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09:42 22 September 2019
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    Veranstaltung auf der Doktor-Haass-Straße in Moskau

    Moskau Straße in „Doktor-Haass-Straße“ benannt

    © Sputnik / Natalja Pawlowa
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    In Moskau ist eine neue Straße aufgetaucht, die den Namen des deutschen Arztes Doktor Haass bekommen hat. Der „Heilige Doktor von Moskau“ betreute im 19. Jahrhundert Strafgefangene, gründete ein Krankenhaus und eine Schule für Kinder der Strafgefangenen. „Beeilt euch Gutes zu tun“ - war sein Motto.

    Das Straßenfest in der Deutschen Schule Moskau bei der Botschaft der Bundesrepublik in Russland hatte schon einige Stunden vor der feierlichen Zeremonie begonnen. Der Eintritt war frei, und hier versammelten sich bei schönem sonnigem Wetter Deutsche und Russen mit ihren Familien. Selbstverständlich wurden die Gäste von den Schülern der deutschen Schule empfangen.

    „Zum ersten Mal habe ich von Doktor Haass gehört, als ich in diese Schule gekommen bin“, sagt ein Mädchen. „Seine Persönlichkeit hat mich sehr fasziniert, nachdem ich mehr über diesen Arzt gehört hatte. Er hat arme Leute kostenlos geheilt, den Häftlingen geholfen, so viel Gutes gemacht und hat kein Dank dafür verlangt.“ 

    Veranstaltung auf der Doktor-Haass-Straße in Moskau
    © Sputnik / Natalja Pawlowa
    Veranstaltung auf der Doktor-Haass-Straße in Moskau
    Der große Humanist und Mediziner Dr. Friedrich Joseph Haass, nach dem die Straße nun benannt wurde, war als der „Heilige Doktor von Moskau“ bekannt. Als junger Arzt kam er Anfang des 19. Jahrhunderts nach Moskau. Sein selbstloser Einsatz für Strafgefangene begründete seine große Verehrung in Russland, er ist der einzige Deutsche, der hier als Heiliger verehrt wird. Über 25 Jahre lang betreute Fjodor Petrowitsch (so nannte man ihn in Moskau) Strafgefangene sozial und medizinisch. Dabei trat er praktisch für eine Humanisierung des Strafvollzugs ein. Für die Kinder der Gefangenen gründete er eine Schule. Leider ist Doktor Haasss in Deutschland wenig bekannt. Das bedauerte seinerzeit der russische Schriftsteller Lew Kopelew, der seine letzten Lebensjahre in München verbracht hat, wie auch der Direktor der deutschen Schule in Moskau, Uwe Beck.

    „Unsere Schule trägt den Namen Friedrich Joseph Haass, und ich muss zu meiner Schande gestehen, als ich hier nach Moskau kam, wusste ich gar nicht, wer das ist. Ich habe mich mit dem Namen und der Person auseinandergesetzt und bin umso mehr stolz darauf, in dieser Schule arbeiten zu dürfen.“ 

    1843 wurde ein Polizei-Häftlingskrankenhaus für Obdachlose (später „Alexander-Krankenhaus“) eröffnet, dass durch Haasss' komplettes Privatvermögen und private Spenden finanziert wurde. Die Wohltätigkeit war ein inneres Bedürfnis von Doktor Haass. Darum war die Inklusionskonferenz, die den Problemen der behinderten Menschen gewidmet war, ein wichtiger Teil der Festveranstaltung in der Moskauer Deutschen Schule. Wie der deutsche Botschafter in Russland, Rüdiger von Fritsch,  in der Konferenz betonte, ist der Fest dem Thema Inklusion gewidmet, um den Menschen, die es im Leben nicht besonders leicht haben, ihren Lebensweg zu erleichtern. Berlin, wo es viele Initiativen dazu gibt, und Moskau könnten dabei Erfahrungen austauschen.

    Das facettenreiche Programm der Veranstaltung war ein Gemeinschaftswerk von fast 50 Organisationspartnern: von offiziellen Stellen über Theater und zahlreiche NGO´s bis hin zu Wirtschaftsvertretern. Beim Straßenfest wurde alles so organisiert, dass die behinderten Menschen sich wohl fühlten. Auf dem Spielplatz tollten behinderte Kinder in Rollstühlen und gesunde Kinder zusammen herum. Musiker und Künstler unterhielten das Publikum, Kaffee und Kuchen sowie Bier und Wurst wurden angeboten. Es gab auch einen Flohmarkt.

    „Ich verkaufe hier Kinderbücher, Wintersachen, eine Spieluhr — das gehörte meinem Sohn, als er noch ganz klein war. Dieser Markt ist für einen guten Zweck organisiert — wir sammeln hier Geld für Vereine, die sich mit Behinderten befassen, “ sagte eine Frau.

    Bis zu seinem Lebensende lebte und arbeitete Dr. Haass in seinem vom Volksmund auch als „Haasssovka“ bezeichneten Krankenhaus. Zu seiner Beerdigung auf dem Moskauer Friedhof kamen 20.000 Menschen. Der Grabstein ist lateinisch beschriftet und trägt auf Russisch das Haass-Zitat: „Beeilt euch Gutes zu tun.“  Von nun an wird an den Heiligen Doktor auch eine Straße im Moskauer Stadtbezirk Troparjowo-Nikulino erinnern, die den Namen „Doktor Haass-Straße“ trägt.

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    Benennung, Straßen, Moskau, Russland