05:38 10 April 2020
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    „Zoo Moskwa“ sorgt tierisch für Furore: Zeitgeist schlägt „sozialistischen Realismus“

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    Der „me Collectors Room“ der Stiftung Olbricht zeigt in Berlin derzeit große Kunst für kleine Kinder. Sie präsentiert die Kollektion sowjetischen Spielzeugs der Sammlung Köpcke & Weinhold. Es sind Stücke der damaligen Design-Avantgarde aus den Jahren 1950-1980. Sie zeigen, wie der Zeitgeist sich gegen den „sozialistischen Realismus“ behauptete.

    In Berlin-Mitte sind die russischen Bären los! Und nicht nur die: Auch die Trickfilmfiguren ‚Hase und Wolf‘ und Krokodil ‚Gena‘ geben sich nebst der Märchengestalt des ‚Buckligen Pferdchens‘ ein Stelldichein. Im „me Collectors Room“ der Stiftung Olbricht in der Auguststrasse schlägt jetzt das Herz für bunte Tiere:

    Pressesprecherin „me Collectors Room“: “In der Ausstellung Zoo Moskwa – Spielzeugtiere aus der Sowjetunion sind 200 Objekte aus der umfangreichen Sammlung Köpcke und Weinhold zu sehen, sie umfasst ca. 400 Objekte. Das hier sind die ältesten Werke der Ausstellung. Sie stammen von den 1940er Jahren von Boris Worobjew, sie sind noch sehr naturalistisch dargestellt, während andere Künstler und Designer dann auch viel abstrakter geworden sind in ihren Spielfiguren.“

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    Die Spielzeugindustrie bot Absolventen der sowjetischen Kunsthochschulen gestalterisch Gelegenheit, eigene neue Formensprachen zu entwickeln.

    Pressesprecherin „me Collectors Room“: “Hier, was man zum Beispiel an der Giraffe sehr gut sehen kann, dass die Werke, die Spielzeugtiere, viel abstrakter im späteren Verlauf in den 50-er bis 70-er Jahren dargestellt wurden.“

    Noch im Zarenreich importierten Eliten Spielwaren aus Frankreich oder Deutschland, es gab keine eigene Produktion und russisches Spielzeug selbst wurde in traditioneller Volkskunst gefertigt.

    Austellungsbesucherin: “ Wir haben es uns jetzt eher vorgestellt auch, dass Spielzeug damals vielleicht auch aus Holz hergestellt wurde und wenn man sich das hier anguckt, sieht man nochmal einen ganz anderen Spielraum.“

    Die vom kultivierten Gestaltungswillen getragenen Auftragsarbeiten für die breite Masse wurden Skulpturen aus Zelluloid, Polyethylen und  Gummi. Richtige Kunst für Klein und Groß.

    Pressesprecherin „me Collectors Room“: “Die beiden Sammler Köpcke und Weinhold haben vor ca. 6 Jahren dieses Sammlungsgebiet für sich entdeckt und sind im Anschluss auch öfter nach Russland gereist, um die ehemaligen Designer, die noch leben oder deren Nachfahren selbst, zu treffen und weitere Informationen über die Objekte herauszufinden. Hier zum Beispiel ist Adolf Nystat vom ‚Buckligen Pferdchen‘, den sie zu Hause besucht hatten.“

    Die Künstler wagten den Aufbruch in die Moderne, waren Avantgarde, hierzulande unbekannt, doch interessant:

    Ausstellungsbesucherin: “Es ist mal ein anderes Thema, was man sonst nicht so in Ausstellungen sieht und auch ein ganz anderer Blick auf Kinderspielzeug, weil eher so designlastig ist, quietschig, dieses Aufgeblähte, Rote und Knallige.“

    Austellungsbesucherin: “ Wenn man es jetzt auch gerade im Hinblick  auf die Sowjetunion betrachtet, sieht man Vieles, was man vielleicht früher auch aus dem kennt was sich in der DDR  entwickelt hat, der ‚Sandmann‘ zum Beispiel als Fernsehserie. Da gab es auch Tiere, die gezeigt wurden — gerade die Pinguine hier, die erinnern mich daran so ein bisschen,  dass man das wiedererkennt, was man doch vielleicht schon einmal gesehen hat."

    Wer die UdSSR-Spielwaren — Tiere,  Kosmonaut & Co —  ins Herz schliesst, kann sich freuen, denn es gibt die Nostalgie im Original oder im edlen Porzellanabguss auch für die eigene Sammlung daheim. Die Ausstellung ist bis zum 22.April zu sehen, dann zieht die Spielzeugkarawane weiter.

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    Tags:
    Kunst, Ausstellung, Sammlung, Spielzeug, UdSSR, Deutschland
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