14:06 24 April 2019
SNA Radio
    Maler über Maidan-Revolution

    Maidan und Schwarz-Rot-Gold: Österreichischer Maler über „Hinweise ans Publikum“

    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Kultur
    Zum Kurzlink
    12017

    Die tragischen Ereignisse in der Ukraine haben den österreichischen Maler Hans Sisa zu seinem expressionistischen Bild „Maidan“ inspiriert, in dem er seine Besorgnis über die Geschehnisse auf dem gleichnamigen Platz im Zentrum Kiews, den er selbst besucht hatte, zum Ausdruck gebracht hat.

    Der Platz sei geschichtsträchtig, sagte er im Interview mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin. „Ich habe mit vielen Freunden dort darüber gesprochen. Das hat mich so erschüttert, weil es ein wunderbares Land ist. Es sind wunderbare Menschen, es ist eine wunderbare Kultur, die von uns Menschen so vernichtet wird. Das hat mich inspiriert, auch hier bei uns in Österreich den Leuten zu zeigen: Macht das nicht, lasst euch nicht von Ost, von West oder sonst wie beeinflussen, bleibt Menschen, einfach Menschen.“

    Im Mittelpunkt des Bildes ist eine Anspielung auf die Sophienkathedrale in Kiew zu erkennen. Ob der Gottesglaube die Menschen retten kann? Eher nicht, ist sich der Künstler sicher. „Das ist nur eine hoffnungsvolle Vision. Man will dem Menschen eine Basis geben, dafür sind Religionen da, um Hoffnung zu geben und zu sagen, wir können es verbessern und gut zusammen sozial leben, wenn wir daran glauben. Aber leider passiert es nicht.“

    Revolution der Würde

    Hans Sisa ist der Urheber zahlreicher Bilder, die sich mit der Macht auseinandersetzen, den Machthabern, mit dem Spiel der Mächtigen.

    „Und ich weise darauf mit dem Tod hin, dem Mächtigsten auf dieser Erde. Aber es gibt nur einen Einzigen, und vielleicht ist das Gott, der dann Frieden holt.“

    ukrainischer Verletzter während der Schlachten (Archiv)
    © Sputnik / Andrej Stenin
    Am unteren Ende seines Gemäldes „Maidan“ hat der Maler den Heiligen Geist dargestellt, „den man pflegen sollte, denn er ist auch verloren gegangen. Es gibt Christus nicht, er hat kein Gesicht mehr, er wäre Mensch, und der Mensch ist auch verloren gegangen.“

    Weiter sind einige Augenblicke, Skizzen dieser Revolution zu sehen, die am Anfang eine Revolution der Würde war und dann über 10.000 Menschenleben forderte.

    „Man skizziert das. Im Kopf, in Gedanken, jetzt auf dem Bild. Deshalb bleibt das ganze Bild skizzenhaft“, so der Künstler, „weil es weiter geht, und es wird weitergehen. Wenn es vollendet ist, das ist keine Revolution, wenn Frieden würde einkehren, eine schöne Demokratie, dass wir miteinander wunderbar leben könnten und uns austauschen auf dieser Welt. Wir könnten so viel voneinander lernen.“

    Hans Sisa (L) im Gespräch mit Nikolaj Jolkin
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Hans Sisa (L) im Gespräch mit Nikolaj Jolkin

    Sisa bedauert: „Das wird aber nicht sein, und ich werde das nicht erleben. Meine Aufgabe ist, Hinweise an das Publikum zu geben und zu zeigen, damit die Menschen in zwei Minuten, wenn sie ein Bild betrachten, sich damit auseinandersetzen und sagen:,Na ja‘. Und dann schon gehen sie in den Sog unserer Kultur.“

    „Grabe niemals im Wald“

    Maler über Maidan-Revolution
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Maler über Maidan-Revolution

    Eine weitere Folge von Skizzen kommentierte der Maler mit den Worten „Grabe niemals im Wald“:

    „Weil dann wirst du so etwas finden: Die Menschen, die dort illegal vergraben wurden, ausgesondert, weggebracht, getötet. Das ist meine weitere Aufgabe für eine Ausstellung, ein Museum, diesen Wald im Gegensatz zu dem guten Wald, dem Heilswald, zu zeigen.“

    Er fuhr fort: „Wir haben hier Schwarz-Rot-Gold – die deutsche Flagge. Das ist das Abendrot. Und so muss man das sehen. Man muss wieder darauf aufpassen, es kommt wieder was, und darauf achten. Die jungen Leute checken das nicht, aber sie fragen nach. Junge Männer, Frauen, Mädchen, mit 17–18. Sie sind sehr interessiert. Unsere Generation hat kein Interesse mehr für irgendetwas – dies hatten wir schon. Aber die Fragen: Warum? Wieso? Was macht man da? Passt auf, seid wachsam, geht mit unserer Würde nicht so lose um, wie dies dazumal passiert ist.“

    In Österreich mehr noch als in Deutschland

    Auch in Österreich sei dies wichtig, wenn nicht sogar mehr als in Deutschland. Hans Sisa erörtert:

    „Im Hintergrund. Das liegt sehr ruhig und sehr freundlich nach unten gehalten. Aber das läuft weiter. Da gibt es viele Sachen.“

    Maler über Maidan-Revolution
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Maler über Maidan-Revolution

    Ein weiteres Bild kommentiert er wie folgt: „Ein Halbstiefel tritt meinen Kopf. Immer wieder tritt eine Diktatur auf meinen Kopf. Macht tritt immer in einen Kopf hinein. Und du wirst sterben, hast keine Chancen auszukommen. Das sieht man im Ausdruck von dieser Figur.“

    Das komplette Interview mit Hans Sisa zum Nachhören:

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Ukrainer sehnen sich nach ihrem „Macron“ und wollen keinen neuen Maidan
    Stammen Maidan-Sniper aus Georgien? – Italienischer Journalist liefert Beweise
    Maidan kriegt Angst vor Maidan 2.0
    Maidan-Profi: So viel bekommen Protestierende in Kiew - Medien
    Tags:
    Maler, Meinung, Revolution, Interview, Maidan, Sputnik, Nikolaj Jolkin, Österreich, Russland, Ukraine