23:44 20 September 2017
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    Spielkarten mit den Bildern von Rock-Musiker Udo Lindenberg, links, Erich Honecker, Mitte und Willy Brandt (Archivbild)

    Neue Honecker-Biographie: Zwischen Höllenreiter und Mitläufer

    © AP Photo/ Hermann J. Knippertz
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    Es gibt eine neue Biographie über Erich Honecker. Darin hat sich der Autor, Prof. Dr. Martin Sabrow, vor allem auf die Jugend und die Ideale des späteren Generalsekretärs der SED konzentriert. Sputnik hat mit dem Historiker Sabrow gesprochen.

    Honecker starb vor 22 Jahren im Exil in Santiago de Chile. Als Generalsekretär der SED lenkte er von 1971 bis 1989 die Geschicke der DDR. Das ist allgemein bekannt. Dagegen weiß man relativ wenig über seine erste Lebenshälfte. Gerade die hat Sabrow, den Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam, interessiert. Der Historiker wollte seine Untersuchungen dieser Zeitspanne mit den Berichten aus Honeckers eigener Biographie von 1981 vergleichen. 

    Im Gespräch mit Sputnik ging Sabrow intensiv auf das Jahr 1945 ein. Ein dramatisches Jahr — für Deutschland und Honecker. Dieser saß seit 1935 als verhafteter Kommunist in mehreren Gefängnissen. Anfang 1945 war er als Häftling zu einer Baukolonne eingeteilt, die per Lkw zu beschädigten Gebäuden gefahren wurde, um Bombenschäden zu reparieren. Diese Tätigkeit klingt hier recht harmlos, der Biograph Sabrow schildert sie allerdings als ein Höllenkommando: „Amerikaner und Engländer haben bei ihren Luftangriffen mit Blockbustern operiert, die als Cracker die Häuser öffneten und dann Phosphorbomben in die Häuser geworfen.

    Diese Bomben explodierten aber nicht sofort, sondern erst nach einer halben Stunde und waren dann nicht zu löschen. Honeckers Aufgabe war es diese Bomben einzusammeln, hinunterzuwerfen oder hinunter zu tragen. Ein Höllenkommando, kaum jemand hat das überlebt, das ist furchtbar“, berichtet der Historiker. Dank dieser „Heldentaten“ winke Honecker die baldige Begnadigung. Trotz dieser Aussicht auf Freiheit sei der damals 32-Jährige aus dem Gefängnis geflohen. Über die Gründe für die Flucht erklärt Sabrow: „Honecker war immer ein bisschen ein Mitläufer, er ist gerne mit anderen, stärkeren mitgegangen. Und da gab es einen Stärkeren, der wollte fliehen und dem hat er sich angeschlossen.“

    Durch diese Flucht begibt sich Honecker augenblicklich in Lebensgefahr, berichtet Sabrow. Er kenne sich in Berlin nicht aus, habe weder Freunde noch Familie. Im Gegensatz zu seinem Fluchtkameraden, der bei einem Onkel untergekommen sei. „Jetzt steht er allein auf der Straße und weiß nicht wohin. Stellen sie sich das vor“, beschreibt der Historiker, „zu fliehen, im März, zwei Monate vor Kriegsende, in Berlin, wo jeder Deserteur aufgehängt wurde, wo an jeder Ecke eine Patrouille des SD (Sicherheitsdienst des Reichsführers SS, Anm. d. Red.) steht, wo überhaupt kein Mann zwischen 20 und 70 Jahren herumlaufen kann, ohne in zehn Minuten gefasst zu werden.“

    So viel sei verraten, Honecker entkommt und das nicht nur einmal. Wie, dass erfahren Sie in dem Buch: „Erich Honecker: Das Leben  davor, 1912 – 1945, erschienen im Verlag C. H. Beck, Preis: 27,95 EUR

    Einen Radiobeitrag zu dem Buch finden Sie hier:

    Tags:
    Erich Honecker, DDR