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    Die beste aller Welten (Still)

    „Die beste aller Welten“ – große Emotionen beim 39. Moskauer Filmfestival

    © Foto : RitzlFilm
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    Dem Salzburger Regisseur Adrian Goiginger ist mit seinem Spielfilmdebüt ein wahres Meisterwerk gelungen. Er erzählt die berührende Geschichte einer bedingungslosen Liebe zwischen Mutter und Sohn – trotz horrender Umstände. „Die beste aller Welten“ sorgte beim diesjährigen Moskauer Internationalen Filmfestivals wahrlich für Gänsehaut-Feeling.

    Der siebenjährige Adrian wächst am Rande der österreichischen Stadt Salzburg auf. Seine Mutter Helga Wachter sowie ihr Freund sind drogenabhängig, sein leiblicher Vater schon vor der Geburt gestorben. Wenn er groß ist, möchte Adrian unbedingt Abenteurer werden. Das lässt er sich von keinem ausreden.

    „Wenn du Abenteurer werden willst, dann wirst du Abenteurer. Wenn du des unbedingt werden wüst, donn konnst du des a weadn“, vergewissert Helga ihrem Sohn im Salzburger Dialekt.

    Auf eine gewisse Art könnte man von einer behüteten Kindheit sprechen: Der fantasiebegabte Siebenjährige weiß sich von seiner Mutter geliebt. Sie schafft ihm die beste aller Welten – zwischen Fürsorge und Drogenrausch. Das Jugendamt ist der Alleinerziehenden allerdings auf den Fersen. Helga ist sich bewusst, dass sie clean werden muss, um ihren Sohn nicht für immer zu verlieren. Doch dazu muss sie zuerst ihre eigenen Dämonen besiegen. Eine intensive Liebe steht vor einer noch intensiveren Prüfung.

    Wer bei dem Inhalt an ein ausgedachtes Drama denken mag, der irrt.

    Der tragische und emotional aufwühlende Film basiert auf den wahren Begebenheiten seines Regisseurs und Drehbuchautors Adrian Goiginger (26). Es ist seine persönliche Geschichte einer Heroin süchtigen Mutter, der abenteuerlichen Welt ihres Sohnes und ihrer bedingungslosen Liebe zueinander, die er auf berührende Weise inszeniert.

    Goiginger wollte darin den Tod seiner Mutter verarbeiten, die im Jahr 2012 an Krebs gestorben war. Der Film ist zugleich eine Liebeserklärung an sie und eine Art Dank für die Welt, die sie ihm geschaffen hatte. Der Wahnsinn der Umstände, unter denen Goiginger aufgewachsen war, soll ihm so nicht bewusst gewesen sein. Seine Kindheit schätzte er als glücklich ein – trotz aller widrigen Umstände.

    Österreichischer Produzent Wolfgang Ritzberger bei Pressekonferenz
    © Foto : Moskauer Internationales Filmfestival
    Österreichischer Produzent Wolfgang Ritzberger bei Pressekonferenz

    Das 39. Moskauer Internationale Filmfestival (MIFF) findet aktuell in der russischen Hauptstadt statt. „Die beste aller Welten“ wurde am vergangenen Wochenende zweimal gezeigt und lockte unzählige Besucher verschiedener Generationen an.

    Produzent Wolfgang Ritzberger sprach auf der MIFF-Pressekonferenz im Anschluss an ein Screening von dem „unfassbaren Talent“ Goigingers. Eingemischt habe er sich in dessen Arbeit kaum, sagte Ritzberger. Ein gewisses Vertrauen sei da gewesen; er habe einfach versucht, Goigingers Idee und Vision möglich zu machen. Das Besondere an dem Jungtalent sei, dass er um das Kopfkino des Publikums bemüht sei. Es sind ihm zufolge beispielsweise keine Spritzen-Ansammlungen oder Dergleichen notwendig, um zu verstehen, dass die Mutter abhängig ist. Ritzbergers Aufgabe sei eher gewesen, seinen Schützling Goiginger „nicht zu bremsen und ihm den Rücken freizuhalten“, betonte er.

    Gelungen ist ihm das allemal: Die Premiere der deutsch-österreichischen Koproduktion fand im Rahmen der 67. Berlinale im Februar statt, wo der Film mit dem Kompass-Perspektive-Preis ausgezeichnet wurde. Beim österreichischen Filmfestival Diagonale im April gewann er den Publikumspreis. Verena Altenberger wurde dabei zudem für ihre Rolle der Helga Wachter als beste Schauspielerin ausgezeichnet. Ob der Streifen am Moskauer Internationalen Filmfestival überzeugen kann, bleibt abzuwarten.

    Das Spielfilmdebüt von Adrian Goiginger ist eine Hommage an das Leben und die Liebe. Es ist ein Film, der wahrlich keinen kalt lässt. Dem Salzburger ist ganz großes Kino gelungen.

    Offizieller Kinostart ist am 8. September (Österreich) und 28. September (Deutschland).

    Barbara Benedik

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    Filmfestival, Salzburg, Österreich, Moskau, Russland