00:57 17 November 2019
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    Deutscher Star-Maler Neo Rauch (Archiv)

    „Rechte Kunst“? –Star-Maler Neo Rauch wehrt sich gegen Angriff

    © AFP 2019 / HENDRIK SCHMIDT
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    Neo Rauch, Vertreter der „Neuen Leipziger Schule“, gilt weltweit als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Maler und - als einer der teuersten der Republik. Ein Kunsthistoriker sieht in Rauchs komplexen Traumwelten „Motive“ eines „rechten Denkens“. Nun hat sich der Maler zu den „braunen“ Vorwürfen geäußert: Mit einem Gemälde.

    Einen Schlagabtausch der besonderen Art liefern sich derzeit der Leipziger Maler Neo Rauch und Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich. In der Wochenzeitung „Die Zeit“ hatte Ullrich die These vertreten, dass heute, „rechts gesinnte Künstler als letzte Verteidiger der Kunstfreiheit auftreten“ würden. Dabei stellte er Rauch in eine Reihe mit einem eher unbekannten Maler - Sebastian Hennig.

    Dieser habe sich als dumpfer Chauvinist und nationalistischer Kulturverächter geoutet, indem er gegen „Picasso-Freaks unter den Professoren“ sowie eine „Franzosenwirtschaft an der Kunsthochschule“ wetterte. Der Mitteldeutsche Rundfunk bezeichnet den in den 1990er Jahren zum Islam konvertierten Hennig als Dresdener Pegida-Aktivisten und AfD-Sympatisanten.

    Die Attacke gegen den Leipziger Kunstprofessor Rauch erfolgte insbesondere in einem mit „Auf dunkler Scholle“ betitelten Artikel – bereits der Titel legt den Vergleich zum nationalsozialistischen „Blut-und Boden-Kult“ nahe.

    Als Reaktion auf Ullrichs publizistischen Erguss antwortete der Maler Neo Rauch nun mit - Kunst. Stilistisch entspricht das Werk des „Meisters der Uneindeutigkeit“ nicht ganz den rätselhaften wie apokalyptisch anmutenden Traumwelten des Malers, denn es ist eher polemisch-platt:

    Auf dem mit „Der Anbräuner“ betitelten Gemälde ist ein Maler zu sehen, der auf einem Nachttopf hockend mit Exkrementen eine Figur auf die Leinwand bringt. Diese gezeichnete Figur wiederum zeigt den „Hitlergruß“. Garniert mit dem Namenskürzel W.U. – ebenso die Initialen des Rauch angreifenden Kunsthistorikers Wolfgang Ullrich. Eine Karikatur mit recht offenkundiger Botschaft. Und: Ende der Durchsage.

    Rauch selbst äußert sich zwar zuweilen kritisch zum Zeitgeschehen, moniert etwa ein Zuviel an „Political Correctness“ in der Gesellschaft - die „Bagage der Blockwarte, der Gesinnungsschnüffler und Politkommissare“ sei ihm zuwider. Parteigänger allerdings ist er nicht und hat sich bislang auch nicht durch anverwandte öffentliche Äußerungen auf politische Seiten geschlagen.

    Als er in der Vergangenheit Schriftsteller Uwe Tellkamp als „Wiedergänger Stauffenbergs“ bezeichnete, revidierte er die Äußerung alsbald als missglückt: Rauch hätte andeuten wollen, dass der Schriftsteller charakterlich die Zivilcourage gehabt hätte, eine Bombe in Hitlers Hauptquartier zu platzieren. Und es sei ihm mitnichten darum gegangen, die Bundesrepublik mit der Nazi-Diktatur zu vergleichen.

    Sein Kritiker Ullrich habe sich übrigens bereits in der Vergangenheit an Neo Rauchs Schaffen gestoßen, weiß der MDR weiter zu berichten: So habe er ihn als „Salonmaler“ bezeichnet und dessen Gemälde als in der Kategorie „schwülstiger Historismus“ beheimatet gedeutet. Er betitelte den Leipziger Kunstprofessor als „Siegerkünstler“, der wie Georg Baselitz oder Damien Hirst ein wichtiger Akteur und Profiteur der neofeudalen Machtstrukturen in der heutigen Kunstwelt sei.

    Neo Rauchs Werke werden unter anderem von der in Leipzig und Berlin ansässigen Galerie „Eigen und Art“ gehandelt. So jüngst bei der Kunstmesse „Art Basel“. Bei der Messe „Art Cologne“ noch bot die New Yorker „Galerie David Zwirner“ Rauchs Werk „Kalter Mai“ aus dem Jahr 2010 für rund 1,1 Millionen Euro an. 

     

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    Tags:
    Leipzig, Sympathie, AfD, Kultur, Künstler, Rechtsextremismus, Vorwürfe, Motive, Ideologie, Kritik, Deutschland, Maler, Gemälde, Kunstwerk, Kunst