10:08 22 Januar 2019
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    Russisch-Deutsche Kulturdiplomatie – „Russian Seasons 2019“ in Deutschland eröffnet

    © Sputnik / Wladimir Wiatkin
    Kultur
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    Andreas Peter
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    Am Montag hat das bislang größte Festival für russische Kultur und Kunst in Deutschland mit einem Festkonzert in Berlin begonnen. Die „Russian Seasons“ werden bis Ende des Jahres in 77 deutschen Städten mit über 450 Veranstaltungen einen hierzulande bislang einzigartigen Einblick in die ganze Palette russischer Gegenwartskultur ermöglichen.

    Seit 2017 Kulturfestival „Russian Seasons“, zu Deutsch „Russische Spielzeiten veranstaltet. Ein Jahr lang wird in einem Gastland die ganze Bandbreite des aktuellen russischen Kunst- und Kulturbetriebes vorstellt. Nach Japan und Italien ist in diesem Jahr Deutschland Gastgeber.

    453 Veranstaltungen, in 77 Städten, das ist das Programm bis Ende des Jahres. Vorgestellt in Berlin unter anderen von der stellvertretenden russischen Ministerpräsidentin, Olga Golodets. Sie knüpft große Erwartungen an die bislang umfangreichste Präsentation russischer Kultur und Kunst in Deutschland: 

    „Solche Events bereichern meines Erachtens das Kulturleben sowohl Russlands als auch Deutschlands sehr stark. Und wenn es um derart traditionsreiche Kulturen geht wie die russische und die deutsche, wird dies im Ergebnis neue Meisterwerke bringen sowie zur Einbeziehung von Jugendlichen in neue Kulturbereiche beitragen. Zusammen mit unseren deutschen Kollegen werden wir alles unternehmen, damit die Kultur wirklich zur gegenseitigen Verständigung sowie dazu verhilft, uns der Werte bewusst zu werden, die wir in diesem riesigen humanitären Bereich besitzen.“

    Mit 120 Millionen Rubeln, umgerechnet mehr als 1,5 Millionen Euro finanziert der russische Staat das Festival „Russian Season“. Erhebliche Mittel stellen auch viele russische und deutsche Institutionen und Unternehmen zur Verfügung. Doch nicht nur finanziell wird dieses bisher größten russischen Kulturereignisses auf deutschem Boden unterstützt. Der international bekannte Cellist, Wolfgang Emanuel Schmidt, der sich seine Weltkarriere ohne die Inspiration russischer Legenden seines Faches wie Mstislaw Rostropowitsch gar nicht vorstellen kann, ist sich des Erfolges des Festivals sicher: 

    „Ich glaube, das deutsche Publikum wird die grandiosen russischen Künstler lieben. Das ist hervorragende Musik, tolle Künstler aus ganz verschiedenen Bereichen. Und das ist natürlich eine fantastische Gelegenheit diese Künstler sozusagen vor Ort präsentiert zu bekommen. Insofern ich bin mir sicher, das wird ein grandioser Erfolg dieses Festival.“ 

    Dazu beitragen werden die Leuchttürme der russischen Kulturszene. Zu ihnen gehört ganz ohne Zweifel der Dirigent Valery Gergiev, eine lebende Legende im russischen Kulturbetrieb, aber nicht nur dort. Der Chef so berühmter Orchester wie des St. Petersburger Mariinski-Theaters oder der Münchener Philharmonie eröffnete den Reigen der „Russian Seasons“ in Deutschland mit einer konzertanten Aufführung der Tschaikowski-Oper „Jolanthe“ in der Berliner Philharmonie, mit seinem Hausorchester vom Mariinski. 

    Gergiev weiß, dass gerade ihm als wohl bekanntesten lebenden russischen Künstler eine Art Botschafterfunktion beigemessen wird. Erst recht, weil er nie einen Hehl aus seiner Freundschaft zum russischen Präsidenten Wladimir Putin gemacht hat. Natürlich kann er entsprechenden Fragen auch in Berlin nicht ausweichen. Er verweist allerdings auf die beiden vorangegangenen Auflagen von „Russian Seasons“. Auch in Japan und Italien wurde versucht, das Festival mit Politik zu überfrachten. Das Publikum aber habe nicht mitgespielt, erinnerte sich Gergiev an seine Auftritte bei den „Russian Seasons“ im vergangenen Jahr in Italien: 

    „Alle sechs Konzerte wurden überaus gut besucht, natürlich war auch die Presse dabei. Bei allen ist der Eindruck entstanden, ein großes Musikfest habe begonnen. Ich hoffe stark, dass heute in Berlin das gleiche geschieht. Niemand wird heute an Politik denken oder an andere Dinge, die nicht mit Tschaikowski verbunden wären. Weil die Musik die Menschen packen wird – wir sind nämlich gerade zu diesem Zweck hierhergekommen. Wir wollen bloß unsere Sache machen, das ist alles."

    Das sieht Yewgeniy Nikitin ähnlich. Der Bassbariton war Ensemblemitglied der Eröffnungsgala in der Berliner Philharmonie. Nikitin sieht die große Chance des Festivals vor allem in der Gelegenheit, Klischees über russische Aufführungspraxis von Musikklassikern zu brechen. Das wollte er auch mit seiner Teilnahme an „Jolanthe“ erreichen: 

    „Dies wird eine halb-konzertante Aufführung sein. Die Sänger werden also nicht bloß in Reih und Glied stehen und etwas vorsingen, dies wird schon eine Art Schauspiel sein, aber auch eine Improvisation, was an und für sich spannend ist, weil derartige Auftritte immer einmalig sind, keine ihresgleichen haben. Jeder Sänger und jede Sängerin wird sich ausschließlich auf ihre Erfahrungen in der jeweiligen Rolle stützen, wobei wir in dieser Zusammensetzung auch noch niemals aufgetreten sind. Das macht die eigentliche Spannung dieses Auftritts aus.“ 

    Spannung versprechen auch die vielen anderen in diesem Jahr geplanten Programmpunkte der „Russian Seasons 2019 in Deutschland“. Neben den renommiertesten Musik- und Sprechtheatern Russlands werden auch Museen wie die Tretjakow-Galerie und viele andere erstrangige Institutionen verschiedenste Veranstaltungen anbieten, die, so hoffen die Organisatoren, genauso Publikumsmagneten sein werden wie die „Seasons“ in Japan und Italien. Die Auftaktveranstaltung in Berlin begann jedenfalls schon mit verheißungsvoll großem Publikumsinteresse.

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    Tags:
    Kulturaustausch, Konzert, Orchester, Ballett, Kultur, Oper, Musik, Russian Seasons 2019, Mariinsky Theater, Waleri Gergijew, Valeri Gergiev, Olga Golodez, Berlin, St. Petersburg, Deutschland, Russland