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10:14 22 September 2019
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    Standfoto aus der Netflix-Serie The Last Czars

    US-Netflix-Serie „The Last Czars“ zeigt Lenin-Mausoleum in Kaiserrussland - Foto

    © Foto: Netflix
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    Nach dem Riesenerfolg der Chernobyl-Serie strahlt der US-Streamingdienst Netflix nun ein längst erwartetes US-Epos über die Romanows, die „Letzten Zaren“ (The Last Csars), aus. Doch was am Anfang offenbar als rührendes Geschichtsdrama mit dem „Auch Reiche weinen“-Hauch gedacht war, wirkt am Ende wohl eher als mit Verfehlungen übersättigter Kitsch.

    So haben die Zuschauer schon in der ersten Folge einen signifikanten Fehler gefunden. In einer Episode in St. Petersburg wird 1894 eine Moschee gezeigt, die erst 1920 gebaut wurde. Aber ein echtes Fail sind wohl das Lenin-Mausoleum und der rote Kreml, die auf dem Roten Platz mit der Überschrift „Moskau, den 4. Februar 1905“ auftauchen. Der Kreml war bis 1910 bekannterweise geweißt.

    Die russischen Internetnutzer konnten an der Verfehlung nicht vorbeikommen und reagierten mit Meme-artigen Fotos von Moskau im Jahre 1905, darunter mit dem Hochhäuser-Bezirk Moscow-City.

    „Na klar, da soll der Rjurik (warägischer Fürst, gilt als Gründer des altrussischen Staates Kiewer Rus – Anm. d. Red.) liegen“, spottete ein Twitter-Nutzer. „Die zaristische Geheimpolizei wies Lenin insgeheim darauf hin, dass man bald aus ihm eine Vogelscheuche machen wird“, scherzte ein anderer. „In der letzten Folge wird Lenin selbst vom Podium des Mausoleums sprechen!“, spekulierten die Nutzer des größten russischen Kinoportals Kinopoisk. Sie verwiesen auch darauf, dass das Kloster, das in der Serie im Ural angesiedelt wird, eigentlich in Armenien gefilmt wurde, mit dem Blick auf den Berg Ararat

    Westliche Zuschauer zeigten sich ebenfalls überwiegend enttäuscht. Die Nutzer-Bewertung der Serie auf dem großen Kinoportal „Rotten Tomatoes“ liegt nur bei 33 Prozent. Das Publikum beklagt billige Dekorationen und Kostüme, leere Dialoge, historische Ungenauigkeiten sowie zu viele Sex- und Nacktszenen bis zur Pornografie. Auch die Art und Weise, wie das geschichtliche Material präsentiert wird, gefiel nicht allen. „Dies ist eine ekelhafte Art, eine großartige Geschichte zu erzählen, und das zeitliche Hin- und Herwechseln führt nur dazu, dass da und dort Punkte verloren gehen“, schrieb einer der verärgerten Zuschauer.

    Was ist in der Serie zu sehen?

    1894 starb der russische Zar Alexander III., und der junge Nikolaus II. bestieg den Thron des russischen Reiches. Zunächst versuchte er mit seiner Frau Alexandra Fjodorowna, einer ehemaligen deutschen Prinzessin, einen Erben und Nachfolger der Dynastie auf die Welt zu bringen. Als Alexej 1904 nach vier Töchtern geboren wird, stellt sich heraus, dass er an Hämophilie leidet. Die Eltern des Kindes hoffen auf ein Wunder, und bald kommt dieses „Wunder“ – direkt aus Sibirien. Weiter wird die Rolle von Grigori Rasputin gezeigt, die dazu führt, dass sich am Ende verschiedene Parteien gegen den Zaren vereinigen und dieser abdanken muss. Nach der Februar- folgt die Oktoberrevolution. 

    Die Kritiker betonen, dass die Erzählung in der Serie im Großen und Ganzen relativ ordentlich und sogar langweilig sei. Die Autoren versuchen, nicht von den bekannten Klischees rund um Rasputin als Ursache der Revolution oder der auf wundersame Weise geretteten Großfürstin Anastasia abzuweichen. Im Fall von Anastasia wird jedoch die Version mit dem Mädchen namens Anna Anderson verwendet, obwohl es viele solcher Betrügerinnen gab.

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    Tags:
    Imperium, Netflix, Zar