13:46 19 September 2018
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    Polina Semionova im Staatsballett Berlin Romeo und Julia

    „Russische Saisons“ in Deutschland: Moskau rüstet zur neuen Charme-Offensive

    © Foto : Fernando Marcos
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    Andrej Iwanowski
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    Julia liebt und stirbt hinreißend schön. Polina Semionova, Gastsolistin beim Staatsballett und Berlins Publikumsliebling, brilliert in der Titelrolle von Sergej Prokofiews unsterblichem Ballettstück, mit dem die Staatsoper Ende April ihr Ballett-Repertoire nach der Wiedereröffnung der Hauptbühne Unter den Linden eingeleitet hat.

    Nicht allzu stark übertrieben wäre die Behauptung, die 33-jährige Russin habe mit ihren Hauptpartien in den Berliner Produktionen von „Schwanensee“, „Don Quixote“ und „Giselle“ maßgeblich dazu beigetragen, dass die Berliner Ballettomanen in den letzten eher recht mageren Zeiten doch noch auf ihre Kosten kamen – insbesondere nachdem der andere russische Liebling, Vladimir Malakhov, 2016 der Berliner Metropole den Rücken gekehrt hatte.

    Polina Semionova in Giselle
    © Foto : Yan Revazov
    Polina Semionova in "Giselle"

    Als ein spezielles Dankeschön des Theaters an die Ballerina war wohl das Ballett-Programm „Polina and Friends“ zu verstehen, zu dem Semionova am 17. Mai namhafte Stars aus aller Welt nach Berlin eingeladen hat.

    Ein weiteres russisches Großkaliber fährt die Berliner Staatsoper bereits im Juni auf: Mega-Star Anna Netrebko singt an der Seite von Placido Domingo in Verdis „Macbeth“. Alle Vorstellungen dieser Saison sind selbstverständlich ausverkauft.

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    Auch in der Komischen Oper Berlin – wenige hundert Meter von der Staatsoper entfernt – ist die „russische Präsenz“ überaus spürbar: kürzlich wurde Tschaikowskys Evergreen „Jewgeni Onegin“ mit großem Erfolg wieder aufgenommen, genauso wie Rossinis „Il barbiere di  Sivigilia“ in der witzigen Regie des Russen Kirill Serebrennikow.

    Jewgeni Onegin
    © Foto : Iko Freese/drama-berlin.de
    Jewgeni Onegin

    Weitere russische Klassik-Stars, etwa die Dirigenten Michail Pletnjow und Valeri Gergiev oder die Klaviervirtuosen Denis Mazujew und Jewgeni Kissin, um nur einige zu nennen, gastieren regelmäßig in der Berliner Philharmonie. Der Russe Kirill Petrenko übernimmt demnächst den Pult des Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker.

    Valeri Gergiev (Archiv)
    © Sputnik / Alexander Galperin
    Valeri Gergiev (Archiv)

    All diese Routine-Events scheinen allerdings bloß eine Art  „Warm-Up“ zu einer echten „Charme-Offensive“ gewesen zu sein, die Russland für 2019 plant — die „Russischen Saisons“. Das gigantische Kunstprogramm ist nach dem berühmten gleichnamigen Projekt des russischen Produzenten Sergej Djagilew genannt, mit dem er der russischen Kunst vor 100 Jahren zum Durchbruch nach Europa verhalf. (Der Platz hinter der Pariser Grand Opera heißt nämlich auch heute „Diaghilev place“).

    Die „Russischen Saisons“ wurden 2017 wieder ins Leben gerufen. Als „Testgelände“ diente zunächst Japan, wo 3,5 Millionen Zuschauer Programme des Festivals in 42 Städten besuchten. 2018 ist Italien an der Reihe: über 300 Veranstaltungen in 74 Städten – Sinfonie-Konzerte, Theater- und Ballett-Vorstellungen sowie zahlreiche Kunstausstellungen.

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    Eigentlich waren die „Russischen Saisons“ 2019 für die USA eingeplant gewesen, die Bundesrepublik war erst 2020 dran. Aus verständlichen politischen Gründen wurde aber Deutschland vorverschoben, wogegen die deutsche Seite anscheinend keine Einwände hat – wobei so manche deutsche Medien das Projekt womöglich als Bestandteil des „gegen den Westen betriebenen hybriden Krieges“ attestieren mögen.

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    Tags:
    Vorstellungen, Theater, Ballett, Partnerschaft, Deutschland, Russland