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06:37 16 Oktober 2019
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    Ein Portrait von Ernest Hemingway. Archivfoto

    Wie der sowjetische Geheimdienst Ernest Hemingway zum Spion machte

    © AP Photo / Ted S. Warren
    Kultur
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    Eines Tages im Winter 1940/41 hat der Sowjetspion Jacob Golos den US-Schriftsteller Ernest Hemingway rekrutiert – für besondere Aufgaben. Wie das genau passierte und welche Dienste der weltberühmte Autor dem sowjetischen Geheimdienst erwies, schreibt der Publizist Nicholas Reynolds in seinem Beitrag für das Portal „The Daily Beast“.

    Jacob Golos war laut Reynolds in Fachkreisen zumindest ebenso berühmt, wie Hemingway in der Welt der Literatur. Golos war ein überzeugter und langjähriger Bolschewik, der vor der Geheimpolizei des Zaren zu Fuß über Sibirien nach China und von dort aus weiter in die Vereinigten Staaten geflohen war. Nach seiner Flucht ließ er sich in der Lower East Side von Manhattan nieder, gründete die Kommunistische Partei der Vereinigten Staaten und wurde zu einer Schlüsselfigur der Sowjetspionage an der US-amerikanischen Ostküste.

    Passfoto von Ernest Hemigway. 1923
    Passfoto von Ernest Hemigway. 1923

    An jenem Tag, an dem der Sowjetspion Golos dem US-Schriftsteller und Publizisten Hemingway die Zusammenarbeit vorschlug, meldete er laut dem Portal nach Moskau: „Ich bin davon überzeugt, dass er mit uns kooperieren und alles tun wird, was er kann.“

    Doch warum war Hemingway für das NKWD (die Vorgängerorganisation des KGB) überhaupt von Interesse?

    „Hemingway war bereits ein weltberühmter Schriftsteller. Seine Beziehungen reichten von europäischen Hauptstädten bis ins Weiße Haus. Hemingways dritte Frau, Martha Gellhorn, war eine enge Freundin von Eleanor Roosevelt“, schreibt Reynolds in seinem Artikel. Einst konnte Gellhorn für ihren Ehemann gar ein privates Treffen mit dem damaligen US-Präsidenten Theodor Roosevelt arrangieren: Sie schauten sich eine Doku an, an der Hemingway mitgewirkt hatte, und diskutierten danach über Außenpolitik.

    Die Sowjets hatten es also auf das weitverzweigte und prominente Beziehungsnetzwerk des Schriftstellers abgesehen. Dieser willigte laut dem Artikel in den Vorschlag von Golos ein. Gegen die Spionagegesetze der Vereinigten Staaten verstieß er dadurch zwar nicht, wohl aber gegen das Gesetz über die Registrierung ausländischer Agenten.

    Ein großer NKWD-Spion wurde Hemingway freilich nicht. Dennoch vertrat er jahrelang prosowjetische Positionen, wie Reynolds schreibt. So hat der weltberühmte Schriftsteller 1948 den US-Präsidentschaftskandidaten Henry Wallace und dessen positive Einstellung gegenüber der Sowjetunion auch in der Öffentlichkeit mitgetragen. Wallace verkündete im Wahlkampf, dass die beiden Supermächte USA und UdSSR miteinander unmittelbar kooperieren sollten, ohne große Rücksicht auf die Alte Welt zu nehmen, nämlich auf Großbritannien und Frankreich.

    Diese Geschichte verdeutliche die Methoden der russischen Geheimdienste seit ihren Anfängen als NKWD, schreibt Reynolds. Die Sowjetspionage habe alles dafür getan, Informationen über bestimmte Kreise der amerikanischen Gesellschaft zu sammeln und Einfluss auf sie auszuüben.

    „Hemingways Fall erinnert daran, dass man sehr sorgfältig mit Situationen umgehen muss, die nicht direkt mit Spionage oder Einflussnahme zu tun haben. Die weitreichenden Folgen solcher Situationen können die US-amerikanischen Einrichtungen ebenfalls untergraben, allerdings auf eine subtilere Art und Weise“, schreibt Reynolds. „Die Interessen der USA und anderer Länder können sich manchmal überschneiden, sind aber selten identisch. Bei Fragen der nationalen Sicherheit kann man nicht zwei Herren gleichzeitig dienen. Selbst nur eine schattenhafte Andeutung eines Interessenkonfliktes kann sich verheerend auswirken, wie die jüngste Geschichte der Trump-Administration zeigt.“

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    Tags:
    Spionage, NKWD, Ernest Hemingway, Jacob Golos, Sowjetunion