20:41 20 Februar 2018
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    Historisches Museum in Moskau zeigt erstmals alte Manuskripte

    © Sputnik/ Natalja Pawlowa
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    Natalia Pawlowa
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    Die zwölf ältesten Manuskripte aus den Archiven des Staatlichen Historischen Museums (GIM) sind jetzt dem breiten Publikum vorgestellt worden. Es handelt sich um einzigartige Denkmäler der Weltkultur, viele galten bislang als verloren. Die Raritäten wurden mit modernen Technologien gerettet, die bei der Erforschung des Weltraums verwendet werden.

    Die Abteilung für Manuskripte des Historischen Museums enthält eine Sammlung von 31.000 Schriftdenkmälern – von Rindenbriefen aus Nowgorod bis zu Schriftsätzen hochrangiger Kirchenbeamter des 17. Jahrhunderts. Im Festsaal des Museums konnte man zwölf alte Manuskripte sehen, darunter sind der Chludow-Psalter, eine byzantinische Handschrift aus der Mitte des 9. Jahrhunderts, die Bibel von Francisk Skorina aus dem 16. Jahrhundert und das Buch „Apostel“  des ersten russischen Druckers Iwan Fjodorow aus dem 16. Jahrhundert, das Zar Iwan der Schreckliche mit seinem Porträt auf dem Ledereinband als Geschenk bekommen hatte.

    Apostel. Moskau, 1564, Drucker Ivan Fjodorow
    © Sputnik/ Natalja Pawlowa
    Apostel. Moskau, 1564, Drucker Ivan Fjodorow

    Dieses im Laufe der Zeit verblasste Porträt wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Weltraumforschung wiederhergestellt. Der Hauptexperte des Instituts, Alexander Andrejew, befasst sich mit der Fernerkundung der Erde in der Nachtzeit, erklärte er auf einer Pressekonferenz.

    „Im Gegensatz zur Tageszeit, wenn nur sichtbare Satellitenaufnahmen möglich sind, ist die Nachtzeit viel interessanter. Man kann verschiedene Bereiche sehen. Die Fähigkeit, den Infrarotbereich zu verarbeiten, kann etwa bei der Wiederherstellung von verblassten Bildern helfen. Bei der Wiederherstellung des „Apostels“ wurden Multispektralaufnahmen verwendet. Mit Hilfe von Computer-Algorithmen, die in der Astrophysik und Multispektralerkundung der Erde aus dem Weltraum eingesetzt werden, wurde auch ein Fragment der ältesten liturgischen Sammlung – des Chludow-Palimpsestes (Manuskriptrolle auf Pergament) – aus dem 11. Jahrhundert wiederhergestellt.“

    Die Abteilung für Manuskripte verfügt über eine moderne Speicheranlage. Mit Hilfe von kontaktfreien Scannern werden alle Manuskripte vollständig digitalisiert, der elektronische Katalog wird ständig mit neuen Bildern und Informationen aktualisiert. Hier werden Faksimileausgaben von Manuskripten produziert. Die Manuskriptabteilung nehme an großen internationalen Projekten teil, sagte Jelena Uchanowa, Expertin für Wasserzeichen, im Sputnik-Interview.

    „Die Initiative kam von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Ende der 90er Jahre bat Klosterneuburg, eines der größten österreichischen Klöster, die Akademie der Wissenschaften um Hilfe bei der Inventarisierung der Sammlungen. Der erstellten Forschergruppe war klar, dass es notwendig war, die Wasserzeichen zu fixieren. Zuvor wurden sie abgepaust, wobei die Details verloren gingen. Unsere Abteilung hat eine neue Methode erfunden – mit Verwendung einer dünnen beleuchteten Lichtwellenleiterplatte. Wenn wir sie unter das Manuskript legen, können wir das Wasserzeichen mit einer Digitalkamera aufnehmen.“

    Wasserzeichen sind entweder Markierungen für die Fabrik oder für die Qualität von Papier. Forscher haben festgestellt, dass die Entwicklung von Wasserzeichen (zum Beispiel der Kopf eines Bullen oder ein Anker) sehr bedeutsam ist. Mithilfe von Berechnungen kann man das Ursprungsdatum des Papiers festlegen.

    „Wir sammeln diese Wasserzeichen in einer riesigen Datenbank. Denn wir können den restlichen Bestand, der nicht erforscht und nicht datiert ist, anhand von Wasserzeichen mit dem bereits datierten Bestand vergleichen und damit die Zeit ihrer Entstehung bestimmen. Wir haben inzwischen so viele Wasserzeichen gesammelt, dass wir ein Papierartefakt mit einer Genauigkeit von zehn Jahren datieren können“, so die Museumsmitarbeiterin.

    Palimpsest im Tageslicht
    © Foto: IGM
    Palimpsest im Tageslicht

    Die allrussische Datenbank der Handschriftenabteilung ist heute Teil des internationalen Projekts „Bernstein – das Gedächtnis der Papiere“.  Das ist ein Suchportal für online-Datenbanken und Informationen über Papier und Wasserzeichen. Es enthält etwa 250.000 Wasserzeichen aus den Datenbanken von Österreich, Holland, Deutschland, Spanien, Italien, den USA, der Schweiz, Luxemburg und anderen Ländern. Die internationale Zusammenarbeit sei dabei sehr wichtig, betont Jelena Uchanowa.

    „Papier ist international. Es wanderte auf eine uns noch unbekannte Weise durch Europa, wurde in einheitlichen Zentren produziert und dann ziemlich weit weg gebracht. Im Einzelnen wird ein Land über nur eine kleine Anzahl von Wasserzeichen verfügen. Andere Länder helfen uns, wir helfen ihnen. Indem wir gemeinsam eine riesige Datenbank einrichten, erweitern wir unsere Möglichkeiten.“

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    Tags:
    Erbe, Mittelalter, Bibel, Geschichte, Manuskript, Museum, Spanien, Deutschland, Österreich, Russland
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