23:13 20 April 2019
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    US-Filmemacher Oliver Stone

    Oliver Stone zu Cyber-Krieg: „Russland die Schuld zu geben, ist dumm“ – Interview

    © AP Photo / Willy Sanjuan/Invision
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    Der Film „Snowden“ des berühmten US-Filmemachers Oliver Stone läuft ab dem kommenden Donnerstag in den deutschen Kinos. In einem Interview mit dem TV-Sender „RT“ sprach der Regisseur über seinen neuen Streifen und die Machenschaften der US-Demokraten im Präsidentschaftswahlkampf.

    Die Story mit den Angriffen angeblich russischer Hacker auf die Server der US-Demokraten zeige mal wieder, dass es einfacher sei, Russland für alles die Verantwortung in die Schuhe zu schieben, als darauf zu schauen, was wirklich wichtig sei, sagte der Filmemacher.

    „Dieser ganze Cyber-Krieg macht mir Sorgen. Wir ziehen Schlüsse ohne jedwede Beweise“, betont Stone. „Menschen reden dummes Zeug. Es ist leicht, immer wieder lauthals zu behaupten, dass die Russen angreifen. Aber das ist dumm“, sagt der Regisseur klar. „Was ich bei den Dreharbeiten zu ‚Snowden‘ gelernt habe, ist, dass es schwer nachzuvollziehen ist, wer was bei einer Cyber-Attacke gemacht hat. Dafür braucht es Monate. Aber diese Geduld bringt niemand auf. Da ist es einfacher mit dem Finger auf Russland zu zeigen.“

    Die gehackten Informationen zeigen laut Stone, wie sehr die Parteispitze der Demokraten den Wahlkampf von Bernie Sanders sabotiert hat – zugunsten von Hillary Clinton. „Das ist der wahre Skandal, doch der wurde ignoriert!“, empört sich Stone.

    Über seinen neuen Film sagt der Regisseur: „Ich hatte die Möglichkeit, Snowden auf Einladung seines Anwalts in Moskau zu besuchen. Innerhalb von zwei Jahren haben wir uns neun Mal getroffen“, so Stone.

    „Der Film ist eine packende und mitreißende Geschichte. Sie spielt im Hier-und-Jetzt und behandelt Probleme, mit denen unsere und die nächsten Generationen konfrontiert sein werden: Überwachung und Cyberwaffen“, verrät der Filmemacher.

    Bei den Recherchen zu seinem Film sei er auf eine Sache über Snowden aufmerksam geworden, die in den Medien so gut wie keine Rolle gespielt habe: „Es ist das Menschliche, die Beziehung zu seiner Freundin. Das war Liebe fürs Leben. Die Presse hat das marginalisiert. Für Snowden ist die Beziehung von immenser Bedeutung“, sagte der Filmautor. 

    „Der Film zeigt Snowdens Motivation, warum er das getan hat. Abhörung und NSA sind Tabuthemen, ‚topsecret‘. Er ist einer der wenigen, die darüber gesprochen haben. Sie alle haben Schwierigkeiten“, sagt Stone. „Es gibt sehr viele Geheimnisse und niemand kann vorhersagen, wie sich Enthüllungen auswirken. Doch Snowden ist sehr tapfer“, bilanziert der Regisseur.

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    Tags:
    Cyber-Attacke, NSA, Hillary Clinton, Edward Snowden, Oliver Stone, Russland