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    Filmregisseur Ossipow im Gespräch mit Zuschauern

    Den Preis des Sieges über Hitler-Deutschland im Film „Ostfront“ gezeigt

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    Nikolaj Jolkin
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    Im Vorfeld des "Tages des Sieges" über Hitler-Deutschland im Zweiten Weltkrieg wurde in Moskau der Film „Ostfront“ des namhaften russischen Dokumentar-Regisseurs Andrei Ossipow präsentiert. Er zeigt den Krieg aus der Sicht der deutschen Soldaten und erzählt von der fatalen Fehlentscheidung, die den grausamsten Krieg seit dem Bestehen der Menschheit verursacht hat.

    Ossipow nahm Dokumentaraufnahmen, vor allem von der Deutschen Wochenschau, und zeigte den russischen Zuschauern den Krieg aus der deutschen Sicht. Er synchronisierte diese Dokumentaraufnahmen neu nach und rückte sie dadurch in zeitliche Nähe. Es scheint nicht vor 70–80 Jahren gedreht, sondern eine Geschichte aus der jüngsten Vergangenheit zu sein. Kein Wort im Off. Nichts als Filmschnitt. Wir sehen Wehrmachtsoldaten, die zunächst immer weiter ins Innere der Sowjetunion vordringen und wie absolute Sieger wirken, dann bahnt sich allmählich eine Wende an.

    So sehen wir ab einem gewissen Zeitpunkt ihre Rücken, indem sie gehen, indem sie, geschlagen von der Roten Armee, sich zurückziehen. Da werden schon sowjetische Dokumentaraufnahmen aus dem Staatlichen Filmarchiv der Russischen Föderation Gosfilmofond verwendet, die allerdings dem Massenpublikum nicht bekannt sind. Das Ganze endet logischerweise mit Bildern vom Nürnberger Prozess, bei dem sich Ossipow amerikanischer Dokumentaraufnahmen bedient hat.

    Der Regisseur meinte während der Filmpräsentation: „Es ist so gekommen, dass das von deutschen Philosophen, Schriftstellern und Komponisten vorgegebene humanistische Prinzip in die kulturelle Identität der Nation offenbar keinen Eingang gefunden hatte. Mein Film handelt von der Unvermeidlichkeit der Strafe für das zugefügte Böse und davon, dass wir mit diesem Bösen schneller fertig geworden sind, als wir mit unseren Verbündeten gemeinsam handelten. Es ist ein Film von dem Nazideutschland, aber auch von uns. Von dem Preis des Sieges und davon, wie wir gesiegt haben. Jede Familie hat jemanden verloren. Ein Großvater von mir ist am 5. Februar 1942 im Kessel von Donezk verschollen, wobei er drei Buben zurückließ, meinen Vater darunter.“

    Filmregisseur Ossipow (r.) bei der Präsentation des Films „Ostfront”
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Filmregisseur Ossipow (r.) bei der Präsentation des Films „Ostfront”

    Um diesen Film zu drehen, musste Ossipow laut ihm selbst „in diese Tragödie, in diese Not“ eintauchen. „Der Film handelt darüber hinaus von dem Wahnsinn, von der Absurdität jenes Krieges, unter dem sowieso beide Seiten, alle Menschen gelitten haben.“ Der Regisseur stellt die Frage: „Was geht denn mit uns vor? Warum rotten wir einander auf die grausamste und brutalste Weise aus?“ Über seine Arbeit an dem Film sprach er mit den Worten des russischen Klassikers: „Wir sind nicht die Ärzte, wir sind der Schmerz“. „Diesen Schmerz wollte ich auch den Zuschauern mitteilen. Ich wünsche mir, dass sie, während sie den Zuschauerraum verlassen, fühlen, dass in ihrem Inneren ein gewisser Wandel begonnen hat.“

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    Bilder mit Foltern und Hinrichtungen hat Ossipow von seinem Film ausgeschlossen, da sie ihm zufolge die Psyche geradezu ruinieren. „Sonst wäre der Film vielleicht noch ergreifender, tragischer und schwieriger geraten.“ Aber er zeige ohnehin ausführlich, „was wir überstanden und um welchen Preis gesiegt haben. Die endgültige Verlustzahl der Sowjetunion ist ja immer noch nicht genannt worden. Vorläufig sind das 27 Millionen. Jede von unseren Familien hat ein Mitglied verloren.“

    Filmregisseur Ossipow im Gespräch mit Zuschauern
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Filmregisseur Ossipow (i. d. M.) im Gespräch mit Zuschauern

    Der Film zeigt Kolonnen sowjetischer Kriegsgefangener zu Beginn des Krieges, aber keine deutschen gegen Kriegsende. Dazu meinte der Regisseur im Sputnik-Gespräch: „Hätte ich einen Film über die Ostfront aus russischer Sicht gedreht, hätte ich auch Bilder mit deutschen Soldaten in sowjetischer Gefangenschaft darin aufgenommen. In Archiven habe ich Bilder gesehen, die mich erschütterten: wie diese sich verhielten und wie sie von unseren Soldaten behandelt wurden. All das ist lebensbedingt und erklärlich, wirkt aber bedrückend, da die Leute nach dem Gesetz des Krieges, nicht des Friedens vorgingen. Also darf man heute jenen Raum nicht anhand der Gesetze der Friedenszeit beurteilen.“

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    Kriegsgefangene, Strafe, Sowjetunion, Einmarsch, Soldaten, Wehrmacht, Dokumentaraufnahmen, Wochenschau, Fehlentscheidung, Deutschland, Hitler, Siegestag