09:40 18 Dezember 2017
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    Die Denkmäler sollten selbst während der Blockade bewahrt werden. Das Denkmal von Peter I. („Der eherne Reiter“) auf dem Platz der Dekabristen.

    75 Jahre Beginn der Blockade Leningrads – Ausstellung „Die Blockade in Fotografien“

    © Sputnik/ Izrail Ozerskiy
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    Im Zweiten Weltkrieg haben am 8.September 1941 deutsche, finnische und spanische Truppen Leningrad eingekreist. In den 871 Tagen der Blockade der Stadt sind nach unterschiedlichen Angaben durch Hunger, Bombenangriffe und Artilleriebeschuss bis zu anderthalb Millionen Leningrader ums Leben gekommen.

    In Sankt Petersburg, wie die Stadt heute wieder heißt, haben aus diesem traurigen Anlass Gedenkveranstaltungen stattgefunden.

    • Hitlers Faschisten konnten Leningrad nicht erobern und beschlossen, die Stadt auszuhungern. Das deutsche Kommando wollte die Stadt an der Newa dem Erdboden gleichmachen und ihre Einwohner an Hunger und Kälte sterben lassen.
      Hitlers Faschisten konnten Leningrad nicht erobern und beschlossen, die Stadt auszuhungern. Das deutsche Kommando wollte die Stadt an der Newa dem Erdboden gleichmachen und ihre Einwohner an Hunger und Kälte sterben lassen.
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    • Ein Luftabwehrballon wird auf dem Newski-Prospekt aufgestellt.
      Ein Luftabwehrballon wird auf dem Newski-Prospekt aufgestellt.
      © Sputnik/ Boris Kudoyarov
    • Die Stadteinwohner bildeten zehn Divisionen des Volksheeres.
      Die Stadteinwohner bildeten zehn Divisionen des Volksheeres.
      © Sputnik/ Anatoliy Garanin
    • Neujahrsfeier in einem Leningrader Kinderkrankenhaus.
      Neujahrsfeier in einem Leningrader Kinderkrankenhaus.
      © Sputnik/ Sergei Strunnikov
    • Die Faschisten beschossen Leningrad gnadenlos: Auf die Stadt wurden in den Blockadejahren knapp 150 000 Geschosse abgefeuert. Zudem wurden mehr als 107 000 Bomben auf Leningrad abgeworfen.
      Die Faschisten beschossen Leningrad gnadenlos: Auf die Stadt wurden in den Blockadejahren knapp 150 000 Geschosse abgefeuert. Zudem wurden mehr als 107 000 Bomben auf Leningrad abgeworfen.
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    • Eine Krankenschwester eilt mit einer Trage zu einem Verletzten.
      Eine Krankenschwester eilt mit einer Trage zu einem Verletzten.
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    • Blockade von Leningrad: 872 Tage in der Hölle
      Blockade von Leningrad: 872 Tage in der Hölle
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    • Blockade von Leningrad: 872 Tage in der Hölle
      Blockade von Leningrad: 872 Tage in der Hölle
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    Hitlers Faschisten konnten Leningrad nicht erobern und beschlossen, die Stadt auszuhungern. Das deutsche Kommando wollte die Stadt an der Newa dem Erdboden gleichmachen und ihre Einwohner an Hunger und Kälte sterben lassen.

    Am 8. September wurde in Petersburg das Museum der Verteidigung und Blockade Leningrads nach seiner Restaurierung wiedereröffnet. Und zwar mit der Sonderausstellung „Die Blockade in Fotografien“ aus der Privatsammlung von Michail Karissalow. Die meisten heute bekannten Fotos aus jener Zeit stammen von Militärkorrespondenten solcher Nachrichtenagenturen wie Sowinformbüro sowie aus Zeitungsredaktionen. Ihre Veröffentlichung erforderte eine spezielle Genehmigung. Laut den Richtlinien von Partei und Regierung sollten sie die Standhaftigkeit und den Mut der Verteidiger und Bewohner Leningrads zeigen. Aber sie drückten nicht jenen Schrecken aus, der von den blockierten Menschen Besitz ergriffen hatte, wie die Kuratorin der Ausstellung, Milena Tretjakowa, für Sputnik sagte:

    „Das Besondere an dieser Exposition ist, dass wir bereits bekannte Fotos mit Kommentaren aus den Tagebüchern von Leningradern begleiten. Wir versuchen zu erzählen, was der Mensch auf dem Foto empfunden hat. Zum Beispiel ein Foto vom Moskowski Prospekt, damals hieß er Meschdunarodny Prospekt. Man sieht darauf Verteidigungsbauten, Panzer fahren dort und Menschen sind unterwegs. Ein uneingeweihter Mensch wird denken, dass die Stadt lebt, wenn auch unter schwierigen Bedingungen. Ein anderes Bild entsteht, wenn man die Tagebuchnotiz des Arbeiters Fokin aus dem Metallurgischen Werk liest, der schreibt: ‚Der gesamte  goldene Fonds unseres Werkes, alle Arbeiter, ist tot. Wir arbeiten mit 13-jährigen Jugendlichen und Frauen, die unter Hungerdystrophie leiden. ‘ Ein anderes Foto zeigt sauber gekleidete Kinder — im Sommer, auf einem Erbsenfeld. Hierzu der Kommentar eines Arztes: ‚Heute hat man mir erneut ein Kind gebracht, einen kleinen Jungen, mit einem Zettel – Bei Ihnen überlebt er vielleicht, mit mir aber wird er sterben‘.

    Es sind fast keine Fotos erhalten, die von Bewohnern der Stadt gemacht wurden. Obwohl die Fotoapparate bei der Zivilbevölkerung nicht beschlagnahmt wurden, war das Fotografieren auf den Straßen der Stadt ohne spezielle Genehmigung verboten. Zudem war es ohne Wasser- und Stromversorgung und ohne funktionierende Heizung damals unmöglich, die Filme zu entwickeln. Aber trotzdem existieren Fotos. In den Archiven werden die Tagebücher von Leningradern mit eingeklebten kleinen Fotos aufbewahrt. Heute sind diese Fotos zusammen mit den schriftlichen Quellen – den Erinnerungen der Bewohner des blockierten Leningrads – wichtige Zeugnisse der Tragödie des Zweiten Weltkrieges.

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