsfilme aus fünf Jahrzehnten im Berliner Babylon

    © Screenshot: YouTube/Starzmediavod
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    Wie acht Filmschaffende unterschiedlicher Generationen die Kriegsauswirkungen zumeist schmerzlich erlebbar mach(t)en, zeigt die Auswahl der Reihe „Wollt ihr den totalen Krieg? 1945-2015“ im Berliner Filmtheater Babylon vom 7. bis zum 20. Mai.

    Im Zentrum gleich mehrerer Produktionen der Filmreihe aus fünf Jahrzehnten und aus vier Ländern (Russland und Japan sowie den beiden deutschen Staaten) stehen Teenager.

    Programmheft

     „First Squard –Moment der Wahrheit“
    www.first-squad.com
    „First Squard –Moment der Wahrheit“

    Im russisch-japanischen Anime „First Squard –Moment der Wahrheit“ (2009)  von Aljosha Klimow und Misha Shprits wird der Krieg aus einer neuen Perspektive dargestellt. Dabei verbinden sie sowjetische Popkultur seiner Jugendzeit, die illustrierte Taschenbuchreihe „Pionierhelden“ über Kinder und Jugendliche, die die Nazis im Krieg bekämpften, mit der japanischen Ausdrucksweise des Animes. Aufbauend auf dieser Mythologie des Widerstandes erzählen sie die Geschichte eines mit übersinnlichen Kräften ausgestatteten Mädchens, das während des Zweiten Weltkriegs eine geheime Schlacht gegen einen okkulten SS-Bund schlagen muss.

    „Iwans Kindheit“
    Defa-Stiftung
    „Iwans Kindheit“

    Eine Insipirationsquelle für Klimov und Shprits war u.a. das auch in der Reihe gezeigte Meisterwerk von Andrej Tarkowski „Iwans Kindheit“ (UdSSR, 1962) über einen 12-jährigen Kriegswaisen, der als Spion für die Rote Armee kämpft. Eine „Geschichte eines Charakters, der vom Krieg geboren und von ihm verschlungen wird“, wie es Tarkowski selbst beschrieb.

    „Geh und sieh“
    Defa-Stiftung
    „Geh und sieh“

    Wie unmenschlich hart der Krieg insbesondere die Kinder und Jugendlichen trifft, schildert mit bestürzendem Realismus auch Elem Klimows „Geh und sieh“ (UdSSR, 1985), in dem der 14-jährige Fljora die Auslöschung eines weißrussischen Dorfes durch Soldaten der Waffen-SS erlebt. Klimow (9. Juli 1933 Stalingrad — 26. Oktober 2003 Moskau) arbeitete damit auch das Trauma seiner eigenen Kindheit, die Flucht aus seiner Geburtsstadt auf.

    Dokumentarfilm „Joe Polowsky. Ein amerikanischer Träumer“
    Wolfgang Pfeifer
    Dokumentarfilm „Joe Polowsky. Ein amerikanischer Träumer“

    Eine Wiederentdeckung nach fast 30 Jahren ist der Dokumentarfilm „Joe Polowsky. Ein amerikanischer Träumer“ (Deutschland 1986), mit der Goldenen Taube 1986 in Leipzig und dem Berlinale Friedenspreis 1987 ausgezeichnet. Eine fünfzeilige FAZ-Meldung über das Begräbnis des US-Amerikaners Polowsky 1986 im sächsischen Torgau war der Ausgangspunkt für den Regisseur Wolfgang Pfeiffer und seine dreijährigen Dreharbeiten. Polowsky war als einfacher Soldat Teil des US-Trupps, der am 25. April 1945 an der Elbe zum ersten Mal auf die Rote Armee stieß und sich dort „Nie wieder Krieg“ schwor. Über jegliche Ideologie hinweg und während des Kalten Kriegs blieb dies Polowskys Lebensziel. Er setzte sich (vergeblich) für die Ernennung des 25. April zum Weltfriedenstag ein. Um das historische Ereignis mit hoher Symbolkraft in Erinnerung zu halten, verfügte Polowsky testamentarisch sein Begräbnis in Torgau.

    „Ich war 19“
    Defa-Stiftung
    „Ich war 19“

    Als den wichtigsten Film von Konrad Wolf bezeichnet Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase „Ich war 19“ (DEFA 1967), die erste Zusammenarbeit der beiden. Ausgangspunkt des Films war Wolfs eigene, künstlerisch bearbeitete und die um Kohlhaases Erfahrungen bereicherte Geschichte: Wolf war als Kind mit seinen Eltern nach Moskau emigriert. 1945 kehrte er als junger Soldat der Roten Armee nach Deutschland zurück und nahm an der Schlacht um Berlin teil. Er, der sich als Russe fühlte, wurde von seiner Umgebung, Deutschen wie Russen, immer wieder an seine Herkunft erinnert.

    Nur ein Jahr später widmete Regisseur Heiner Carow Konrad Wolf seinen Film „Die Russen kommen“ über einen knapp 17-Jährigen, der im Frühjahr 1945 in einem Ort an der Ostsee noch an den Endsieg glaubte. Wenn der Film zu seiner Entstehungszeit 1968 nicht verboten worden wäre, hätte er als Pendant zu „Ich war 19“, aber auch zu „Iwans Kindheit“ erlebt werden können.

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    Tags:
    Zweiter Weltkrieg, Geh und sieh (Film), Ich war 19 (Film), Joe Polowsky. Ein amerikanischer Träumer (Film), Iwans Kindheit (Film), First Squard –Moment der Wahrheit (Film), Filmtheater Babylon (Berlin), SS, Heiner Carow, Wolfgang Kohlhaase, Joe Polowsky, Elem Klimow, Andrej Tarkowski, Misha Shprits, Aljosha Klimow