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22:36 16 Juli 2019
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    Mein Kampf

    Russisches Echo auf geplante „Mein Kampf“-Neuausgabe: „Ominöses Zeichen“

    © AFP 2019 / Frederic J. Brown
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    Die in Deutschland geplante wissenschaftliche Neuausgabe von Hitlers „Mein Kampf“ hat auch in Russland widersprüchliche Reaktionen ausgelöst. Die einen warnen vor einer Wiedergeburt der NS-Ideologie mit Blick auf die aktuelle Situation in Europa, die anderen sehen in dem Projekt einen richtigen Schritt, um die Nazi-Verbrechen nicht zu vergessen.

    Der Menschenrechtsbeauftragte des russischen Außenministeriums, Konstantin Dolgow, twitterte: „In Deutschland ist eine Neuauflage von Hitlers ‚Mein Kampf‘ geplant. Das ist eine sonderbare Methode, gegen die zunehmenden Neonazi-Tendenzen in Europa vorzugehen!“ Dolgow mahnte: „Berlin sollte lieber aktiver darauf hinarbeiten, neonazistische Bataillone in der Ukraine auflösen zu lassen, damit ihre Kämpfer dann wegen Kriegsverbrechen bestraft werden.“

    Irina Jarowaja, Chefin des Duma-Ausschusses für Sicherheit und Korruptionsbekämpfung, sagte: „Jede Neuausgabe von ‚Mein Kampf‘ ist ein ominöses Zeichen für eine Neuauflage des Nazismus in der Welt, weil die Ermutigung von Nazismus und Faschismus zu einem modernen Instrument der Politik wird.“ Die Abgeordnete wies darauf hin, dass „die USA, Kanada, die Ukraine gegen jene UN-Resolutionen stimmen, die eine Widergeburt der faschistischen Ideologie verurteilen“. 

    Boruch Gorin, Sprecher des Bundes jüdischer Gemeinden Russlands, äußerte dagegen, dass die geplante Neuausgabe keine NS-Widergeburt fördere, sondern eher dabei helfe, Hitlers Verbrechen nicht zu vergessen: „Denn die Vergesslichkeit kann dazu führen, dass sich alles wiederholt. Ohne ‚Mein Kampf‘ als wichtigstes historisches Dokument ist es unmöglich, das Wesen und die Natur des Nazismus zu begreifen – mit all seinen grausamen Gesetzen, mit Hakenkreuzen in den Straßen, mit dem ‚Stürmer‘. All dies aus dem Gedächtnis auszurotten, wäre ein zweischneidiges Schwert. Eine wissenschaftliche Ausgabe von ‚Mein Kampf‘ würde ich deshalb mit Verständnis betrachten.“  

    Dieser Standpunkt entspricht wohl am meisten dem des Herausgebers. Das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) in München, das das Buch im Januar auf den Markt bringen will, betont die historisch-kritische Ausrichtung des Projekts. Hitlers Schrift soll mit wissenschaftlichen Kommentaren ausgiebig versorgt werden. 

    Wie Gorin nun weiter sagte, sollte ‚Mein Kampf‘ aus seiner Sicht zwar im Handel erhältlich, aber nicht leicht zugänglich sein. Jeder gebildete Erwachsene müsse wissen, um welche „Scheußlichkeit“ es sich bei Hitlers Schrift handelt, hieß es. 

    Vitali Dymarski, Chefredakteur des russischen Geschichtsmagazins „Diletant“ kommentierte für die Tageszeitung „Moskowski Komsomolez“: „Ein Druckverbot für solche Literatur ist nicht in der Lage, die Gesellschaft zu schützen. Solche Bücher mit kritischen Anmerkungen zu lesen, ist besser als eine Lektüre ohne Anmerkungen im Internet … Diese Literatur hat schon einen historischen Charakter. Das ist ein Text zum Erforschen durch Wissenschaftler und Historiker. Wie man sagt, muss man das Gesicht des Feindes kennen.“

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    Tags:
    Mein Kampf, Witali Dymarski, Irina Jarowaja, Boruch Gorin, Adolf Hitler, Konstantin Dolgow, Deutschland, Russland