15:58 21 September 2020
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    Der schwimmende Saddam von Büdelsdorf: „Sicherlich eine Provokation“

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    Ein Flüchtlingsbetreuer sieht im Kunstwerk „Shark“, das die Kunstgalerie NordArt kurzfristig aus einer Ausstellung genommen hatte, eine Provokation. NordArt selbst hält den Grund für den Sinneswandel verdeckt. Offizielle Beschwerden hatte es laut Polizei nicht gegeben.

    In der Kunstgalerie NordArt in Büdelsdorf wird derzeit eine Vielzahl künstlerischer Werke ausgestellt. Aber eins davon ist nicht darunter: Es handelt sich um das Kunstwerk „Shark“ (deutsch: „Hai“) des tschechischen Künstler David Černý. Das Werk stellt den ehemaligen irakischen Präsidenten Saddam Hussein mit gebundenen Händen und einer Schlinge um den Kopf in einem Aquarium voll Formaldehyd dar. Ursprünglich sollte es ausgestellt werden, doch dann änderte sich der Plan plötzlich.

    Das tschechische Portal Echo24 führt als Grund dafür ein angrenzendes Flüchtlingslager an. Das provokative Kunstwerk könnte theoretisch beschädigt werden. Doch auf Sputnik-Anfrage nach dem Grund für diesen Rückzieher hält sich NordArt bedeckt: David Černý sei Fokus-Künstler des Jahres 2017 bei NordArt, er nehme eine prominente Stellung ein, und es würden viele Werke ausgestellt. Kurzum: Man will keinen Skandal um ein Werk, wo doch so viele andere großartige Kunstwerke bei der NordArt zu sehen sind.

    Peter Schwedt, der für die Flüchtlingsunterkünfte zuständig ist und regelmäßig mit Flüchtlingen Kontakt hat, sagt gegenüber Sputnik, es handle sich bei dem Werk „sicher um eine Provokation“, mit der der Künstler sicher gerechnet habe und mit der er gewiss etwas ausdrücken wolle.

    Dass das Werk hingegen Flüchtlinge in besonderem Ausmaß provozieren würde, glaubt Schwedt nicht. Wie bei jedem solchen Werk gäbe es zwei Lager: die einen, die sich provoziert fühlen und die anderen, die darin einen künstlerischen Ausdruck sehen. Nicht anders verhält es sich seiner Ansicht nach mit den Flüchtlingen.

    Ein Pressesprecher der Polizei Neumünster, die für Büdelsdorf zuständig ist, antwortet gegenüber Sputnik, ihm sei „nichts bekannt“, weder Beschwerden noch Vorfälle im Zusammenhang mit der Ausstellung von NordArt.

    Das wäre nun schon das dritte Mal, dass die Installation „Shark“ aus dem Jahr 2005 nicht ausgestellt wird: Zuvor war dem Künstler in Belgien und dann in Polen verweigert worden, sein Werk zu präsentieren. Bleibt nur die Frage, warum sich NordArt nicht vorher Gedanken darüber gemacht hat, was so ein Kunstwerk impliziert – dann hätte es auch keinen Rückzieher machen brauchen.

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    Tags:
    Flüchtlinge, Provokation, Ausstellung, Saddam Hussein, Deutschland