21:28 25 Juni 2018
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    Fäkalhumor auf Klassisch: Mozarts „Scheishäusel“-Brief für Riesensumme gekauft

    Fäkalhumor auf Klassisch: Mozarts „Scheishäusel“-Brief für Riesensumme gekauft

    © Foto : ISM/ Martin Hörmandinger
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    Valentin Raskatov
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    Ein Brief Mozarts mit der Ortsangabe „Scheishäusel“ ist in den Besitz des Mozarteums übergegangen. Dieser Brief ist typisch humorvoll verfasst. Das eigentlich Interessante für die Forschung sind aber die Beschäftigungen, denen Mozart zu der Zeit nachging, allen voran mit der Kirchenmusik.

    Mozart hat nicht nur einzigartige Opern, Symphonien und andere Musikformen komponiert. Er hatte auch Sinn für Humor. Und nicht nur für Humor ganz allgemein, sondern ganz konkret auch für Fäkalhumor. Das beweist ein Brief, den die Internationale Stiftung Mozarteum (ISM) aus Salzburg am Dienstag für einen sechsstelligen Betrag gekauft hat. Dieser Brief Mozarts endet nämlich mit der Ortsangabe „Scheishäusel“ und der Bemerkung „Scheisdreck“.

    „Ein typisch mozartscher Scherz“

    „Den Brief als ‚Scheishäusel-Brief‘ zu bezeichnen, ist nicht unsere Idee. Aber sie ist dadurch entstanden, dass der Brief datiert ist auf dem ‚Scheishäusel‘“, erklärt Armin Brinzing, Leiter der Bibliotheca Mozartiana an der Internationalen Stiftung Mozarteum, in deren Besitz sich das humorvolle Dokument des großen Klassikers befindet. Der Brief selbst ist für Brinzing „einer dieser typischen mozartschen Scherze“.

    Der Brief sieht folgendermaßen aus:

    liebster Stoll!/ bester knoll!/ grösster Schroll!/ bist Sternvoll! –/ gelt, das Moll/ thut dir Wohl? –

    Ich habe eine bitte an Sie, und die ist, Sie möchten die güte haben mir gleich mit dem ersten Wagen morgen die Messe von mir ex B, welche wir verflossenen Sonntag gemacht haben, sammt dem Graduale ex B vom Michael Haydn Pax vobis – so wir auch gemacht haben, herein schicken – versteht sich, nicht die Partitur, sondern die Stimmen – weil ich gebeten worden bin in einer kirche eine Messe zu dirigiren; – glauben sie nur nicht daß es so eine Ausflucht seye die Messe wieder zu haben – wenn ich sie nicht gerne in ihren Händen wüsste, würde ich sie ihnen nie gegeben haben. – im gegentheile mache ich mir ein vergnügen, wenn ich ihnen eine Gefälligkeit erweisen kann. – ich verlasse mich ganz auf Sie, denn ich habe mein Wort gegeben.

    Wienn den 12t: Jull. [1]791. Mozart

    Seite 2 (mit verstellter Handschrift)

    Bester Herr v Schroll!

    Setzen Sie uns nicht an sonst sitzen wir in dreck: meine herzlich zärtliche Handschrift giebt Zeuge ab, der Wahrheit, was Sie Hr: v Mozart ersuchte, folglich – die Meß und das graduale v Mich Haydn oder keine Nachricht von seiner opera. Wir werden Ihnen selbes alsogleich zurücksenden. Apropo erweisen Sie mir eine gefalligkeit meiner lieben Theres einen Handkuß auszurichten, wo nicht – ewige Feindschaft – davon muß Ihre Handschrift Zeuge sein, so wie die meinige gegenwärtig. Alsdann sollen Sie richtig die Michl Haydnsche Meß bekommen, um welche ich meinem Vater schon geschrieben habe. Also ein Mann hält sein Wort!

    Ich bin Ihr

    ächter Freund

    Scheishäusel den 12 Juli

    Franz Siessmayer

    Scheisdreck.

    • Die Vorderseite des Briefs
      Die Vorderseite des Briefs
      © Foto : ISM/ Martin Hörmandinger
    • Die Rückseite des Briefs
      Die Rückseite des Briefs
      © Foto : ISM/ Martin Hörmandinger
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    © Foto : ISM/ Martin Hörmandinger
    Die Vorderseite des Briefs

    Dieser Brief sei „ein typischer Mozart“, so Brinzing. „Es geht eigentlich um eine ganz banale Sache, er sagt nämlich nur: Schick mir doch bitte die Noten zu zwei Stücken, die wir gemeinsam in der Kirche aufgeführt haben. Aber Mozart gibt sich unheimliche Mühe, da herum ein Geflecht von Scherzen und ironischen Anspielungen zu machen.“

    Das Gedicht, mit dem der Brief anhebt, bezeichnet den Musikerkollegen Stoll als Knoll und Schroll, was so viel bedeutet wie einen dicken unkultivierten Menschen, der obendrein „sternvoll“, also stark betrunken ist. „Die Krone setzt er der ganzen Sache auf, wenn er auf der zweiten Seite einen Brief eines Schülers, Franz Süßmayr fälscht“, fügt der Leiter der Bibliothek hinzu. Mozart unterschreibt denn auch für den Freund als Franz Süßmayr „Scheisdreck“, datiert den Brief und gibt als Ort das „Scheishäusel“ an.

    Die ersten beiden Sätze aus Mozarts Requiem:

    Über Süßmayr, der das berühmte Requiem von Mozart nach dessen Tod instrumentierte und um fehlende Teile ergänzte, habe sich Mozart „immer wieder in seinen Briefen lustig gemacht“. Dieser war damals wahrscheinlich Schüler und sicher Assistent von Mozart. Er unterstützte den Klassiker während der Arbeit an der Oper „Die Zauberflöte“ als Kopist.

    Auch Mozarts Mutter mochte Fäkalhumor

    Dieser Brief sei von der Fäkalsprache her besehen keine Einzigartigkeit, bemerkt Brinzing: „In vielen Briefen aus früheren Jahren findet sich so etwas. Vor allem in Briefen an die Schwester gibt es viel Fäkalhumor.“

    Diese Briefe seien schließlich nicht für die Öffentlichkeit, sondern für Familie und Freunde bestimmt gewesen. Und Mozart wäre in seinem Sprachgebrauch kein Einzelfall. „Wenn man zum Beispiel den Briefwechsel der Mozartfamilie liest, dann merkt man, dass solcher Fäkalhumor durchaus auch bei der Mutter vorkommt, wenn sie etwa an ihren Mann schreibt. Diese Art Humor ist gar nicht so ungewöhnlich in dieser Zeit“, hebt Brenzing hervor.

    Mozart und die Kirchenmusik

    Weit interessanter als die Fäkalsprache sind für die Wissenschaftler Details zu Mozarts Beschäftigung aus der Zeit, namentlich mit der Kirchenmusik. Der Brief ist kein halbes Jahr vor Mozarts Tod im Sommer 1791 verfasst und zeigt, dass Mozart sich in Richtung Kirchenmusik orientieren wollte, für die er heute nicht unbedingt berühmt ist.

    Das “Ave verum Corpus” Mozarts

    „Wir wissen, dass er in dieser Zeit die Aussicht hatte, Domkapellmeister am Stephansdom in Wien zu werden“, bemerkt Brinzing. Deswegen habe er sich verstärkt mit Kirchenmusik etwa von Michael Haydn, dem Bruder des Komponisten Joseph Haydn, beschäftigt und hier vor allem für die Gattung der Graduale interessiert.

    „Schade, dass man nur auf so etwas guckt“

    „Ich war erstaunt, dass es innerhalb von Stunden alle möglichen Meldungen in verschiedensten Medien gab“, sagt Brenzing. Einerseits sei das zwar erfreulich. „Auf der anderen Seite ist es natürlich ein bisschen schade, wenn alle immer nur auf solche Dinge gucken.“ Der Fäkalhumor sei eben nur ein Aspekt.

    Das Interview mit Dr. Armin Brinzing in voller Länge:

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    Tags:
    Klassiker, Musik, Wolfgang Amadeus Mozart, Salzburg, Österreich
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