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07:41 12 November 2019
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    „Sibylle“ und die DDR: Modefotografie hinterm Eisernen Vorhang - INTERVIEW

    © Foto : Werner Mahler/OSTKREUZ
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    Die bekannteste Modezeitschrift der DDR hieß „Sibylle“. Das Journal trug zum Frauenbild bei, spiegelte gesellschaftliche Verhältnisse wider. Stil, Geschmack und Ermutigung zur Individualität - ihr Credo. Eine Ausstellung zeigt nun das fotografische Werk von Mitarbeitern. Sputnik sprach mit Fotografin Ute Mahler über ihre Zeit bei und mit „Sibylle“.

    "Mit Luxus hatte das (Magazin, Anm. d. Red.) nichts zu tun: Es ging der Redaktion und den Fotografen darum, dass man Persönlichkeiten gezeigt und auch Mut gemacht hat [...] Dieses Ermuntern: ´Sei du selber, aber sei individueller und lass dich nicht so ´gleich` machen`", sagt Fotografin Ute Mahler.

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    40 Seiten Mode, 40 Seiten Kultur: Gearbeitet haben bei der DDR-Zeitschrift „Sibylle“ wichtige Fotografen der DDR, die einen eigenen Stil hatten. Und das sei für die Redakteure interessant gewesen, denn sie hätten eben jenen Stil auch ins Heft transportieren wollen. „Es war toll dort zu arbeiten, weil man eine verhältnismäßige Freiheit hatte“. So hätten die Fotografen direkt mit den Redakteuren arbeiten und die Bildstrecken auch mitkonzipieren können.

    "Es hat uns während des Arbeitens keiner reingeredet. Es war hinterher ein bisschen schwierig, aber da war das Heft dann schon gedruckt, [...] denn die Chefredakteurin musste mit dem fertigen Produkt des Heftes zur Kritik ins Politbüro und dort hatte man eine andere Meinung davon wie ‚unsere Menschen‘ aussehen sollten oder fühlen sollten“, erinnert sich die heute 69-jährige Fotografin.

    "In Symbolen und durch die Blume sozusagen zu reden, das hatten doch viele Fotografen und viele Redakteure sich angewöhnt und das ist auch gelesen worden und verstanden worden vom Publikum. Heute ist es etwas albern, wenn man es sich anguckt, aber damals in der Zeit war es wichtig und richtig."

    Von 1956 bis 1995 erschien die Zeitschrift „Sibylle" sechsmal jährlich im Verlag für die Frau in Leipzig. Mit einer Auflage von 200.000 Exemplaren und in der DDR heiß begehrt, ging eine Ausgabe nicht selten durch 10 oder 20 Paar Hände und erreichte so ein Millionenpublikum.

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    Dreizehn Positionen von Modefotografie aus der DDR, beginnend in den 1960er Jahren bis in die späten 1980er Jahre mit Werken von Sibylle Bergemann, Arno Fischer, Ute Mahler, Werner Mahler, Sven Marquardt, Elisabeth Meinke, Roger Melis, Hans Praefke, Günter Rössler, Rudolf Schäfer, Wolfgang Wandelt, Michael Weidt und Ulrich Wüst: Über zweihundert Exponate zeigen die Entwicklung der Zeitschrift „Sibylle“ und der Modefotografie in der DDR in einer Ausstellung in Kooperation mit der Kunsthalle Rostock. „Sibylle“ - vom 7. Juni bis 25. August 2019 im Willy-Brandt-Haus in Berlin.

    Hier das Interview zum Nachhören:

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    Tags:
    30 Jahre Mauerfall, Mauerfall-Jahrestag, Fotos, Zeitschrift, eiserner Vorhang, Magazin, Mode, DDR