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06:03 14 Oktober 2019
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    Sammlung der Ausstellungsexemplare „Krim: Gold und Geheimnisse des Schwarzen Meeres“

    „Krim-Gold“ ist kein „Ukraine-Gold“: Experte bewertet Rechtsstreit um Skythen-Schatz

    © AP Photo / Allard Pierson Museum
    Kultur
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    Das „Krim-Gold“ gehört in Museen auf die Krim, kommentiert Thomas Brand, deutscher Rechtsanwalt von Brand & Partner in Moskau, die Entscheidung des Amsterdamer Gerichtes, die wertvollen Kunstwerke aus dem Bestand mehrerer Museen auf der Halbinsel an die Ukraine zu übergeben.

    Im UNESCO-Übereinkommen zum Schutz von Kulturgütern von 1970 geht es, wie Brand  im Interview mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin erklärt, nicht um den Schutz des Eigentums von Staaten, sondern um den Schutz der Kulturgüter selbst vor Diebstahl und unzulässiger Ausfuhr. „Das haben wir alles nicht. Die Kulturgüter wurden damals auf vertraglicher Grundlage und mit einer Ausfuhrlizenz aus der Ukraine ausgeführt, alles rechtmäßig“, so Brand.

    Politische vs. kulturelle Herkunft

    In dieser Hinsicht dürfe man nicht von einem Ursprungsstaat, sondern von einer Ursprungsregion reden. „Dann muss man immer sehen, wo diese Kulturgüter ihren Ursprung, ihre Geschichte und den traditionellen Gütergrund haben. Bei der 2000-jährigen Geschichte des Krim-Goldes gibt es keinen Zweifel daran, dass sie auf der Krim liegen“, sagte der deutsche Jurist.

    Das Amsterdamer Gericht habe derweil gar nicht wirklich entschieden, wem der Goldschatz. Ihn habe vor allem verwundert, dass ukrainische Gerichte für zuständig erachtet worden seien. Das hält Brand für falsch: „Denn die Museen haben gegen den Besitzer geklagt, und der ist Amsterdam.“

    Sammlung der Ausstellungsexemplare „Krim: Gold und Geheimnisse des Schwarzen Meeres“
    © AP Photo / Peter Dejong
    Sammlung der Ausstellungsexemplare „Krim: Gold und Geheimnisse des Schwarzen Meeres“

    Wem gehört Kultur?

    In diesem Zusammenhang hätte zunächst die Frage nach dem Eigentum geklärt werden müssen, so der Rechtsanwalt. „In 2000 Jahren gehörte das Krim-Gold verschiedenen Eigentümern. Es steht aber fest, dass die letzten Eigentümer die Museen auf der Krim waren, die als staatliche Einrichtungen natürlich dem Staat gehören. Und die Frage, die sich Juristen nun stellen müssen, ist, ob das Eigentum verloren gegangen oder zu jemand anderem übergegangen ist.“

    Und eben hier lägen die Einwände der Ukraine: „Dem ist nicht so, wie ukrainische Anwälte behaupten. Letztendlich ist das Eigentum auf den Rechtsnachfolger übergegangen. Das sind die Museen, die vorher nach ukrainischem Recht handelten und dann in russische Einrichtung, etwa zum Betriebsübergang, wenn man es technisch formuliert, umgewandelt wurden.“

    Zurück zu den Urprüngen

    Wenn man das UNESCO-Übereinkommen richtig interpretiere und entsprechende Fakten heranziehe, so Brand weiter, sollten die Kulturgüter dorthin zurückkehren können, wo sie herkommen. Das Amsterdamer Gericht habe aber gemeint, dass es sich bei dem „Krim-Gold“ um ein kulturelles Erbe speziell der Ukraine handele. Aber: „Die Kulturgüter kommen von der Krim und das ist der Anknüpfungspunkt“, so Brand. Das Dilemma bestehe nun darin, dass die Ukraine einen Anspruch erhebe, den er nicht bestätigt sehe.

    Das stärkste Argument aber lieferte dem Juristen zufolge die Kuratorin der Ausstellung Waleria Mordvincera: Sie sagte, bei dem Goldschatz handele es sich um Zeugnisse der kulturellen Identität der Krim, welche mehrfach die Eigentümer wechselten; 1954 gingen sie an die Ukraine, vorher waren sie russisch und nun wieder russisch. Eine lange Geschichte…

    Gerechte Berufung

    Sammlung der Ausstellungsexemplare „Krim: Gold und Geheimnisse des Schwarzen Meeres“
    © AP Photo / Allard Pierson Museum

    Der deutsche Jurist hält die Berufung seitens der Krim-Museen für gerechtfertigt: „Sie hat ganz gute Chancen, weil das Amsterdamer Gericht die UNESCO-Konvention zum Schutz der Kulturgüter falsch angewandt und Rechtsfolgen ausgesprochen hat, die ich so aus dem Übereinkommen nicht entnehmen kann, dass es hier ein Rückführungsgebot an die Ukraine geben soll.“ Das ergebe sich nicht eindeutig aus dem Regelwerk.

    Die Prämisse sollte aus Sicht des Rechtanwaltes die sein, dass das Eigentum dem ursprünglichen Besitzer wieder zugeführt werden sollte. „Es gibt genügend Raum für eine begründete Anfechtung in der Berufung“, so Brand. „Im Sinne des Kulturgüterschutzes müsste eigentlich der Goldschatz der Krim auf der Krim sein. Alles andere wäre ein bitteres Ergebnis nicht nur für die Museen, sondern auch für die Krim-Bewohner.“ 

    Die Ausstellung „Die Krim – Gold und Geheimnisse des Schwarzen Meeres“, die zuvor auch in Bonn gastierte, wurde im Archäologiemuseum der Universität Amsterdam untergebracht. Zum Zeitpunkt des Krim-Referendums und deren Beitritts zur Russischen Föderation lagen in den Museums-Vitrinen unter anderem ein 2400 Jahre alter Prunkhelm des Reitervolks der Skythen sowie über 2000 Jahre alte chinesische Lackkästchen der Han-Dynastie, filigrane Broschen und eine goldene Schwert-Scheide.

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    Tags:
    Skythen-Gold, UNESCO, Ukraine, Niederlande, Krim