10:56 16 Dezember 2019
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    „Spacewalker“

    Roadmovies, Bolschoi und „weiße Nächte“ – die russische Filmwoche in Berlin

    © Foto : russische Filmwoche in Berlin
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    Am Montag (27. November) startet die Russische Filmwoche. Zehn völlig unterschiedliche Filme gibt es zu sehen. Alle zeigen die Vielfalt des russischen Kinos. Es geht um Helden und Antihelden des Alltags. Es gibt wenig Glanz und Glamour zu sehen, dafür reale Geschichten aus dem größten Land der Welt.

    „Ach, die Frage kommt jedes Jahr“, sagt Julia Kuniß. Sputnik will gleich zu Beginn von der künstlerischen Leiterin wissen, ob sie sich die gezeigten Werke der Filmwoche aussuchen durfte oder ob es politische Vorgaben gab.

    „Wir haben bis jetzt noch nie das Problem gehabt, dass wir einen Film zeigen wollten und Auflagen bekommen haben nach dem Motto: ‚Nein, das geht nicht‘! Wir sind frei in dem, was wir zeigen.“ Eher gebe es andere Aspekte, die die Programmauswahl beeinflussen. So bekäme man von den Verleihern nicht immer die Filme, die man zeigen wolle. „Dann muss man gucken, was dann ins Programm kommt.“

    Stichwort „Programm“:  Zehn Filme gibt es zu sehen. Hier gibt es einen kurzen Überblick.

    „Arrythmie“
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    „Arrythmie“

    „Arrythmie“ Der Notarzt Oleg rettet Menschen vor dem Tod, verliert aber dabei die Ehe mit seiner Frau Katja aus den Augen. Für Organisatorin Kuniß ist „Arrythmie“ der herausragende Film des Jahres. Der Film hat zahlreiche Preise gewonnen, unter anderem den russischen Publikumspreis und den für den besten männlichen Hauptdarsteller. Das Werk ist eine Koproduktion von Russland, Deutschland und Finnland.

    „Auf Umwegen ins Pflegeheim“
    © Foto : russische Filmwoche in Berlin
    „Auf Umwegen ins Pflegeheim“

    „Auf Umwegen ins Pflegeheim“ ist ein Roadmovie. Der 27-Jährige Vitja träumt von einem unbekümmerten Leben. Da taucht sein Vater auf, der jahrelang im Gefängnis saß. Er ist gelähmt. Sein Sohn will ihn im Pflegeheim unterbringen, um seine Ruhe zu haben. Der Film glänzt laut Kuniß durch schauspielerische Leistung, Sehnsucht, Drama und Absurdität.

    „Das Bolschoi“
    © Foto : russische Filmwoche in Berlin
    „Das Bolschoi“

    „Das Bolschoi“ ist das berühmteste Tanztheater der Welt. Der Film blickt hinter die Kulissen. Die junge Balletttänzerin Julka scheint trotz einzigartigen Talents angesichts der Härte der Ausbildung zu zerbrechen. Kuniß erzählte mit einem Schmunzeln, sie habe sich mit einem europäischen Verleiher über den Film unterhalten. „Das Thema Bolschoi ist super“, sagte der Mann, „aber es werde so wenig getanzt“. Auch dieser Film zeigt also eher das „wahre Leben“.

    „Charms“
    © Foto : russische Filmwoche in Berlin
    „Charms“

    „Charms“ erzählt die Geschichte eines Schriftstellers. Er hält sich für den Größten, findet aber keinen Verleger. Er liebt Frauen, sie verstehen ihn aber nicht. Er lebt zwischen Exzessen, kommt aber, da ist das Wort wieder, im „wahren Leben“ nicht zurecht.

    „Empty-Sella-Syndrom“
    © Foto : russische Filmwoche in Berlin
    „Empty-Sella-Syndrom“

    Ein bisschen wie Loriots „Papa ante Portas“ klingt der Film „Empty-Sella-Syndrom“. Ein erfolgreicher KGB-Agent geht in Rente. Aus Langeweile beobachtet er seine Umgebung. Ein Arzt diagnostiziert das „Empty-Sella-Syndrom“. Erst als der Ex-Spion neue Nachbarn bekommt, nimmt der Plot eine überraschende Wendung. „Der Film ist der Liebling der Kritiker und bestimmt kein Mainstream-Kino“, betont Kuniß. Ganz besonders lobt die Leiterin der Filmwoche die Musik des Films.

    „Los, trau Dich“
    © Foto : russische Filmwoche in Berlin
    „Los, trau Dich“

    Die Story von „Los, trau Dich“ klingt wie ein modernes Märchen:

    In einem Frauengefängnis hegt eine Wärterin eine geheime Leidenschaft: Das Singen. Es versüßt den tristen Knastalltag. Eines Tages filmt eine Insassin die Frau beim Singen und stellt das Video ins Internet. Das Video geht „durch die Decke“, und für die Frauen ändert sich mit einem Schlag das ganze Leben.

    „Das Netz“
    © Foto : russische Filmwoche in Berlin
    „Das Netz“

    Der Film „Das Netz“ hat für die künstlerische Leiterin Kuniß gleich zwei Besonderheiten. Zum einen spielt er in Nordrussland, zum anderen hat eine Frau Regie geführt. Auf der Suche nach einer Frau kommt ein junger Mann ans Weiße Meer. Laut Kuniß ist es ein stiller, tiefgehender Film, der durch seine Darsteller überzeugt und die Protagonisten in der kargen Landschaft mit den Sünden ihrer Vergangenheit konfrontiert.

    „Rock“
    © Foto : russische Filmwoche in Berlin
    „Rock“

    Etwas lebhafter geht es in „Rock“ zu. Drei junge Musiker brechen aus der Provinz auf, um in Moskau das große Glück zu suchen. Per Anhalter nähern sie sich ihrem Ziel. Dabei geraten sie in große Schwierigkeiten, die die drei Männer über sich hinauswachsen lassen.

    „Spacewalker“
    © Foto : russische Filmwoche in Berlin
    „Spacewalker“

    „Spacewalker“ ist ein echter Thriller und spielt, der Titel verspricht nicht zu viel, im All. Wir schreiben das Jahr 1956. Die USA und die Sowjetunion kämpfen verbissen darum, den ersten Menschen auf einen Spaziergang ins All zu schicken. Die UDSSR hat die Nase vorn, doch dann passiert etwas Unvorhergesehenes …

    „Weiße Nacht“
    © Foto : russische Filmwoche in Berlin
    „Weiße Nacht“

    „Weiße Nacht“ ist der einzige Schwarz-Weiß-Film im Programm. Er überträgt den Plot des gleichnamigen Romans von Dostojewski ins St. Petersburg von heute. „Das ist stilistisch so schön gemacht, der Film zelebriert St. Petersburg richtig“, schwärmt Kuniß. Die Stadt ist Kulisse der Liebesgeschichte zwischen zwei Männern und einer Frau. Ein oft erzähltes, aber zeitloses und aktuelles Drama zwischen Liebe und Hoffnung, Enttäuschung und Realität.

    Exotische Momente, aber der Zuschauer kann sich in jedem Film wiederfinden

    Sehr viel Drama, sehr viel Realität und bestimmt kein Popcorn-Kino – diesen Eindruck bekommt man beim Blick auf das Programm. Und er täuscht nicht. „Die Filme sind sehr vielfältig“, sagt die künstlerische Leiterin, und das mache den Reiz dieses Festivals aus. Sputnik will wissen, ob manche Werke in den Augen „normaler“ deutscher Kinobesucher exotisch rüberkommen. „Gegenfrage: Was ist denn normal?“ antwortet Kuniß lachend. „Sicher gibt es exotische Szenen, ohne Frage, das macht es ja auch interessant.“ Sie kommt noch einmal auf den Film „Arrythmie“ zu sprechen und nennt die internationale Koproduktion den herausragenden Film des Programms. Er zeige die Probleme zweier Menschen im Berufsalltag und in ihrer Beziehung. „Zum einen ist der Film eine präzise Momentaufnahme des Russlands von heute. Auf der anderen Seite könnte die Story aber überall spielen.“ Zum Schluss noch ein Tipp: „Man muss alles auf sich wirken lassen. Jeder findet das, was er nicht kennt, aber auch, was er kennt.“

    Das Programm der 13. Russischen Kinowoche richtet sich an alle Kinofans – russische und deutsche. Alle Filme werden im Original mit deutschen Untertiteln gezeigt, und zwar an zwei Orten: am frisch eröffneten Delphi Lux Kino am Zoo und im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur an der Friedrichstraße. In beiden Spielsälen ist die Technik auf dem neuesten Stand, betont Kuniß. Los geht es am Montag, den 27. November. Die Filme werden mehrfach gezeigt.

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    Kritiker, Filme, Kunst, Deutschland, Russland