08:33 14 Dezember 2018
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    Die Ausstellung „Museum der Märtyrer“

    Terroristen als Märtyrer: Ausstellung in Dänemark sorgt für Wirbel

    © Foto : Hvid Museum/TOETT/Ida Grarup Nielsen
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    In Kopenhagen ist trotz der Proteste dänischer Politiker eine Ausstellung eröffnet worden, die Menschen gewidmet ist, die für ihre Überzeugungen leiden mussten. Unter den Exponaten gibt es persönliche Gegenstände der Drahtzieher der Anschläge in Paris und Brüssel, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Freitag.

    Die Organisatoren der Ausstellung empfinden zwar keine Sympathie für die Terroristen, aber Menschen im Pariser Theater Bataclan erschießen oder die Zwillingstürme des World Trade Center in New York mit einem Flugzeug rammen, das können nach ihrer Auffassung nur solche tun, die „die Welt besser machen wollen“. Ein Vertreter des russischen Generalkonsulats in Genf kommentierte die Eröffnung der Ausstellung mit der rhetorischen Frage: „Na gut, aber was passiert weiter?“

    In der dänischen Hauptstadt wurde die Ausstellung eröffnet, die die Attentäter von Paris und Brüssel als Märtyrer darstellt und sie mit Sokrates, Jeanne d’Arc oder Rosa Luxemburg vergleicht. Wie "Kommersant" schreibt, verfolgten die Organisatoren der Ausstellung das Ziel, „den Begriff ‚Märtyrer‘ aus allen möglichen Blickwinkeln und aus der Sicht der Geschichte zu beschreiben“.

    „Uns fällt es in Dänemark schwer, zu verstehen, was das ist, für die eigenen Ideale zu sterben. Die Twin Towers zu rammen oder auf Menschen im Club Bataclan zu schießen, sich in Brüssel selbst in die Luft zu sprengen – dazu sind nur solche fähig, die glauben, die Welt besser zu machen“, wurde in der entsprechenden Pressemitteilung Ida Grarup Nielsen, die Ko-Autorin der Ausstellung, zitiert.

    Sie verwies darauf, dass Omar al-Hussein in der Ausstellung nicht vorgestellt werde, der im Februar 2015 eine Schießerei in Kopenhagen ausgelöst habe. Dieser Terrorist sei von Polizisten getötet worden, und das bedeute, dass er nicht unbedingt bereit gewesen sei, für seine Ideale zu sterben, so Nielsen.

    Die Ausstellung „Museum der Märtyrer“ findet im Theater Sort/Hvid statt, wo 2012 ein Schauspiel von Christian Lollike nach dem „Manifest“ des norwegischen Terroristen Anders Breivik aufgeführt worden war, der 2011 in Oslo 77 Menschen getötet hatte.

    Auf der Website der Exposition wird mitgeteilt, dass es sich bei der Ausstellung um eine etwa eine Stunde lange Erzählung über jeden einzelnen „Märtyrer“ handele. Dabei werde über die Terroristen „aus ihrer Sicht“ erzählt.

    Im Theater sind Fotos der „Märtyrer“ sowie einige mit ihnen verbundene Gegenstände ausgestellt. Neben den Fotos der Brüder el Bakraoui, die die Anschläge in Brüssel organisierten, ist ein schwarzer Lederhandschuh ausgestellt – eine Kopie des Handschuhs, den Ibrahim el Barkaoui trug, als er den Zündknopf drückte. Von den Pariser Attentätern wird Fuad Mohammed Aggad vorgestellt, der am 13. November 2015 auf die Besucher des Clubs Bataclan schoss.

    „Wir verstehen, dass die Verwandten der Opfer wegen unserer Ausstellung stark emotionalisiert sind. Wir versuchen, etwas zu verstehen, was unmöglich verstanden werden kann“, sagte der Ko-Autor der Ausstellung Henrik Grimbaek.

    Die umstrittene Ausstellung löste massive Kritik vieler dänischer Politiker aus. Kulturminister Bertel Haarder nannte die Idee einer solchen  Exposition „wahnsinnig“. Es sei empörend, „dass sie die ehrenvolle Sozialistin Rosa Luxemburg und die Selbstmordterroristen auf eine Stufe stellen“, betonte Haarder. Ähnlich äußerte sich auch die Vizepräsidentin der dänischen Gesellschaft für Pressefreiheit, Katrine Winkel Holm.

    Das Mitglied der regierenden Partei Venstre Diego Gugliotta hatte zuvor ebenfalls die Ausstellung kritisiert und sogar die Polizei zu einer Überprüfung ihres Inhalts aus der Sicht der Gesetzlichkeit aufgefordert. Ihm zufolge könnte eine solche Ausstellung einige Menschen auf die Idee bringen, einer terroristischen Organisation beizutreten.

    Dabei bekam Gugliotta Unterstützung durch den Abgeordneten Alex Arendten von der Dänischen Volkspartei. Henrik Grimbaek teilte jedoch später mit, mit der Polizei habe es keine Probleme gegeben.

    Bei den Pariser Anschlägen am 13. November 2015 waren 130 Menschen getötet und mehr als 350 verletzt worden. Die Brüsseler Anschläge am 22. März haben 32 Menschen das Leben gekostet. Mehr als 300 weitere Menschen wurden dabei verletzt.

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    Tags:
    Terrorgefahr, Terroranschläge von Brüssel, Terroranschläge in Paris, Dänemark